Private Krankenversicherung: Höhere Beiträge für Privatversicherte: So stark unterscheiden sich die Kosten bei den Anbietern
Rund 53 Prozent der privat Vollversicherten in Deutschland sind von Beitragsanpassungen betroffen. Der PKV-Verband nennt gestiegene Gesundheitsausgaben als Grund.
Quick Look
- Rund 53 Prozent der privat Vollversicherten in Deutschland müssen sich zum Jahreswechsel auf durchschnittlich 13,4 Prozent höhere Beiträge einstellen.
- Grund für die Steigerungen sind gestiegene Gesundheitsausgaben der Versicherer für Krankenhausbehandlungen und Arzneimittel.
AI-generated summary
Why It Matters
Private Krankenversicherer müssen ihre Prämien an gestiegene Leistungsausgaben anpassen, wenn gesetzliche Schwellenwerte überschritten werden.
Millionen Privatversicherte müssen sich auf höhere Beiträge einstellen. Wie stark die Kosten steigen, unterscheidet sich je nach Anbieter erheblich.
Rund 53 Prozent der privat Vollversicherten in Deutschland müssen sich zum Jahreswechsel auf Beitragserhöhungen einstellen, die im Durchschnitt 13,4 Prozent betragen.
Die Debeka erhöht die Beiträge in zwei Tarifen, im Durchschnitt um 6,7 Prozent bei den Betroffenen.
Barmenia Gothaer plant Beiträge für 85 Prozent der Vollversicherten anzupassen, mit einem durchschnittlichen Plus von rund elf Prozent bei den Betroffenen.
Der Versicherungsmakler HC Consulting nennt Beitragsänderungen zwischen 2,19 Prozent und 11,72 Prozent bei verschiedenen Anbietern.
Berlin. Für Millionen Privatversicherte in Deutschland wird die Krankenversicherung im kommenden Jahr voraussichtlich teurer. Rund 53 Prozent der Vollversicherten müssen sich zum Jahreswechsel auf höhere Beiträge einstellen. Das geht aus Zahlen des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV) hervor. Im Schnitt steigen die Beiträge für die Betroffenen um 13,4 Prozent.
Grund dafür sind dem Verband zufolge steigende Gesundheitsausgaben. Im vergangenen Jahr hätten die privaten Kranken- und Pflegeversicherer insgesamt 42,1 Milliarden Euro für Leistungen ausgegeben – 7,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders für Krankenhausbehandlungen und Arzneimittel mussten sie deutlich mehr bezahlen.
Doch wie stark steigen die Beiträge bei den einzelnen Versicherern? Das Handelsblatt hat dazu bei mehreren großen privaten Krankenversicherern angefragt. Die Mehrheit wollte sich noch nicht dazu äußern. Einige Zahlen geben trotzdem einen ersten Überblick.
Ziemlich konkret wurde der Marktführer Debeka, bei dem sich rund 700.000 Kunden auf höhere Beiträge einstellen müssen. Das sind etwas mehr als ein Viertel der insgesamt 2,6 Millionen Vollversicherten. Für die Betroffenen steigen die Beiträge um durchschnittlich 6,7 Prozent, teilte Debeka auf Anfrage mit.
Die Erhöhungen beschränken sich auf zwei Tarife, deren Beiträge Anfang 2026 nicht angepasst worden waren. Über den gesamten Versichertenbestand gerechnet ergebe sich ein durchschnittlicher Anstieg von 2,9 Prozent, heißt es weiter.
Deutlich mehr Kunden dürfte es bei Barmenia Gothaer treffen, bei der sich rund 85 Prozent der Vollversicherten auf Anpassungen einstellen müssen. Das sind insgesamt etwa 375.000 Menschen, davon 280.000 bei der Barmenia und 95.000 bei der Gothaer.
Die Beiträge steigen für die betroffenen Versicherten im Durchschnitt um rund elf Prozent. Wie viel die Kunden zusätzlich zahlen müssen, hängt allerdings vom jeweiligen Vertrag ab. Einen durchschnittlichen monatlichen Mehrbeitrag allerdings weder Debeka noch Barmenia Gothaer.
Was weitere Versicherer verlangen
Hinweise auf die Preisentwicklung weiterer Anbieter liefert eine Auswertung des Kölner Versicherungsmaklers HC Consulting. Das Unternehmen hat sich auf private Krankenversicherungen spezialisiert und untersucht, wie stark Versicherungsunternehmen ihre Beiträge im kommenden Jahr anheben wollen.
Bei der Axa sollen sie demnach im Durchschnitt um 11,72 Prozent steigen. Bei der Gothaer sind es 9,02 Prozent, bei der Universa 6,58 Prozent und bei der Inter 6,24 Prozent. Niedriger fallen die ermittelten Werte bei der Allianz mit 4,92 Prozent, der Barmenia mit 4,12 Prozent und der R+V mit 2,19 Prozent aus. Für die Landeskrankenhilfe (LKH) hat HC Consulting einen Anstieg von 5,11 Prozent berechnet.
Für einige große Versicherer liegen bislang nur vorläufige Werte vor. Bei der Signal Iduna rechnet HC Consulting mit einem Plus von rund 6,6 Prozent, bei der DKV mit rund fünf Prozent. Allerdings lassen sich diese Zahlen nicht ohne Weiteres miteinander vergleichen.
HC Consulting hat eigenen Angaben zufolge bestimmte Tarife und Altersgruppen untersucht und daraus einen Durchschnitt berechnet, in den auch Beitragssenkungen einfließen. Wie viele Menschen in den jeweiligen Tarifen versichert sind, werde dabei nicht berücksichtigt.
Der Gesundheitsökonom David Matusiewicz von der FOM in Dortmund warnt deshalb vor vorschnellen Schlüssen. „Aus gesundheitsökonomischer Sicht sind solche Auswertungen ein nützlicher erster Hinweis auf die Beitragsentwicklung, aber keine belastbare Rangliste der privaten Krankenversicherer“, sagt er. Denn ein Tarif mit wenigen Kunden zählt in der Auswertung genauso viel wie einer mit vielen Versicherten.
Einzelne besonders hohe Anpassungen können das Ergebnis dadurch stark beeinflussen. „Die Verzerrungsgefahr ist daher erheblich“, sagt Matusiewicz. Für einen belastbaren Vergleich müssten die Werte nach der Zahl der Versicherten gewichtet werden.
Der PKV-Verband hält die Ergebnisse dennoch grundsätzlich für nachvollziehbar. „Die genannten Zahlen können plausibel sein“, heißt es auf Anfrage. Dass sich die Werte zwischen den Unternehmen stark unterscheiden, könne mehrere Gründe haben. So mussten manche Versicherer bereits im vergangenen Jahr die Beiträge für einen Großteil ihrer Kunden erhöhen. Bei ihnen könnten die Anpassungen 2027 geringer ausfallen.
Warum die Beiträge steigen
Wie stark die Gesundheitskosten zuletzt gestiegen sind, zeigen die Zahlen des PKV-Verbands für 2025. Für allgemeine Krankenhausleistungen mussten die privaten Krankenversicherer 7,45 Prozent mehr ausgeben als im Vorjahr. Für Arzneimittel zahlten sie rund acht Prozent mehr, für Heilmittel wie Physiotherapie gut 6,6 Prozent. Die Ausgaben für ambulante Arztbehandlungen stiegen um sechs Prozent.
Auch politisch wächst angesichts der steigenden Kosten der Handlungsdruck. CSU-Gesundheitspolitiker Stephan Pilsinger sagte dem Handelsblatt zwar, dass die Beitragsentwicklung zumutbar sei. „Trotzdem sollten wir auch im Bereich der PKV Modelle wie Patientensteuerung und Primärversorgung diskutieren, um hier die Kosten für die Versicherten langfristig in einem akzeptablen Bereich zu halten“, sagt er und fordert, höhere Beitragssprünge bei den privaten Versicherern stärker zu regulieren.
Wie genau das aussehen könnte, hatte Pilsinger bereits in der vergangenen Wahlperiode 2024 deutlich gemacht. Damals hatte die Union vorgeschlagen, die Schwellenwerte für Beitragsanpassungen zu senken, wodurch Unternehmen ihre Beiträge dann zwar häufiger anpassen, aber in deutlich kleineren Sprüngen.
Die Ausgabensteigerungen des Jahres 2025 treffen die Versicherten allerdings nicht sofort. Versicherer kalkulieren ihre Prämien anhand der erwarteten Leistungsausgaben. Steigen die tatsächlichen Kosten stärker als geplant, müssen sie unter bestimmten Voraussetzungen ihre Beiträge überprüfen und gegebenenfalls anpassen. Dafür gelten gesetzliche und vertragliche Schwellenwerte.
Solange diese nicht erreicht werden, bleiben die Beiträge zunächst unverändert. Werden sie später überschritten, können die Prämien dafür sprunghaft steigen.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Beitragserhöhungen für Millionen Privatversicherte zum Jahreswechsel
Very likely · Within months
Open Questions
- Wie hoch fallen die genauen Mehrkosten für alle Versicherten aus?
- Welche konkreten Regulierungsmaßnahmen plant die Politik?







