Rote Hilfe unterstützt linksextreme Aktivisten und Terroristen mit Geldzahlungen
Quick Look
- Die linksextreme Vereinigung Roten Hilfe zahlte zwischen April und Juli 2026 über 200.000 Euro an Mitglieder aus, darunter Unterstützer von Maja T. und Daniela Klette.
- Der Verein finanziert Anwalts- und Gerichtskosten von Aktivisten, die gegen Rechtsextreme vorgehen, und unterstützt frühere RAF-Terroristen.
- Die Berliner Bürgermeisterkandidatin Elif Eralp (Linke) war bis 2025 Mitglied.
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Why It Matters
Die Rote Hilfe ist ein linksextremer Verein, der vom Verfassungsschutz als „erwiesen linksextremistische Bestrebung“ eingestuft wird. Sie unterstützt Aktivisten und ehemalige RAF-Terroristen finanziell, insbesondere bei Gerichts- und Anwaltskosten. Elif Eralp war bis 2025 Mitglied der Organisation und kandidiert nun für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin von Berlin.
Auch Mitglieder eines linksextremen Vereins sehnen sich manchmal nach Unterhaltung: „Auffällig viele“ Leser der Mitgliederzeitung der Roten Hilfe wünschen sich eine „Kinder- und/oder Rätselseite“. So steht es in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Die Rote Hilfe“. Die „Genoss*innen vom Redaktionskollektiv“ wollen sich des Leserwunsches deshalb „tatsächlich bald“ annehmen.
Die Lektüre der Zeitung ist aber auch ohne Rätsel interessant: Sie bietet einen Überblick über die Aktivitäten des vom Verfassungsschutz als „erwiesen linksextremistische Bestrebung“ eingestuften Vereins. Die Berliner Bürgermeisterkandidatin Elif Eralp (Linke) gehörte ihm bis zum vergangenen Jahr an. Dies war am Dienstag durch Recherchen der F.A.Z. bekannt geworden.
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In der Rubrik „Geld her“ der Mitgliederzeitung ist zu erfahren, dass der Vorstand der Roten Hilfe zwischen April und Juli 2026 mehr als 200.000 Euro an „Genoss*innen“ auszahlte. Die Solvenz des Vereins dürfte in den vergangenen Jahren zugenommen haben: Der Verfassungsschutz geht davon aus, dass die Mitgliederzahl zwischen 2024 und 2025 von 14.400 auf 16.500 angewachsen ist.
Maja T. und Daniela Klette sind Galionsfiguren der Roten Hilfe
Davon profitierten laut Mitgliederzeitung zum Beispiel Aktivisten, die im Februar vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf gegen das Strafurteil gegen die linksextreme Person Maja T. protestiert hatten. T. war in Ungarn zu einer Haftstrafe von acht Jahren wegen Angriffen auf mutmaßliche Rechtsextreme verurteilt worden. Am Mittwoch reduzierte ein ungarisches Berufungsgericht die Haftstrafe auf sieben Jahre. Die Rote Hilfe stellt T. seit Jahren als Opfer einer Willkürjustiz und aufrechte Antifaschistin dar. Für ihre Unterstützer in Düsseldorf übernahm der Verein das Ordnungsgeld, das diese wegen ihrer Proteste im Gerichtssaal zahlen mussten.
Ein anderer Fall in der Mitgliederzeitung führt zu Daniela Klette. Auch für die frühere RAF-Terroristin hat sich die Rote Hilfe immer wieder starkgemacht. Nachdem ein Aktivist sie in Vechta im Gefängnis besucht hatte, veranlasste die Bundesanwaltschaft, ihn zu RAF-Aktivitäten der 1990er-Jahre als Zeuge zu befragen. Laut der Mitgliederzeitung verlas er eine „scharf attackierende Erklärung und schwieg ansonsten“. Von der Roten Hilfe erhielt er mehr als 1500 Euro, vermutlich für seine Anwaltskosten.
Die Unterstützung RAF-naher Kreise ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Teil der Aktivitäten der Roten Hilfe. Die Gründung des Vereins 1975 fiel in die Hochphase der RAF. Nach der Verurteilung von Klette im Mai dieses Jahres zu 13 Jahren Haft sprach Vorstandsmitglied Hartmut Brückner von einem „Paradebeispiel der politischen Justiz, die hier eine Generalabrechnung mit militantem linkem Engagement und mit kämpferischen politischen Bewegungen des vergangenen Jahrhunderts vollzieht“. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Der Verein will linksextreme Aktivisten von Polizeiaussagen abhalten
Insgesamt bewilligte der Vorstand zwischen April und Juli 2026 182 Unterstützungsanträge. Die Antragsteller bekamen zumindest einen Teil ihrer Strafgelder, Gerichts- oder Anwaltskosten erstattet. Auch Kosten für „Öffentlichkeitsarbeit“ übernimmt der Verein, sofern eine Ortsgruppe der Roten Hilfe beteiligt ist. Drei Anträge lehnte der Vorstand ab, weil „keine politische Betätigung im Sinne der Roten Hilfe“ vorlag. Die politische Zuverlässigkeit der Antragsteller ist das maßgebliche Kriterium, um Unterstützung zu bekommen.
Der Verein möchte erreichen, dass linksextreme Aktivisten bei ihrer Haltung bleiben und nicht mit der Polizei kooperieren. Der Vorstand kann einen Unterstützungsantrag ablehnen, wenn der Antragsteller in einem Strafverfahren eine Aussage macht oder um Entschuldigung bittet. Immer wieder bezeichnen Vertreter der Roten Hilfe Gerichtsprozesse als „Gesinnungsjustiz“ oder „Klassenjustiz“. Rechtsstaatliche Verfahren werden so delegitimiert.
Eine soziale Bedürftigkeitsprüfung gibt es bei der Roten Hilfe in der Regel nicht. Elif Eralp hatte am Dienstag ihren Vereinsbeitritt zu Studienzeiten damit begründet, sie habe unterstützen wollen, „dass Menschen einen juristischen Beistand haben, die sich für linke und soziale Themen engagieren, auch wenn sie selbst nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügen“. Ihren Austritt im vergangenen Jahr begründete Eralp „wegen teilweise anderer politischer Ansichten“. Eine Anfrage der F.A.Z., worin die Differenzen bestehen, ließ Eralp am Mittwoch unbeantwortet.
Inhaltlich hat sich die Arbeit der Roten Hilfe in den vergangenen Jahren kaum verändert: Seit Jahren stuft der Verfassungsschutz den Verein als „erwiesen linksextremistische Bestrebung“ ein. Elif Eralp gehörte ihm in den Jahren 2021 bis 2025 auch noch als Abgeordnete an. Dass ihr in dieser Zeit die Unterstützung der Roten Hilfe für RAF-Terroristen entgangen sein kann, ist schwer vorstellbar: Nicht nur in der Mitgliederzeitung war regelmäßig davon zu lesen.
Was machte die Rote Hilfe in der Hauptstadt?
Auch die Berliner Ortsgruppe der Roten Hilfe versteckte ihre Sympathien nicht: Nach der Verhaftung Klettes im Jahr 2024 warnte sie etwa davor, dass die Polizei „unsere linken und solidarischen Genoss:innen und Strukturen aller Strömungen“ verfolgen werde. „Vor der Verhaftung von Daniela“ habe es bereits Bemühungen gegeben, „Burkhard und Volker ausfindig zu machen“. Die Gruppe meint damit die ehemaligen RAF-Terroristen Burkhard Garweg und Volker Staub. Sie sollen mit Klette Überfälle begangen haben, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.
Um die Fahndungsarbeit der Polizei nach den beiden Männern zu behindern, rief die Ortsgruppe dazu auf, „keine Aussagen bei Polizei, Staatsanwaltschaft oder Gericht“ zu machen, „egal ob als Beschuldigte:r oder Zeug:in“. Gegen Klettes Verhaftung protestierte die Gruppe auf einer Demonstration in Friedrichshain-Kreuzberg, Eralps Heimatbezirk.
Im Jahr 2023 veröffentlichte die Ortsgruppe eine Erklärung des Bundesvorstands der Roten Hilfe, der die Fahndung nach dem Linksextremisten Johann G. angeprangerte. G. muss sich als mutmaßlicher Teil der sogenannten Hammerbande derzeit vor dem Oberlandesgericht Dresden verantworten. Ihm wird vorgeworfen, an acht Überfällen auf mutmaßliche Rechtsextreme beteiligt gewesen zu sein. In zwei Fällen geht die Anklage von versuchtem Mord aus. Die Rote Hilfe bezeichnete die Fahndungsmaßnahmen nach ihm 2023 als Teil einer „Hetzjagd auf Antifaschist*innen“.
SPD erwartet Erklärung von Eralp
Am Mittwoch sah es trotzdem nicht danach aus, dass SPD und Grüne Elif Eralp wegen ihrer früheren Mitgliedschaft in der Roten Hilfe größere Probleme machen werden. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Werner Graf wollte sich auf F.A.Z.-Anfrage nicht äußern, der SPD-Landesvorsitzende Steffen Krach sagte am Mittwochabend der Nachrichtenagentur AFP: „Wir werden das thematisieren.“ Er erwarte, dass Eralp die Gründe sowohl für ihre Mitgliedschaft als auch für ihren Austritt aus der Roten Hilfe nenne. Graf und Krach sprechen am Donnerstag mit Eralp erstmals gemeinsam über eine neue Regierung.
Der innenpolitische Sprecher der SPD im Berliner Abgeordnetenhaus, Martin Matz, glaubt nicht, dass Eralps frühere Rote-Hilfe-Mitgliedschaft in den Gesprächen für Ärger sorgt: „Frau Eralp ist gerade noch rechtzeitig aus der Roten Hilfe ausgetreten. Weiteren Klärungsbedarf zu ihrer Mitgliedschaft sehe ich nicht. Erheblichen Klärungsbedarf sehe ich aber zu der Frage, warum Berliner Linken-Gliederungen offiziell mit PFLP-Vertretern in einem Bündnis agieren“, sagte Matz der F.A.Z. am Mittwoch.
Er spielt damit auf eine Kooperation zwischen der Linken-Arbeitsgemeinschaft „Palästinasolidarität“, den Linkspartei-Verbänden in Neukölln und im Wedding und dem „Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitee“ an, das vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuft wird. Matz ist der Ansicht, Eralp hätte auch diese Zusammenarbeit vor der Wahl unterbinden sollen.
Die Berliner CDU will Eralps potentielle Koalitionspartner nicht so leicht davonkommen lassen: „Grüne und SPD müssen beantworten, was sie Berlin und Deutschland zumuten wollen. Sie stehen vor der Frage, ob sie eine Frau zur Regierenden Bürgermeisterin machen wollen, die bis kurz vor ihrer Spitzenkandidatur Mitglied einer als extremistisch eingestuften Vereinigung war und mit ihren Beiträgen extremistische Straftäter und Terroristen finanziell unterstützte“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Evers der F.A.Z.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die SPD und Grüne werden Elif Eralp in den Koalitionsverhandlungen zur Berliner Regierung zur Rede stellen und eine detaillierte Erklärung zu ihrer Mitgliedschaft und ihrem Austritt aus der Roten Hilfe verlangen.
Likely · Within days
Die CDU wird die Vergangenheit von Elif Eralp in der Roten Hilfe weiterhin als Wahlkampfthema nutzen und Zweifel an ihrer Eignung für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin säen.
Very likely · Within weeks
Open Questions
- Welche konkreten Beträge erhielten einzelne Aktivisten wie die Unterstützer von Maja T. oder Daniela Klette?
- Wie wird die Finanzierung der Roten Hilfe genau strukturiert und welche Einnahmequellen existieren?
- Welche rechtlichen Konsequenzen könnten für die Roten Hilfe aufgrund ihrer Unterstützung von verurteilten Terroristen folgen?
- Wie wird die Mitgliedschaft von Elif Eralp in der Roten Hilfe von ihrer Partei, der Linken, bewertet?



