Roberto Saviano: Anti-Mafia-Journalist fordert Linkenpolitikerin Elif Eralp auf, Namen zu nennen
Der Autor Roberto Saviano fordert von der Berliner Politikerin Eralp eine klare Benennung von Bedrohungen und kritisiert die Nähe zu umstrittenen Akteuren.
Quick Look
- Der Autor Roberto Saviano kritisiert, dass die Berliner Politikerin Eralp Namen von Terrorsympathisanten in Interviews verschwieg.
- Er warnt, dass Schweigen politisch erpressbar mache und fordert eine klare Distanzierung von Akteuren wie Ibrahim Ibrahim.
AI-generated summary
Why It Matters
Eralp hatte in einem SPIEGEL-Interview versucht, den Namen des Aktivisten Ibrahim Ibrahim nicht zu nennen. Dies löste eine Debatte über den Umgang mit Terrorsympathisanten aus.
Auf Grundlage dieser Erfahrungen plädiert Saviano dafür, Namen zu nennen. »In den vergangenen 20 Jahren habe ich gelernt, dass es einen nicht schützt, einen Namen nicht zu nennen. Es macht einen vielmehr angreifbar«, so Saviano. »Der einzige Schutz ist ein laut ausgesprochene Name, mit dem Staat an Ihrer Seite.«
Er leitet aus einem Verschweigen von Bedrohungen und Ängsten auch Konsequenzen für Eralps mögliches Handeln als künftige Regierende Bürgermeisterin Berlins ab. »Wer einem droht, will, dass man den Mund hält. Hat er sich Ihres Schweigens einmal versichert, weiß er, dass er es wieder tun kann«, schreibt Saviano.
»Von da an ist Ihr politisches Handeln erpressbar«
»Von da an ist Ihr politisches Handeln erpressbar, und zwar nicht von einem Clan oder einem zweifelhaften Parteikollegen, sondern von Ihrer Angst.« Und weiter: »Eine angehende Bürgermeisterin, die einen Namen nicht nennen kann, überlässt seinem Träger die Macht über den städtischen Diskurs.«
Eralp hatte ihre Angst vor Terrorsympathisanten in der vergangenen Woche versehentlich in internen Anmerkungen zu einem SPIEGEL-Interview offenbart. Der SPIEGEL entschied sich, den Vorgang öffentlich zu machen.
Bei der Anmerkung war es um eine Frage zum propalästinensischen Aktivisten und Terrorsympathisanten Ibrahim Ibrahim gegangen, der auf einer Wahlparty der Neuköllner Linken nach der Abgeordnetenhauswahl aufgetaucht war.
Eralp wollte dessen Namen im Zuge der Interview-Autorisierung nicht nennen, ihr Sprecher verwies später darauf, dass die Sicherheitsbehörden Eralp geraten hätten, in öffentlichen Stellungnahmen politische Probleme nicht an einzelnen Personen festzumachen.
Saviano spricht sich mit Bezug auf Ibrahim gegen dieses Vorgehen aus. »Wenn Sie ihn für unschuldig halten, verteidigen Sie ihn mit offenem Visier, und ziehen Sie diejenigen zur Rechenschaft, die ihn öffentlich anprangern. Wenn nicht, dann sagen Sie, dass Sie nichts mit ihm zu tun haben wollen.«
Ähnlich stringent müssten sich auch andere Linkenmitglieder verhalten, so Saviano. Er nahm damit offenkundig Bezug auf den linken Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak, der auf der Neuköllner Wahlparty mit Ibrahim fotografiert worden war und zudem Kontakte zu Mitgliedern des Rammo-Clans pflegte.
»Ein Parteimitglied kann nicht immer wissen, wen es vor sich hat, doch sobald es das weiß, sollte klar sein, was es zu tun hat und wen es darüber in Kenntnis setzen muss«, schreibt Saviano. Wer dennoch an seinen Bekanntschaften festhalten wolle, müsse gehen. »Die Chatnachrichten zwischen Rammos Sohn und Ihrem Abgeordneten verlangten nicht nach einer Entschuldigung, sondern nach einem offiziellen Verfahren.«
Open Questions
- Wie reagiert Eralp auf die öffentliche Kritik von Saviano?
- Wird es parteiinterne Konsequenzen für Ferat Koçak geben?





