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BackRüstungs-Startup Destinus plant Börsengang 2027
Rüstungs-Startup Destinus plant Börsengang 2027
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Handelsblatt6/16/2026Business6 min readGermany

Rüstungs-Startup Destinus plant Börsengang 2027

Quick Look

  • Das niederländische Rüstungs-Startup Destinus plant für 2027 einen Börsengang und bereitet eine Finanzierungsrunde im dreistelligen Millionenbereich vor.
  • Gründer Mikhail Kokorich will ein "europäisches Verteidigungsunternehmen" aufbauen und kooperiert unter anderem mit Rheinmetall.

AI-generated summary

Why It Matters

Destinus, ein 2021 gegründetes niederländisches Rüstungs-Startup, agierte bisher im Verborgenen, plant nun aber einen Börsengang und eine massive Produktionssteigerung. Gründer Mikhail Kokorich, geboren in Sibirien und ehemaliger russischer Staatsbürger, strebt den Aufbau eines generationenübergreifenden europäischen Verteidigungsunternehmens an.

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Berlin. Während Rüstungs-Start-ups wie die deutschen Firmen Helsing und Quantum Systems auf die Präsenz in der Öffentlichkeit setzen, agiert Destinus seit seiner Gründung 2021 im Verborgenen. Doch das dürfte sich bald ändern.

Der Produzent von Marschflugkörpern mit Sitz in den Niederlanden strebt Insidern zufolge 2027 an die Börse. Schon jetzt fährt Destinus die Produktion massiv hoch und bereitet eine Finanzierungsrunde im dreistelligen Millionenbereich vor.

Erstmals spricht Gründer Mikhail Kokorich mit einem deutschen Medium über seine Zukunftspläne. Er sagt dem Handelsblatt: „Wir wollen ein europäisches Verteidigungsunternehmen aufbauen, das über Generationen hinweg Bestand hat.“

Dass Kokorich bisher kaum mit der Presse geredet hat, hängt auch mit seiner Herkunft zusammen. Er ist in Sibirien geboren, hat dort lange Zeit die Opposition unterstützt, inzwischen jedoch seine russische Staatsbürgerschaft abgegeben. Auch aufgrund dieser Historie ist es ihm wichtig, den Blick über nationale Grenzen zu richten. „Lange Zeit mussten wir Skepsis überwinden, und mein Hintergrund machte das noch schwieriger“, sagt Kokorich, der nun Staatsbürger von Grenada ist.

Kokorich hat Destinus gemeinsam mit Oleksandr Dayljuk, dem früheren ukrainischen Finanzminister, gegründet. Für kurze Zeit konzentrierte sich die Firma auf die Entwicklung von Überschallfliegern. Nach dem Beginn des Ukrainekriegs 2022 fokussierte sich Destinus komplett auf den Rüstungssektor.

Mittlerweile entwickelt und fertigt das Start-up an Standorten in den Niederlanden, Spanien, der Ukraine und Deutschland Marschflugkörper, Lenkflugkörper sowie ballistische Systeme und Abfangraketen. Damit konkurriert die etwa 800 Mitarbeiter zählende Firma Destinus unter anderem mit dem US-Start-up Anduril, das als weltweit wertvollstes Rüstungs-Start-up gilt.

In der Verteidigungsbranche ist Destinus inzwischen gut vernetzt. Mit der etwa 200 Millionen Euro schweren Übernahme des Schweizer KI-Softwareunternehmens Daedalus stemmte Kokorich im vergangenen Jahr die erste Übernahme. Inzwischen arbeitet Destinus neben Diehl, Quantum Systems, Shield AI und anderen Rüstungsunternehmen auch mit dem deutschen Konzern Rheinmetall zusammen.

Wie beide im April ankündigten, wollen Destinus und Rheinmetall ein Gemeinschaftsunternehmen zur Herstellung und Vermarktung von Raketensystemen aufbauen, das noch in diesem Jahr an den Start gehen soll. Sie wollen Marschflugkörper und ballistische Raketenartillerie anbieten.

Ein Blick in die Zahlen zeigt, dass Destinus über einige Kunden verfügen muss. Wenn es um Kunden geht, hält sich Destinus allerdings zurück – wie so viele Firmen in der Rüstungsbranche. Die Kunden sollen allerdings hauptsächlich aus Europa kommen, sagt Kokorich.

Im vergangenen Jahr erlöste Destinus laut dem niederländischen Datenanbieter Pitchbook mehr als 580 Millionen Dollar. Der Drohnenhersteller Quantum Systems aus München kam im gleichen Zeitraum auf etwa 300 Millionen Euro. Insidern zufolge soll Destinus inzwischen auch profitabel sein. Kokorich wollte sich dazu nicht äußern: „Als privates Unternehmen geben wir keine detaillierten Finanzdaten bekannt.“

Der Vergleich mit anderen europäischen Rüstungs-Start-ups zeigt auch, dass Destinus bisher weniger Investorengelder eingesammelt hat. Seit der Gründung nahm die Firma knapp 400 Millionen Euro ein, fast die Hälfte davon allerdings in Form von Fremdkapital. In diesem Zeitraum stellten Investoren Helsing etwa 1,5 Milliarden Dollar zur Verfügung.

Bei dieser Summe dürfte es nicht bleiben: Aktuell bereitet das Münchener KI-Rüstungsunternehmen eine Finanzierungsrunde im Umfang von 1,2 Milliarden Dollar vor, die den Firmenwert auf etwa 18 Milliarden Dollar hochtreiben würde.

Kokorich sagt, er wolle weiterhin „diszipliniert bei der Kapitalallokation“ vorgehen. Das würde sich auch bei einem Börsengang nicht ändern. Insidern zufolge strebt er dabei eine Bewertung von etwa fünf Milliarden Dollar an.

In den vergangenen Monaten machte Destinus vor allem mit seiner „Ruta“ genannten Marschflugkörper-Familie Schlagzeilen. Besonders in diesem Bereich treibt Kokorich die Skalierung voran. Inzwischen wurden 1000 der für die Ruta-Modelle notwendigen Triebwerke von Destinus selbst produziert, wie der Gründer dem Handelsblatt sagt. Bisher stellten die Triebwerke die Engpässe dar.

„Einen Motor zu produzieren, ist Ingenieurskunst. Tausend zu produzieren ist industrielle Leistungsfähigkeit“, sagte der zuständige Destinus-Manager Sidney Berndt. Jetzt sei es möglich, die Herstellung von Tausenden von Systemen pro Jahr zu gewährleisten.

Vor Ort hergestellte Marschflugkörper werden angesichts der Sorge vor einer schwindenden Militärpräsenz der USA strategisch wichtiger für europäische Kunden. Schon vor dem Ausbruch des Kriegs im Iran im Februar galt eine ursprünglich geplante Stationierung amerikanischer Tomahawk-Marschflugkörper in Deutschland als fraglich – inzwischen rechnet niemand mehr damit. Die USA haben in dem Konflikt etwa 1000 Tomahawks verfeuert.

Besonders aufmerksam werden deswegen die Pläne von Destinus verfolgt, mit Ruta B3 einen Marschflugkörper auf den Markt zu bringen, der eine Reichweite von 2000 Kilometern haben soll. Zum Vergleich: Der Tomahawk kommt auf gut 1600 Kilometer. „Das Schwierige ist nicht, einen Prototyp zu bauen“, sagt Kokorich. Das Schwierige sei, ein System zu entwickeln, das in großem Maßstab wiederholt produziert, qualifiziert, ausgeliefert und gewartet werden kann.

Im Gegensatz zu Ruta B3, bei dem 2027 erste Flugtests anstehen, sind diese beim Vorgängermodell Ruta B2 bereits erfolgt. Der Marschflugkörper hat eine Reichweite von etwa 700 Kilometern und übertrifft damit den Taurus-Marschflugkörper, den die Bundeswehr aktuell einsetzt.

Kokorich ist überzeugt, dass die Nachfrage nach Rüstungsgütern unabhängig vom Krieg in der Ukraine hoch bleibe. „Wir lernen viel in der Ukraine, doch der größere Bedarf geht von europäischen und verbündeten Ländern aus, die Lücken bei ihren Lagerbeständen, ihrer Wiederauffüllungskapazität und ihrer eigenen Produktion erkannt haben“, sagt er.

Der Börsengang von Destinus wäre nicht der erste des Seriengründers und Ingenieurs. Vor Destinus startete Kokorich – damals aus dem Silicon Valley – bereits die Unternehmen Astro Digital, Helios Wire und Momentus.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Destinus geht 2027 an die Börse.

    Likely · Within years

  • Gemeinschaftsunternehmen von Destinus und Rheinmetall startet noch 2024.

    Likely · Within months

Open Questions

  • Wie wird sich die geplante Finanzierungsrunde auswirken?
  • Welche konkreten Kunden hat Destinus?
  • Wie wird sich die Partnerschaft mit Rheinmetall entwickeln?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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