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Rating 2026: Diese Lebensversicherer überzeugen im Qualitätsvergleich
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Handelsblatt4 hours agoBusiness4 min readGermanyView translation

Rating 2026: Diese Lebensversicherer überzeugen im Qualitätsvergleich

Ein neues DFSI-Rating bewertet die Stabilität und Qualität deutscher Lebensversicherer im Kontext steigender Zinsen und der anstehenden Reform der privaten Altersvorsorge.

Quick Look

  • Das DFSI-Rating 2026 analysiert deutsche Lebensversicherer.
  • Trotz gestiegener Zinsen belasten stille Lasten viele Bilanzen.
  • Die Reform der Altersvorsorge 2027 bietet neue Marktchancen, wobei WWK, Ergo Vorsorge, LV 1871 und Europa als exzellent bewertet werden.

AI-generated summary

Why It Matters

Die Reform der privaten Altersvorsorge tritt 2027 in Kraft und ersetzt das Riester-Modell. Lebensversicherer leiden unter stillen Lasten aus der langen Niedrigzinsphase.

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Düsseldorf. Die Reform der privaten Altersvorsorge verändert das Geschäft der Lebensversicherer. Zum Jahresbeginn 2027 löst sie das Riester-Modell ab. Der Staat fördert künftig auch Altersvorsorgedepots ohne Garantie und mit hoher Aktienquote. Garantieprodukte bleiben möglich. „Damit verändert sich der Wettbewerb“, sagt Sebastian Ewy vom Deutschen Finanz-Service Institut (DFSI). „Versicherungsprodukte stehen künftig stärker neben direkten kapitalmarktorientierten Lösungen.“

Die Versicherer scheuen diesen Wettbewerb nicht. „Die Reform wird den Markt spürbar verändern“, sagt Jürgen Schrameier, Vorstandsvorsitzender der WWK Versicherungen. „Wir sehen darin aber auch eine große Chance für die Versicherungswirtschaft.“ Altersvorsorge sei mehr als Vermögensaufbau: Es komme auch darauf an, wie aus dem aufgebauten Kapital verlässlich Einkommen werde und sich Risiken langfristig absichern ließen.

„Der demografische Wandel und das sinkende Leistungsniveau der gesetzlichen Rente machen zusätzliche private Vorsorge für immer mehr Menschen notwendig“, so Schrameier. „Gleichzeitig sehen wir ein anhaltendes Interesse daran, diese Vorsorge über den Kapitalmarkt renditeorientiert aufzubauen.“ Klaus Math, Vorstand der LV 1871, sieht Chancen, neue Zielgruppen zu erschließen. „Entscheidend werden flexible Vorsorgelösungen und eine qualifizierte Beratung sein, die den individuellen Bedürfnissen der Menschen gerecht werden.“

Auch Ewy sieht Vorteile gegenüber reinen Depots. „Lebensversicherungen bieten weiterhin Leistungen, die sich mit einem reinen Depot nicht vollständig abbilden lassen“, sagt er. „Fondsgebundene und hybride Rentenversicherungen dürften deshalb weiter an Bedeutung gewinnen.“ Die WWK setzt auf fondsgebundene Vorsorge. Ihre Kunden bevorzugen laufende Beiträge gegenüber Einmalzahlungen. Die LV 1871 wächst in beiden Segmenten. „Einmalbeiträge sind insbesondere für Kunden mit bereits vorhandenem Kapital sowie im Rahmen der Vermögensübertragung durch Erben und Schenken interessant“, sagt Math. „Entscheidend ist immer die individuelle Lebenssituation.“

Das DFSI bewertet regelmäßig die Produktqualität, die Substanzkraft und den Service von Lebensversicherern. Wie in den Vorjahren führt die WWK das Qualitätsrating auch 2026 an. Es folgen die Ergo Vorsorge, die LV 1871 und die Europa. Alle vier erhalten die Note „exzellent“. Neben der Produktqualität ist die Substanzkraft dafür entscheidend.

Nach Einschätzung des DFSI stehen die deutschen Lebensversicherer 2026 besser da als während der Niedrigzinsphase. Höhere Kapitalmarktzinsen verbessern die Bedingungen für Neu- und Wiederanlagen. Seit Anfang 2025 liegt der Höchstrechnungszins wieder bei 1,0 Prozent. Das schafft Spielraum für Garantien und verbessert die Ertragschancen.

„Die Kehrseite der Zinswende ist aber weiterhin deutlich sichtbar“, gibt Ewy zu bedenken. Viele ältere festverzinsliche Wertpapiere haben an Marktwert verloren, weil sie noch niedrig verzinst sind. „Die daraus entstandenen stillen Lasten sind auch 2026 kein Randthema“, sagt er. „Für viele Lebensversicherer bleiben sie eine erhebliche bilanzielle Belastung.“

Stille Lasten sind zunächst Bewertungsdifferenzen. Ein festverzinsliches Wertpapier kann mit 100 Euro in den Büchern stehen, obwohl sein aktueller Marktwert nur noch 90 Euro beträgt. Hält der Versicherer es bis zur Endfälligkeit, entsteht kein tatsächlicher Verlust. „Problematisch wird es, wenn Kapitalanlagen vorher verkauft werden müssen“, warnt Ewy. Dann kann aus der bilanziellen Belastung ein realer Verlust werden. „Hohe stille Lasten schränken deshalb die Beweglichkeit in der Kapitalanlage ein.“ Umschichtungen fallen schwerer, zusätzlicher Liquiditätsbedarf kann den finanziellen Spielraum verkleinern.

Schrameier sieht sein Haus vergleichsweise gut aufgestellt. „Wir haben uns in der Niedrigzinsphase bewusst entschieden, das Kapital der Kunden nicht in schwach verzinste lang laufende Anleihen anzulegen“, sagt er. „Stattdessen haben wir in renditestärkere Anlageformen wie Aktien, alternative Kapitalanlageprodukte und Immobilien investiert.“

Dadurch hätten Kursrückgänge bei lang laufenden, niedrig verzinsten Anleihen die WWK weniger stark getroffen. „Nach der Zinswende konnten wir liquide Mittel nutzen, um wieder verstärkt in höher verzinste Staats- und Unternehmensanleihen zu investieren“, so Schrameier.

Die Bundesbank stuft die Belastung weiterhin als materiell ein. Im zweiten Quartal 2025 wiesen 87 Prozent der Lebensversicherer stille Lasten aus. Im Durchschnitt entsprachen sie rund neun Prozent der Bilanzsumme.

Wie unterschiedlich die Lage ist, zeigt eine DFSI-Übersicht der 30 größten aktiven Lebensversicherer nach Kapitalanlagen. Nur drei Gesellschaften weisen einen positiven Saldo aus stillen Reserven und stillen Lasten auf. An der Spitze steht die LV 1871 mit einer positiven Quote von 4,68 Prozent. Es folgen die WWK mit 3,72 Prozent und die Hannoversche mit 2,28 Prozent.

Die übrigen Gesellschaften haben einen negativen Saldo. Dazu zählen unter anderem die SV Sparkassen-Versicherung mit minus 2,07 Prozent, Baloise mit minus 3,35 Prozent, Ergo Vorsorge mit minus 4,46 Prozent und die Continentale mit minus 4,71 Prozent. „Einzelne der 30 größten aktiven Lebensversicherer weisen negative Salden von mehr als 20 Prozent auf“, betont Ewy.

Je höher der negative Saldo, desto wichtiger ist es, Kapitalanlagen bis zur Fälligkeit halten zu können. Das gelingt nur, solange kein größerer Liquiditätsbedarf zu Verkäufen zwingt. „Die drei Gesellschaften mit positiven Bewertungsreserven befinden sich dagegen in einer komfortableren Ausgangslage“, so Ewy. Sie können leichter umschichten, ohne stille Lasten zu realisieren, und frei werdende Mittel flexibler in höher verzinste Anlagen investieren.

Das DFSI-Rating bewertet die Unternehmensqualität von Lebensversicherern in drei Bereichen: Substanzkraft (40 Prozent), Produktqualität (40 Prozent) und Service (20 Prozent). Das DFSI analysierte insgesamt 35 Anbieter.

Das DFSI bewertet die Substanzkraftquote, die Solvency-II-Quote, die Nettorendite und die Gewinndeklaration 2026. Die Substanzkraftquote setzt das doppelte Eigenkapital, die freie Rückstellung für Beitragsrückerstattung sowie ein Drittel der Bewertungsreserven ins Verhältnis zur Deckungsrückstellung. Ab 12,5 Prozent gibt es die Bestnote. Bei der Solvency-II-Quote erhalten Versicherer ab 350 Prozent die volle Punktzahl, unter 100 Prozent bekommen sie keine Punkte. Fällt auch die bereinigte Solvency-II-Quote unter 100 Prozent, zieht das DFSI zusätzlich 50 Punkte von der Substanzkraftwertung ab.

Das DFSI gewichtet die Produktstärke mit 70 Prozent und die Produkttransparenz mit 30 Prozent. Es untersucht Angebote aus den Bereichen Risikoleben, Berufsunfähigkeit und Rentenversicherung.

Die Frühstornoquote zählt mit 40 Prozent, die Spätstornoquote mit 20 Prozent und die Beschwerdestatistik der Bafin mit 40 Prozent. Stornoquoten von fünf Prozent erhalten die Bestbewertung, ab 15 Prozent gibt es keine Punkte. Bei der Beschwerdequote gilt ein Wert von 1,5 Beschwerden je 100.000 Verträge als Bestwert, ab 8,0 gibt es keine Punkte mehr. Für besonders gute Ergebnisse in Kunden- und Servicestudien können Versicherer Sonderpunkte erhalten.

„Das höhere Zinsniveau eröffnet neue Chancen für die Kapitalanlage“, bestätigt Math. „Als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit nutzen wir diese mit dem Ziel, langfristig im Interesse unserer Kunden zu handeln.“

In den kommenden Jahren dürfte sich zeigen, wie schnell die Versicherer ihre Kapitalanlagen auf das neue Renditeniveau umstellen können und wie viel finanziellen Spielraum sie dafür haben. „Die Ausgangslage der Branche hat sich verbessert“, sagt Ewy. „Die Unterschiede zwischen den einzelnen Lebensversicherern bleiben jedoch groß.“

Open Questions

  • Wie schnell können Versicherer ihre Portfolios vollständig umschichten?
  • Welche Auswirkungen haben die stillen Lasten auf die Ausschüttungen an Kunden?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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