Reform UK kämpft mit Umfragerückgang, Skandalen und neuem Labour-Premier
Quick Look
Reform UK verliert an Umfragewert und Ansehen aufgrund von Finanzskandalen um Nigel Farage und dem politischen Aufschwung unter Labour-Premier Andy Burnham, während die Partei trotz Unterdruck durch Undercover-Recherchen und Spendenkontroversen ihren 100-Tage-Plan mit strenger Migrationspolitik und Sozialleistungsabbau präsentiert.
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Why It Matters
Reform UK hatte zuvor starken Auftrieb durch Umfrageführung und Erfolg bei Lokalwahlen, wurde aber durch Finanzskandale um undeclared Spenden und den politischen Aufschwung unter Labour-Premier Andy Burnham geschwächt.
Wer in die Konferenzhalle des Parteitages von Reform UK kommt, läuft über einen türkisfarbenen Teppich - die typische Farbe der Partei, die hier im Ausstellungszentrum von Birmingham allgegenwärtig ist. Ganz vorne: ein Selfie-Spot, vor dem Delegierte und Besucher Handyfotos machen. In großen weißen Buchstaben steht dort: "It’s time for Reform." Es ist Zeit für Reform.
Das Umfragehoch ist vorbei
Doch für die britischen Rechtspopulisten sind die Zeiten schwieriger geworden. Noch beim Parteitag vor einem Jahr im September 2025 träumte Reform UK vom Einzug in die Nummer 10 Downing Street. Damals lag die Partei von Nigel Farage nicht nur in den Umfragen vorne. Sie bestimmte die Debatte über Einwanderung und setzte die Labour-Regierung von Keir Starmer unter Druck. Bei den Lokal- und Regionalwahlen im Mai gewann Reform zahlreiche Sitze hinzu.
Inzwischen ist das Umfragehoch vorbei. Mehrere Nachwahlen gingen verloren, und auch das Ansehen der Partei und von Farage selbst haben gelitten. Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage vor dem Parteitag halten rund sechs von zehn Briten Reform für "nicht vertrauenswürdig, eigennützig, vorurteilsbehaftet oder extrem".
Burnham-Effekt schwächt Reform UK
Ein Problem für Reform ist der neue Labour-Premier Andy Burnham. Er hat einen guten Start hingelegt, ist in den sozialen Medien allgegenwärtig, wirkt nahbar, wenn er im Supermarkt zum Beispiel beim Broteinräumen hilft und bringt Labour in den Umfragen wieder nach vorne. Von einem "Burnham-Bounce", einem Burnham-Effekt, ist die Rede.
Burnham schafft es vor allem, Wählerinnen und Wähler aus dem linken Spektrum wieder stärker hinter Labour zu versammeln, sagt die Londoner Politikjournalistin Lucy Fisher von der Financial Times. "Während das linke politische Spektrum sich wieder vereint, ist die politische Rechte sehr zersplittert". Neben Reform und den Konservativen gibt es mit Restore Britain inzwischen eine weitere Partei, die noch weiter rechts steht als Farages Partei.
Auch wenn Burnham und Farage in weiten Teilen um unterschiedliche Wähler werben, schwächt der Burnham-Effekt Reform. "Reform ist schnell gewachsen, auch weil Farage es immer geschafft hat, das Interesse der Medien und der Öffentlichkeit zu halten. Aber jetzt scheint das ein wenig nachzulassen. Burnham ist der Neue und verhilft Labour zu einer Renaissance", so Fisher.
Skandale schaden Farage
Vor allem aber sind es die Finanz- und Spendenskandale der vergangenen Monate, die Reform schaden. Im Mittelpunkt steht eine persönliche Spende von fünf Millionen Pfund an Farage selbst. Sie kam von dem in Thailand lebenden britischen Krypto-Unternehmer Christopher Harborne. Farage hatte die Spende nicht deklariert, als er Abgeordneter wurde und das löste Ermittlungen der parlamentarischen Ethikkommission aus.
Farage betont vor dem Parteitag in einem BBC-Interview erneut, dass er alles richtig gemacht habe. "Das war eine persönliche Spende, die ich ohne Bedingungen erhalten habe und keine politische Spende. Sie wurde nicht für eine Kampagne genutzt." Anschließend fügte er hinzu: "Wenn sie mich für schuldig erklären, dann dafür, dass ich das Formular nicht ausgefüllt habe."
Aus Protest gegen die Ermittlungen war Farage im Sommer als Abgeordneter zurückgetreten und hatte damit eine Nachwahl in seinem Wahlkreis ausgelöst - und gewonnen. Er wollte daraus eine Abstimmung über seine Person und die gegen ihn erhobenen Vorwürfe machen. Doch die etablierten Parteien traten nicht mit eigenen Kandidaten an. Stattdessen wurde ausgerechnet die Polit-Kunstfigur Count Binface, "Graf Mülleimergesicht", zu Farages prominentestem Herausforderer und holte immerhin etwa 27 Prozent der Stimmen.
Krypto-Milliardär spendet vier Millionen Pfund an Partei
Da Farage nun wieder Abgeordneter ist, laufen auch die Untersuchungen wegen der Fünf-Millionen-Spende weiter. Sollte er für schuldig befunden werden, könnte er suspendiert und gegebenenfalls zu einer weiteren Nachwahl gezwungen werden. Bei einer solchen Wahl dürften die anderen Parteien allerdings eigene Kandidaten aufstellen.
Und es ist nicht die einzige umstrittene Spende an Reform UK. In den Tagen vor dem Parteitag veröffentlichte die britische Wahlkommission neue Zahlen, die zeigen: Die größte Spende der vergangenen Monate - vier Millionen Pfund - kam von Ben Delo, einem Krypto-Unternehmer, der zuletzt in Hongkong lebte und in den USA verurteilt worden war, weil sein Unternehmen keine ausreichenden Maßnahmen gegen Geldwäsche umgesetzt hatte. Später wurde Delo von Donald Trump begnadigt.
Anzeige nach Undercover-Recherche
Am Vorabend des Parteitages setzt eine Undercover-Recherche des britischen Senders Channel 4 Reform weiter unter Druck. Heimliche Aufnahmen der Investigativgruppe Verbatim, die von Journalisten des Centre for Climate Reporting gegründet wurde, zeigen hochrangige Parteivertreter dabei, wie sie Strategien besprechen, um das gesetzliche Verbot von Auslandsspenden zu umgehen.
Konkret ging es darum, Geld eines vermeintlichen US-Milliardärs über dessen in Großbritannien lebenden Sohn sowie über US-finanzierte Umfragen an Reform zu leiten. Die Partei spricht in einer Stellungnahme von einer "ausländisch finanzierten Falle" und weist die Vorwürfe zurück. Die anderen Parteien fordern Aufklärung, die Liberaldemokraten haben bereits Anzeige erstattet.
Kürzung von Sozialleistungen geplant
Dabei will Reform in Birmingham eigentlich wieder über ihre politischen Themen sprechen und stellt ein 100-Tage-Programm für den Fall eines Wahlsieges vor. Dazu gehören eine strenge Migrationspolitik, Bürokratieabbau und Kürzungen bei Sozialleistungen.
Aber ein Wahlsieg bei der nächsten Parlamentswahl, die spätestens 2029 stattfinden muss, ist für Reform derzeit wieder in die Ferne gerückt.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die parlamentarische Ethikkommission wird eine Entscheidung über Nigel Farages Spendenoffenlegung treffen.
Likely · Within weeks
Reform UK wird bei der nächsten Parlamentswahl 2029 keine Regierungsmehrheit erreichen.
Likely · Within years
Open Questions
- Wird Nigel Farage aufgrund der Finanzskandale suspendiert oder zu einer Nachwahl gezwungen?
- Kann Reform UK sein politisches Profil trotz Unterdruck wiederbeleben?
- Wird die Untercover-Recherche von Channel 4 zu offiziellen Ermittlungen führen?




