
JP Morgan, Goldman Sachs und Wells Fargo legen Quartalszahlen vor, während der Bankensektor eine technische Korrektur durchläuft.
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Die US-Banken verzeichneten im ersten Halbjahr eine der profitabelsten Phasen seit einem Jahrzehnt. Im Herbst trübten sich die Erwartungen aufgrund von Zinsschocks und Marktschwankungen ein.
Frankfurt. Die größte US-Bank JP Morgan eröffnet die Bilanzsaison nach dem dritten Quartal – und bleibt dabei hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Das erste Mal seit mehr als zwei Jahren sanken die Erlöse aus dem Handel mit festverzinslichen Wertpapieren. Sie gingen um vier Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück, wie die Bank am Dienstag mitteilte. Die gesamten Handelserlöse stiegen um 15 Prozent auf 10,3 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit 10,5 Milliarden Dollar gerechnet.
JP-Morgan-Chef Jamie Dimon warnte in der Mitteilung: „Große Haushaltsdefizite, hartnäckige Inflation, erhöhte Vermögenspreise, steigende Zinsen und geopolitische Entwicklungen wirken weiterhin im Hintergrund. Diese Kräfte mögen beherrschbar sein, aber wir bereiten uns auf ein breites Spektrum möglicher Ergebnisse vor.“
Dennoch verzeichnete das Aktiengeschäft das beste dritte Quartal der Firmengeschichte: Die Bank steigerte ihr Ergebnis im Aktienhandel um 49 Prozent auf 4,95 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn stieg auf 15,3 Milliarden Dollar, verfehlte damit aber die Erwartungen von 16,3 Milliarden Dollar. Die JP Morgan-Aktie fiel im frühen Handel an der New Yorker Börse um 2,3 Prozent.
Hinzu kam ein Kursrutsch am Anleihemarkt: Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen stiegen deutlich, sie näherten sich dem höchsten Stand seit fast einem Vierteljahrhundert. Steigende Renditen drücken den Wert bestehender Anleihen. Dadurch handeln Investoren seltener, und die Banken verdienen weniger im Handelsgeschäft.
Die Investmentbanking-Gebühren bei JP Morgan betrugen im dritten Quartal drei Milliarden Dollar und entsprachen damit den Erwartungen. Die Gebühren für M&A-Beratung übertrafen die Schätzungen, während die Erlöse aus Eigen- und Fremdkapitalemissionen hinter den Erwartungen zurückblieben.
Die Zahlen des Wettbewerbers Goldman Sachs deuten auf einen ähnlichen Trend hin: Goldman Sachs lag beim Anleihe- und Rohstoffhandel mit 3,47 Milliarden Dollar – ein Minus von knapp einem Prozent – ebenfalls deutlich unter den Erwartungen. Konzernchef David Solomon hatte im September bereits ein schwächeres Quartal angekündigt.
Die Aktienhändler dagegen erzielten im dritten Quartal einen Erfolg und erwirtschafteten Erlöse von 6,44 Milliarden Dollar. Das ist zwar weniger als im zweiten Quartal, liegt aber deutlich über den Erwartungen der Analysten.
Trotz der „aktuellen Komplexität und Unsicherheit in der Welt“ sei Goldman Sachs „weiterhin sehr gut aufgestellt, um unsere Kunden zu bedienen“, sagte Bankchef David Solomon in einer Mitteilung.
Das laufende Jahr war mit Rekordwerten beim Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) gestartet. Nach Daten des Informationsdienstleisters LSEG ist das globale M&A-Volumen im dritten Quartal erstmals seit Ausbruch des Handelskrieges der zweiten Trump-Regierung wieder unter die Marke von eine Billion Dollar gefallen.
Zwischen Juli und September fiel der Wert auf nur noch 986 Milliarden Dollar – gegenüber dem Vorjahr bedeutete das einen Rückgang um 13 Prozent, gegenüber dem Vorquartal sogar einen Einbruch um 42 Prozent.
Die US-Bank Wells Fargo hat ebenfalls am Dienstag Zahlen vorgelegt: Der Nettogewinn stieg im dritten Quartal um 6,5 Prozent auf knapp sechs Milliarden Dollar und lag damit leicht über den Erwartungen.
Wells-Fargo-Chef Charlie Scharf sagte, die Verbraucher gäben trotz wirtschaftlicher Unsicherheit mehr aus und die Kreditausfälle seien niedrig. „Während höhere Zinsen, höhere Ölpreise und anhaltende Inflation Risiken für die Wirtschaft schaffen, wiegen starke positive Kräfte wie die Investitionen in KI-Infrastruktur, das hohe Beschäftigungsniveau und ein stetiges Lohnwachstum weiterhin schwerer als diese Risiken“, sagte er.
Die Aktie gab im frühen Handel um 1,5 Prozent auf 82,05 Dollar nach. Bis einschließlich Montag hatte sie in diesem Jahr 11 Prozent verloren, der viertschlechteste Wert im 24 Unternehmen umfassenden KBW-Bankenindex.
Die Citigroup legte am Dienstag dagegen deutlich bessere Werte im Anleihehandel vor. Die US-Bank hat im dritten Quartal im Handel mit Anleihen, Devisen und Rohstoffe mit 4,4 Milliarden Dollar ihr bestes Ergebnis seit mindestens einem Jahrzehnt erzielt.
Sie übertrafen die Erwartungen der Analysten deutlich und glichen eine schwächere Entwicklung im M&A-Geschäft aus. Konzernchefin Jane Fraser versucht seit Jahren, den Abstand zu den Wall-Street-Konkurrenten zu verringern. Die Aktie ist in diesem Jahr um 13 Prozent gestiegen und damit stärker als die aller großen Wettbewerber.
US-Bankaktien erleben insgesamt eine Korrektur. Der amerikanische Branchenindex ist seit Anfang Juli um rund sieben Prozent gefallen. Seit dem Hoch im August hat der Index sogar knapp zwölf Prozent verloren und damit die Schwelle von zehn Prozent überschritten, ab der von einer technischen Korrektur gesprochen wird.
Die Bankaktien erreichten im Sommer ihr Hoch, gestützt durch ein außergewöhnlich starkes erstes Halbjahr. Die großen US-Banken erlebten eine der profitabelsten Phasen seit mindestens einem Jahrzehnt. Treiber waren KI-bedingte Marktschwankungen, Rohstoffpreisbewegungen und Zinsschocks, die das Handelsgeschäft belebten. Doch die Stimmung kippte im Herbst, als sich die Erwartungen für das dritte Quartal eintrübten.
Die Bankchefs selbst warnten Mitte September vor einem deutlichen Dämpfer. Brian Moynihan, Chef der Bank of America, erwartete für das dritte Quartal im Wertpapiergeschäft Erlöse, die gegenüber dem Vorjahr „nahezu flach“ ausfallen. JP-Morgan-Co-Präsident Doug Petno räumte ein, dass das Handelsergebnis nach dem vergangenen Rekordquartal geringer ausfallen dürfte. Morgan-Stanley-Co-Präsident Daniel Simkowitz erklärte, das zweite Quartal sei außergewöhnlich gewesen, und das dritte werde diesen Boom nicht wiederholen.

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