Risikolebensversicherung: Große Lücken bei der Absicherung von Familien
Viele Haushalte mit Kindern oder Immobilienkrediten haben keine Risikolebensversicherung. Ein aktueller Vergleich zeigt die besten Tarife und worauf Verbraucher achten müssen.
Quick Look
- Laut GDV-Daten besitzen viele Familien und Immobilienkäufer keine Risikolebensversicherung, obwohl diese Hinterbliebene im Todesfall finanziell schützt.
- Ein aktueller Vergleich von Franke und Bornberg zeichnet Tarife als exzellent aus.
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Why It Matters
Viele Haushalte in Deutschland sind laut GDV-Daten für den Todesfall finanziell unzureichend abgesichert.
Eine Risikolebensversicherung schützt Angehörige im Todesfall finanziell. Doch ausgerechnet viele Haushalte, die auf die Absicherung angewiesen wären, haben keine Police.
Fallschirmspringer: Riskante Hobbys können höhere Beiträge bedeuten und in Einzelfällen zur Ablehnung des Antrags führen. Foto: Getty Images
Köln. Viele Familien sind für den Todesfall finanziell nicht ausreichend abgesichert. Eine Risikolebensversicherung schließt diese Lücke: Sie zahlt die vereinbarte Versicherungssumme an die Hinterbliebenen, wenn die versicherte Person stirbt. Damit soll sie den Wegfall eines Einkommens auffangen und den Lebensstandard der Familie absichern. Doch selbst bei Paaren mit minderjährigen Kindern besitzt nur knapp die Hälfte solch eine Police. Bei Alleinerziehenden liegt der Anteil sogar nur bei 19,2 Prozent, wie eine Auswertung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zeigt.
Auch bei Immobilienkäufern ist die Lücke groß. Nur 44,8 Prozent der Haushalte mit einem laufenden Immobilienkredit haben eine Risikolebensversicherung abgeschlossen. „Stirbt ein Partner, kann neben einem Teil des Haushaltseinkommens auch das Geld für Zins und Tilgung fehlen“, sagt Philipp Opfermann, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.
Sinnvoll ist eine Risikolebensversicherung, wenn andere Menschen wirtschaftlich vom Einkommen des Versicherten abhängig sind. „Eine Risikolebensversicherung ist der unverzichtbare finanzielle Schutzschirm für alle, die Verantwortung für andere tragen“, sagt Ramona Paul, Head of Product Development & Placement bei der Ideal-Versicherungsgruppe. Das betrifft vor allem Familien und Immobilienkäufer, aber auch unverheiratete Paare mit gegenseitigen finanziellen Verpflichtungen sowie Geschäftspartner und Gründer.
Wie gut die Produkte auf dem Markt sind, zeigt ein aktueller Vergleich des Ratinghauses Franke und Bornberg für das Handelsblatt. An der Spitze liegen vier Angebote mit jeweils 100 Punkten und der Gesamtnote „exzellent“: der Tarif „RLV Extra“ der LV 1871 Lebensversicherung, die „RLV Risk-Vario“ der Dialog Lebensversicherung, die „Baloise Risiko Versicherung Premium“ und die „Ideal RLV Exklusiv“. Ihre jährlichen Nettobeiträge liegen im Musterfall zwischen 71,91 und 77,88 Euro. Insgesamt erhalten neun Produkte die Bestnote „exzellent“ und sechs ein „sehr gut“.
Was die Tarife der Spitzenreiter auszeichnen
Der Tarif „RLV Extra“ der LV 1871 punktet vor allem mit seiner Flexibilität. Bei Heirat, Geburt oder Adoption eines Kindes sowie dem Kauf selbst genutzten Wohneigentums lässt sich die Versicherungssumme ohne erneute Risikoprüfung erhöhen. Besonderheit: Bei bestimmten Lebensereignissen steigt die Todesfallleistung für sechs Monate beitragsfrei um 20 Prozent. Zudem kann die Vertragslaufzeit unter bestimmten Voraussetzungen verlängert werden.
Der Tarif „RLV Risk-Vario“ bietet ebenfalls umfangreiche Möglichkeiten zur Nachversicherung und berücksichtigt dabei besonders Veränderungen im Berufsleben. Dazu zählen etwa Berufseinstieg, eine deutliche Gehaltssteigerung oder der erstmalige Schritt in die Selbstständigkeit. Auch die Versicherungsdauer lässt sich unter bestimmten Voraussetzungen verlängern.
Bei der „Baloise Risiko Versicherung Premium“ fällt die zusätzliche Todesfallleistung nach wichtigen Lebensereignissen auf. Stirbt die versicherte Person innerhalb von zwölf Monaten nach Heirat, Geburt oder Adoption eines Kindes, dem Kauf oder Bau einer Immobilie oder dem Start in die Selbstständigkeit, zahlt Baloise 25 Prozent der Versicherungssumme zusätzlich – maximal 50.000 Euro.
Der Tarif „Ideal RLV Exklusiv“ bietet besondere Leistungen für Familien mit Kindern. Hinterlässt der Versicherte kleine Kinder, sind unter bestimmten Voraussetzungen zusätzliche Leistungen vorgesehen. Leistungen gibt es auch beim Tod eines Kindes oder bei bestimmten schweren Erkrankungen eines Kindes. Eine Besonderheit ist zudem, dass sich der Versicherungsschutz in den ersten Vertragsjahren auch ohne konkretes Lebensereignis aufstocken lässt.
Worauf Versicherte beim Abschluss achten sollten
Welcher Tarif passt, hängt jedoch nicht allein von solchen Zusatzleistungen ab. Entscheidend ist zunächst eine ausreichend hohe Versicherungssumme. Der GDV nennt als Orientierung drei bis fünf Bruttojahresgehälter zuzüglich bestehender Kredite. Bei einem Bruttojahreseinkommen von 60.000 Euro ergeben sich nach der Faustformel 180.000 bis 300.000 Euro. Wer das Fünffache des Jahresgehalts ansetzt und zusätzlich eine Restschuld von 120.000 Euro absichern möchte, kommt auf 420.000 Euro. „Wie hoch die Summe tatsächlich sein sollte, hängt unter anderem von vorhandenem Vermögen, dem Einkommen des Partners, Hinterbliebenenleistungen, Kindern und laufenden Krediten ab“, sagt Opfermann.
Auch die Laufzeit muss zur Lebenssituation passen. „Der häufigste Fehler ist eine zu kurze Versicherungsdauer“, sagt Paul. Der Schutz sollte so lange bestehen, wie Angehörige finanziell abhängig sind oder Darlehen laufen. Wer vor allem einen Immobilienkredit absichern möchte, kann eine fallende Versicherungssumme wählen, die sich ungefähr parallel zur Restschuld reduziert.
Vor Vertragsabschluss müssen Kunden in der Regel Gesundheitsfragen beantworten. Dabei sollten sie vollständig und wahrheitsgemäß Auskunft geben. Falsche oder unvollständige Angaben können im Leistungsfall dazu führen, dass der Versicherer die Zahlung verweigert oder vom Vertrag zurücktritt.
Neben Versicherungssumme und Laufzeit kann auch die Gestaltung des Vertrags eine Rolle spielen. Unverheiratete Paare sollten etwa prüfen, ob eine sogenannte Überkreuzversicherung sinnvoll ist. Dabei versichert jeder Partner das Leben des anderen und ist zugleich Versicherungsnehmer des jeweiligen Vertrags. Das kann Erbschaftsteuer sparen: Unverheiratete Partner haben lediglich einen Freibetrag von 20.000 Euro. Bei einer Überkreuzversicherung erhält der überlebende Partner die Versicherungssumme dagegen aus seinem eigenen Vertrag, sodass die Auszahlung grundsätzlich nicht der Erbschaftsteuer unterliegt.
7,2 Millionen Risikolebensversicherungsverträge zählten die deutschen Versicherer Ende 2025. Gegenüber dem Vorjahr ging the Bestand um 1,7 Prozent zurück. Quelle: Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)
Auch das Eintrittsalter kann den Schutz erheblich verteuern. Eine Modellrechnung des GDV zeigt, wie stark die Beiträge mit zunehmendem Eintrittsalter steigen können. Demnach zahlt ein 35-Jähriger rund 45 Prozent mehr als ein 30-Jähriger. Bei einem 40-Jährigen liegt der Beitrag bereits bei mehr als dem Doppelten, bei einem 50-Jährigen bei mehr als dem Sechsfachen.
Methodik
Die Ratingagentur Franke und Bornberg geht von einer 30 Jahre alten, verheirateten Person mit zwei Kindern aus. Sie raucht nicht und möchte eine Risikolebensversicherung mit einer Versicherungssumme von 100.000 Euro abschließen.
Die Qualität der Tarife geht mit 70 Prozent in die Gesamtbewertung ein. Franke und Bornberg beurteilt sie anhand von 36 Kriterien. Der Preis macht 30 Prozent aus. Dabei werden Brutto- und Nettoprämie mit jeweils 15 Prozent gewichtet. Die Bruttoprämie ist der vertraglich vereinbarte Höchstbeitrag, den der Versicherer verlangen kann. Die Nettoprämie ist der tatsächlich zu zahlende Beitrag, nachdem Überschüsse des Versicherers berücksichtigt worden sind.
Doch für viele Familien liegt das Problem noch einen Schritt davor: Sie haben überhaupt keine Risikolebensversicherung. Die Police kann zwar den Verlust eines geliebten Menschen nicht auffangen. Sie kann aber verhindern, dass daraus zusätzlich ein finanzielles Desaster für die Hinterbliebenen wird.
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