
Wie der US-Finanzierer zum wichtigsten Geldgeber der Warenhauskette aufstieg und über deren Zukunft entscheidet.
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Galeria hat in den letzten sechs Jahren vier Insolvenzen durchlaufen. Gordon Brothers fungiert nun als Hauptkreditgeber, der durch Warenbestände besicherte Finanzierungen bereitstellt.
Düsseldorf. In den vergangenen mehr als zehn Jahren hatte Galeria viele Eigentümer und Geschäftsführer, doch eine Konstante blieb: Gordon Brothers. Der Spezialist wurde regelmäßig gerufen, wenn Häuser vor der Schließung abverkauft werden mussten.
Doch nie zuvor hatte Gordon Brothers bei Galeria eine so wichtige Stellung wie jetzt. Aus dem Dienstleister ist der wichtigste Kreditgeber des Unternehmens geworden. Und damit entscheidet er de facto über die Zukunft des Warenhausbetreibers.
Das 1903 in Boston gegründete Unternehmen zählt zu den weltweit aktiven Spezialisten für Unternehmensfinanzierungen in besonderen Situationen. Gordon Brothers ist auf zwei Bereiche spezialisiert:
auf den Abverkauf von Filialen, die geschlossen werden sollen, sowie von Waren aus früheren Saisons und Überbeständen.
auf Finanzierungen, die mit dem Warenbestand besichert werden.
Beides spielt bei Galeria eine Rolle.
Mit vier Insolvenzen in sechs Jahren und einer weiteren davor hat Galeria Gordon Brothers viel Arbeit beschert. Zuletzt hat die Warenhauskette am 2. Oktober Insolvenz beantragt. An diesem Dienstag fiel die Entscheidung über die Zahlung des Insolvenzgeldes für die rund 12.000 Beschäftigten. Wie viel Geld in dieser Zeit zwischen Gordon Brothers und Galeria geflossen ist, ist nicht bekannt.
Beim Abverkauf tritt Gordon Brothers nach außen nicht in Erscheinung. Die Filialen werden im Namen des Handelsunternehmens ausverkauft. Prozesse und Systeme des Beraters seien für Kunden nicht sichtbar, heißt es aus unternehmensnahen Kreisen. Deshalb ist Gordon Brothers in Deutschland kaum bekannt. Experten zufolge dauert ein solcher Abverkauf je nach Filialgröße in der Regel drei Monate.
Das eigentliche Finanzierungsgeschäft läuft über einen separaten Bereich, der überwiegend aus London gesteuert wird. Der Geldgeber gibt Kredit und nimmt Vermögenswerte als Sicherheit, bei Handelsunternehmen also Warenbestände. Der Wert des Lagers bestimmt die Höhe der Kreditlinie. Dieser Wert schwankt über die Monate. Frische Ware ist wertvoller als Altbestände oder Restposten aus der vergangenen Saison.
Offenbar haben sowohl der Galeria-Eigentümer NRDC als auch das Management von Gordon Brothers bereits im Frühjahr gefragt, ob das Unternehmen eine sogenannte Asset-basierte Finanzierung anbieten wolle, wie das Handelsblatt aus unternehmensnahen Kreisen erfuhr. Im Fall von Galeria wäre sie also mit dem Warenbestand besichert.
Das Ziel sei gewesen, den bisherigen Geldgeber Bain Capital abzulösen. Bain Capital hatte zuvor einen Kredit in Höhe von 60 Millionen Euro gewährt. Nach Handelsblatt-Informationen wurde er noch einmal erhöht, zu einem Zinssatz von 15 Prozent, wie das Handelsblatt im Juni berichtete.
Voraussetzung für die von Gordon Brothers zugesagte Kreditlinie war allerdings ein unabhängiges Sanierungsgutachten. Nach Informationen des Handelsblatts hatte das Galeria-Management einen Restrukturierungsplan erarbeitet, den die Beratungsgesellschaft Alix Partners prüfte.
Alix Partners hat die grundsätzliche Sanierungsfähigkeit von Galeria nach Darstellung unternehmensnaher Kreise damals bestätigt. Erst auf dieser Grundlage habe sich Gordon Brothers entschieden, als externer Finanzierer einzusteigen. Im Juni 2026 stand die Kreditlinie von 160 Millionen Euro.
Tatsächlich abgerufen wurden bislang allerdings nur rund 130 Millionen Euro, heißt es aus unternehmensnahen Kreisen. Die Auszahlungen schwankten seit Juni offenbar von Monat zu Monat. Ob Galeria die Obergrenze von 160 Millionen Euro noch ausschöpft, ist offen.
Fest steht hingegen seit Montagnachmittag: Gordon Brothers hat zugestimmt, dass Insolvenzverwalter Frank Kebekus aus den laufenden Umsätzen der Galeria-Häuser Lieferanten, Dienstleister und Logistiker zunächst bis zum 14. Oktober bezahlen kann, um den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. Es handelt sich dabei weder um einen neuen Kredit von Gordon Brothers noch um Geld aus der Kreditlinie, heißt es aus unternehmensnahen Kreisen.
Klar ist darüber hinaus, dass Gordon Brothers nicht auf den gesamten Warenbestand zugreifen kann, sondern nur auf die Hosen, Pfannen und Hausgeräte, die Galeria selbst gekauft hat.
Die sogenannte Depotware bleibt davon unberührt. Sie gehört den Lieferanten, bis Galeria die Produkte verkauft hat. Schätzungen aus unternehmensnahen Kreisen zufolge macht die Depotware rund die Hälfte des gesamten Warenbestands aus. Experten schätzen den Gesamtbestand von Galeria in allen 83 Häusern auf rund eine halbe Milliarde Euro.
Grob überschlagen hätte Gordon Brothers für eine Kreditlinie von 160 Millionen Euro damit Zugriff auf einen Warenbestand in Höhe von rund 250 Millionen Euro. Gordon Brothers profitiert nun indirekt davon, dass das Insolvenzgeld bewilligt wurde. So werden Gelder frei, die sonst zunächst in Löhne und Gehälter hätten fließen müssen.
Laut Insolvenzordnung stehen Gordon Brothers 91 Prozent der Erlöse aus dem Warenbestand zu. Der Unternehmensfinanzierer kann nun entscheiden, ob und wie viel er davon dem Unternehmen zur Verfügung stellt, um es am Leben zu halten.
Einen Automatismus, nach dem Gordon Brothers die Abverkäufe übernimmt, gibt es nicht, erklären mehrere Insolvenzexperten. Die Entscheidung liegt beim Insolvenzverwalter. Wird die Schließung einer Filiale beschlossen, verantworten Unternehmensfinanzierer wie Gordon Brothers den Abverkauf, die Warenpräsentation und die Rabatte. Experten gehen davon aus, dass womöglich noch mehr als 33 Häuser geschlossen werden.
Unternehmensnahe Kreise und Insolvenzexperten halten es für sehr unwahrscheinlich, dass Gordon Brothers Galeria selbst übernehmen würde, auch wenn der Finanzierer das in den USA bei einigen Unternehmen durchaus getan hat.
So oder so werde Gordon Brothers auf seine Gewinne kommen, sagt ein Insolvenzexperte, der nicht namentlich genannt werden will. Das Unternehmen sei aber auch ein Risiko eingegangen, als es sonst niemand tun wollte. Mit dem Insolvenzgeld hätten nun alle Beteiligten – Beschäftigte, Insolvenzverwalter und Gordon Brothers – etwas Zeit gewonnen. Zudem könnten sie das wichtige Weihnachtsgeschäft noch mitnehmen. Wie es danach weitergeht, ist unklar.
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Fortführung des Geschäftsbetriebs bis mindestens Mitte Oktober.
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