
Steigende Inflation und Frankenschwäche setzen die SNB unter Druck, die Leitzinsen möglicherweise bald anzuheben.
Die Schweizerische Nationalbank steht vor einem Kurswechsel: Angesichts steigender Inflationsprognosen von 1,2 Prozent und einer anhaltenden Schwäche des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro erwarten Experten das Ende der Nullzinspolitik in der Schweiz.
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Die SNB hielt bisher an einer Nullzinspolitik fest, während andere Zentralbanken weltweit die Zinsen bereits anhoben. Die Schweiz ist zunehmend von globalem Inflationsdruck betroffen.
Es war ein ungewohntes Bild der Schweizer Volkswirtschaft, das Martin Schlegel, Chef der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Ende vergangener Woche zeichnete. Die Inflation in der Alpenrepublik bleibt im europaweiten Vergleich auf niedrigem Niveau – zieht jedoch deutlich an.
Gemäß der SNB-Prognose dürfte die Teuerung in den kommenden sechs Monaten 1,2 Prozent betragen. Zuvor waren die Notenbanker von 0,8 Prozent ausgegangen. Das schlägt sich auch in den Wechselkursen nieder. Der Schweizer Franken ist derzeit weniger als 1,06 Euro wert und handelt nahe dem tiefsten Stand seit zwölf Monaten.
Zwar hat die SNB die Leitzinsen bei ihrer Entscheidung am vergangenen Donnerstag bei null Prozent belassen. Doch spätestens für das kommende Jahr erwarten Experten, dass auch die SNB als letzte Notenbank der Welt den Leitzins auf mehr als null hebt. Damit fällt die letzte Bastion der globalen Nullzinspolitik.
Zunehmend zeigt sich: Dem Inflationsdruck und den weltweit steigenden Zinsen kann sich auch die Alpenrepublik immer weniger entziehen. Weil die SNB im Zinsanhebungszyklus der Europäischen Zentralbank sowie der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hinterherhinkt, schwächelt auch der Schweizer Franken.
So schreibt Daniel Hartmann, Chefvolkswirt beim Vermögensverwalter Bantleon, in einer aktuellen Studie: „Die sich öffnende Zinsschere zwischen SNB und EZB hat bereits Spuren beim Franken hinterlassen: Gegenüber dem Euro hat er seit März rund fünf Prozent an Wert eingebüßt.“
Die harte Landeswährung schützte die Schweiz lange davor, dass sich Energieimporte verteuern. Doch inzwischen ziehen auch die Spritpreise zwischen Basel und Genf an. Zwar sehen die SNB-Ökonomen den jüngsten Anstieg der Inflation als reinen Energiepreiseffekt. Im zweiten Halbjahr 2027 soll der Teuerungsdruck wieder nachlassen.
Hartmann ist überzeugt: „Die jüngste Frankenschwäche schafft die Basis für eine moderate Straffung der Geldpolitik – auch in der Eidgenossenschaft.“ Er rechnet damit, dass der erste Zinsschritt bereits im Dezember erfolgen könnte, spätestens jedoch im März 2027.
Auch nach Ansicht der Großbank UBS „eröffnet sich für die SNB ein Zinserhöhungsfenster in den kommenden Quartalen“. Eine solche Leitzinserhöhung dürfte die Abwertung des Schweizer Franken vorerst stützen. Wie es bei der Schweizer Geldpolitik und damit auch bei dem als sicheren Hafen geltenden Schweizer Franken weitergeht, hänge von einer Reihe von Faktoren ab, schreiben die UBS-Analysten weiter.
„Bleibt die globale Inflation 2027 hoch, könnten die Fed und die EZB ihre Zinsen auch im nächsten Jahr weiter anheben.“ Die Erwartung steigender Zinsen in der Euro-Zone und in den USA könnten den Franken weiter schwächen. „Dies würde für zusätzliche Zinsschritte der SNB in den kommenden Quartalen sprechen.“ Damit dürfte die Nullzinsphase auch in der Schweiz auf absehbare Zeit beendet sein.
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Erster Zinsschritt der SNB bis März 2027.
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