Russische Luftangriffe auf Kyjiw zum Schuljahresbeginn: Mindestens elf Tote
Vor Start des neuen Schuljahrs in der Ukraine greift Russland erneut Kyjiw aus der Luft an. In Estland und Lettland gab es Warnungen vor eingedrungenen Flugobjekten.
Quick Look
- Russische Luftangriffe mit Drohnen und Raketen auf Kyjiw und die Region fordern zu Beginn des neuen Schuljahrs mindestens elf Menschenleben.
- Gleichzeitig gibt es Drohnenangriffe auf russische Ziele sowie Luftalarm in Estland und Lettland.
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Why It Matters
Russland führt einen Angriffskrieg gegen die Ukraine und attackiert regelmäßig ukrainische Städte und Infrastruktur.
Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine Luftangriffe on Kyjiw zu Beginn des neuen Schuljahrs – mehrere Tote
Vor Start des neuen Schuljahrs in der Ukraine greift Russland erneut Kyjiw aus der Luft an. Mindestens elf Menschen sterben. In Estland und Lettland gab es Warnungen vor eingedrungenen Flugobjekten, Kampfjets mussten aufsteigen.
Zu Beginn des neuen Schuljahrs in der Ukraine hat Russland erneut Kyjiw und die umliegende Region mit Drohnen und Raketen angegriffen. Ukrainischen Behördenangaben zufolge wurden dabei mindestens elf Menschen getötet. »Leider kamen bei dem feindlichen Angriff auf die Hauptstadt drei Menschen ums Leben«, teilte die Kyjiwer Militärverwaltung im Onlinedienst Telegram mit. Es gebe zudem Berichte über fünf Verletzte.
In Boryspil östlich von Kyjiw wurde den Militärbehörden zufolge ein weiterer Mensch bei einem russischen Angriff auf eine Geschäftseinrichtung getötet. Der Chef der Militärverwaltung der Region Kyjiw, Timur Tkatschenko, sprach von einem »massiven« nächtlichen Angriff »mit russischen Raketen und Kampfdrohnen«. Ihm zufolge wurde in Boryspil zudem ein Wohnhaus getroffen. Dabei seien acht Menschen verletzt worden.
Oleksandr Pertsovskyi, Vorstandsvorsitzende der ukrainischen Eisenbahngesellschaft Ukrzaliznytsia, teilte auf Facebook mit, dass sieben Menschen bei einem Angriff auf ein Bahnbetriebswerk und weitere Bahnanlagen sieben Menschen getötet worden seien, darunter sechs Bahnmitarbeiter.
»Seit Ende 2025, vor allem aber seit dem zweiten Quartal dieses Jahres, machen die Russen regelrecht Jagd auf unsere fahrenden Züge«, hatte Pertsovskyi dem SPIEGEL in einem kürzlich veröffentlichten Interview gesagt. Lesen Sie hier das Gespräch.
Die ukrainischen Luftstreitkräfte hatten in der Nacht bei Telegram mitgeteilt, dass sich »mehrere Ziele« auf die Hauptstadt zubewegten. Einwohner wurden aufgefordert, in Schutzräumen zu bleiben.
In der Ukraine beginnt am Dienstag das neue Schuljahr. Zwar wollen die Behörden in Kyjiw angesichts zunehmender Drohnenangriffe aus Russland ihre Sicherheitsmaßnahmen bei Luftalarm anpassen. Die Militärverwaltung der Region ordnete jedoch an, dass in Gebieten mit hohem Risiko keine Großveranstaltungen stattfinden dürfen.
Kyjiws Bürgermeister Vitali Klitschko hatte am Montag im Onlinedienst Telegram erklärt, er habe Behördenvertreter in der ukrainischen Hauptstadt zusammengebracht, um über Änderungen der Sicherheitsmaßnahmen zu beraten. Dabei habe er etwa vorgeschlagen, die U-Bahn weiter über die Dnipro-Brücken fahren zu lassen. Bei Luftalarm stoppt die Metro derzeit ihren Verkehr über den Fluss, was zu erheblichen Verkehrsproblemen führt.
Die russische Armee hat ihre Angriffe auf die Ukraine zuletzt stark ausgeweitet. Regelmäßig fliegen Schwärme von Kampfdrohnen auf die Hauptstadt und die umliegende Region zu. Während der Luftalarme kommen der Verkehr und das Wirtschaftsleben teilweise zum Erliegen. Die Kyjiwer Stadtverwaltung kündigte zudem an, bei Schulkindern stärker auf Onlineunterricht setzen zu wollen. Es war der sechste Tag in Folge mit Angriffen auf die Hauptstadtregion.
Auch die Ukraine setzte ihre Angriffe auf russisches Gebiet fort. In Moskau wurden nach Angaben des Bürgermeisters mehr als ein Dutzend Drohnen abgeschossen. In der russischen Region Samara, etwa 800 Kilometer südöstlich von Moskau, wurden dem dortigen Gouverneur zufolge zivile Einrichtungen beschädigt. Auch der wichtige russische Ostseehafen Ust-Luga ist nach Angaben des dortigen Regionalgouverneurs Ziel eines Drohnenangriffs geworden. »Im Hafengebiet von Ust-Luga sind infolge des Drohnenangriffs Schäden entstanden, und es brennt«, erklärte der Gouverneur der Region Leningrad, Alexander Drosdenko, auf Telegram.
Der Hafen von Ust-Luga am Finnischen Meerbusen in der Nähe der estnischen Grenze ist ein wichtiger Umschlagplatz für Dünger, Öl und Kohle aus Russland. Nach Angaben der russischen Behörden wurde er bereits mehrfach attackiert. Die Ukraine hatte zuletzt ihre Gegenangriffe auf die russische Infrastruktur verstärkt, darunter Raffinerien, Öldepots und Häfen. Kyjiw sieht diese Anlagen als legitime Ziele, um die Einnahmen Russlands aus dem Ölgeschäft zur Finanzierung seiner Offensive in der Ukraine zu reduzieren.
Luftalarm in Estland und Lettland
Nach Angaben des estnischen Außenministers Margus Tsahkna ist in Teilen Estlands in der Nacht Luftalarm ausgelöst worden, nachdem Drohnen nahe der Grenze geflogen und in den estnischen Luftraum eingedrungen seien. Nato-Kampfjets vom Luftwaffenstützpunkt Ämari seien daraufhin gestartet, schrieb Tsahkna in einem Post auf X. Die Reaktion der Nato sei schnell und planmäßig erfolgt, erklärte der Minister. Vorfälle dieser Art seien eine direkte Folge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und unterstrichen die Notwendigkeit, den Druck auf Russland zu erhöhen, um den Krieg zu beenden.
Auch Lettlands Militär veröffentlichte in der Nacht zu Dienstag eine Warnung wegen einer »Gefahr im Luftraum«. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, Schutz in Gebäuden zu suchen, das Zwei-Wände-Prinzip zu beachten und verdächtigen oder tief fliegenden Objekten nicht näherzukommen.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Verstärkter Onlineunterricht für Schulkinder in Kyjiw
Likely · Within days
Open Questions
- Welche genauen Flugobjekte drangen in den estnischen Luftraum ein?
- Wie reagiert die Nato auf die Luftraumverletzungen?




