Siemens-Energy-Chef sieht Deutschland bei Angriffen auf kritische Infrastruktur besonders exponiert
Quick Look
- Siemens-Energy-Chef Christian Bruch warnt vor einer deutlich zugenommenen Bedrohungslage für kritische Infrastruktur in Deutschland und sieht das Land als besonders exponiert aufgrund seiner Rolle als Transitland in Konflikten.
- Er fordert einen strukturierten Umgang mit Angriffen, eine stärkere Reparaturfähigkeit und betont, dass nicht alles geschützt werden kann, sondern die schnelle Wiederherstellung entscheidend sei.
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Why It Matters
Siemens Energy ist ein führendes Energietechnikunternehmen, das 2020 vom Siemens-Konzern abgespalten wurde und Technologien für Stromerzeugung, -übertragung und erneuerbare Energien bereitstellt. Im Geschäftsjahr 2025 beschäftigte es weltweit rund 103.000 Menschen, davon 27.000 in Deutschland.
Die Energie-Infrastruktur in Deutschland wird nach Ansicht von Siemens-Energy-Chef Christian Bruch stärker angegriffen als in anderen europäischen Ländern. «Wir müssen anerkennen, dass kritische Infrastruktur nicht vollumfänglich geschützt werden kann. Aus meiner Sicht hat die Bedrohungslage über die letzten 12 bis 18 Monate deutlich zugenommen», sagte der Manager der Deutschen Presse-Agentur.
«Wir sind als großes Land, das in einem Konfliktfall ein Transitland wäre und eine Schlüsselrolle spielt, besonders exponiert», sagte Bruch. «Das müssen wir uns bewusst machen. Und das sollte auch der Bevölkerung bewusst sein.»
Zuletzt hatten Angriffe auf das Stromnetz in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen für Aufsehen gesorgt. Die Ermittler gehen davon aus, dass beide Vorfälle auf verfassungsfeindliche Sabotage zurückzuführen sind.
«Die Vorfälle nehmen zu»
Bruch sieht die schnelle Ausarbeitung des zivilen Operationsplans als dringend erforderlich an, um auf Krisenfälle reagieren zu können. Es gehe um den Schutz der Strom- oder der Wasserinfrastruktur sowie der Versorgung mit Lebensmitteln im Falle einer Krise. «Da müssen wir uns vorbereiten. Denn man muss akzeptieren, dass dies alles Anzeichen von hybriden Angriffen sein können», sagte der Manager. «Die Vorfälle nehmen zu und auch auf der Cyberseite steigt die Frequenz der Angriffe auf Infrastruktur deutlich.»
Die neue Bedrohungslage erfordere ein strukturiertes Vorgehen. «Es gilt sicherzustellen, dass wir Schäden schnell reparieren können. Dafür wären wir heute nicht ausreichend aufgestellt. Die rechtlichen Voraussetzungen liegen vor, jetzt geht es darum, schnell handlungsfähig zu werden.»
«Reparaturfähigkeit stärken»
Kritische Infrastruktur sei schwer zu schützen und könne mit einfachen Mitteln gestört werden, räumte der Konzernchef ein. Es gehe daher auch darum, die «Reparaturfähigkeit» zu stärken, also mögliche Schäden mithilfe von Eingriffstrupps rasch zu reparieren. Das sei etwa in der Ukraine, in der kritische Infrastruktur ständig von Russland angegriffen wird, gut organisiert.
Dazu gehörten schnelle Meldeketten und das Wissen um die Lagerung von Ersatzteilen. «Das ist viel wichtiger, als zu glauben, ich könnte alles schützen.» Bei der Steuerung und dem Schutz von Infrastruktur müsse Resilienz mitgeplant werden. Und außerdem müsse man sagen: «Ich muss jetzt nicht an jede wichtige Infrastruktur "Achtung, wichtige Schaltanlage" hinschreiben. Wir machen das in Deutschland sehr sichtbar.» Das sei nicht unbedingt ideal.
Siemens Energy spaltete sich 2020 vom Siemens-Konzern ab und ging als eigenständiges Unternehmen an die Börse. Der Energietechnikkonzern entwickelt, produziert und liefert Technologien und Lösungen für die Stromerzeugung und -übertragung, für erneuerbare Energien - darunter Windkraftanlagen - sowie für industrielle Energieanwendungen. Das Unternehmen zählt zu den weltweit führenden Energietechnikunternehmen. Im Geschäftsjahr 2025 beschäftigte Siemens Energy weltweit rund 103.000 Menschen, davon rund 27.000 in Deutschland.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die Bundesregierung wird in den kommenden Monaten konkrete Maßnahmen zur Stärkung der Reparaturfähigkeit kritischer Infrastruktur ankündigen.
Likely · Within months
Die Investitionen in Ersatzteillager und schnelle Meldeketten für kritische Infrastruktur werden in Deutschland erhöht werden.
Possible · Within months
Open Questions
- Welche konkreten Schritte plant die Bundesregierung zur Stärkung der Reparaturfähigkeit kritischer Infrastruktur?
- Wie werden die rechtlichen Voraussetzungen für ein schnelleres Handeln im Krisenfall ausgestaltet?
- Welche spezifischen Maßnahmen werden zur Verbesserung der Meldeketten und Ersatzteillagerung ergriffen?



