Sozialproteste: 146.000 demonstrieren in Frankreich - Teilnahme geht zurück
Innenministerium meldet 360 Festnahmen, neue Bildungsproteste für Dienstag angekündigt
Quick Look
- In Frankreich haben 146.000 Menschen laut Innenministerium demonstriert, Initiatoren sprachen von 250.000 Teilnehmern.
- In mehreren Städten kam es zu Ausschreitungen, in Paris griffen etwa 200 gewaltbereite Personen Sicherheitskräfte an.
- Für Dienstag sind weitere Proteste im Bildungswesen angekündigt.
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Why It Matters
In Frankreich finden seit mehreren Samstagen Proteste statt, unter anderem gegen hohe Lebenshaltungskosten und Probleme im Bildungssystem. Die Demonstrationen werden von Gewerkschaften und Studierendenorganisationen getragen.
Die Proteste in Frankreich ziehen zwar weniger Menschen an als am vergangenen Samstag, doch in mehreren Städten kommt es wieder zu Ausschreitungen. Schon am Dienstag stehen neue Aktionen an.
Der zentrale Demonstrationszug in Paris verlief größtenteils friedlich. Foto: Emma Da Silva/AP/dpa
Paris. In Frankreich haben nach Angaben des Innenministeriums 146.000 Menschen demonstriert. Laut Initiatoren der Proteste, zu denen etwa Gewerkschaften und Studierendenorganisationen gehören, nahmen landesweit 250.000 Menschen teil. Am vergangenen Samstag hatten sich die Teilnehmendenzahlen noch zwischen 320.000 und einer halben Million bewegt. Dem Innenministerium zufolge waren die Versammlungen in großen Städten wie Toulouse, Marseille, Lyon, Bordeaux oder Straßburg von Ausschreitungen und Zwischenfällen geprägt. In Paris verlief der Demonstrationszug ruhig, es kam aber am Abend zu Spannungen. Auf Bildern waren Tränengaswolken und Brände zu sehen.
"Wie erwartet waren die Demonstrationszüge weniger von den Gewerkschaftsorganisationen begleitet, und viele waren nicht angemeldet", hieß es aus dem Innenministerium. Bis 19.00 Uhr gab es demnach landesweit 360 Festnahmen. Außerdem seien knapp 40.000 präventive Kontrollen, insbesondere an Bahnhöfen, durchgeführt worden. Der französische Innenminister Laurent Nuñez hatte zuvor wieder ein großes Polizeiaufgebot von 70.000 Sicherheitskräften angekündigt, zudem gepanzerte Fahrzeuge und Wasserwerfer. Er gab an, hart gegen Randalierer und Plünderer vorzugehen.
In Paris griff nach Ende der Demonstration eine Gruppe von etwa 200 gewaltbereiten Personen nach Angaben der Polizeipräfektur die Sicherheitskräfte an. Anlass war demnach die Festnahme eines Mannes, der einen Müllcontainer in Brand gesetzt hatte. Insgesamt wurden laut der Polizeipräfektur 15 Personen festgenommen und mehr als 5.800 kontrolliert. 46.000 demonstrierten demnach in der Metropole.
Auch in Bordeaux griffen laut Präfektur vereinzelte Personen Sicherheitskräfte mit Wurfgeschossen an. Dort gilt eine Ausgangsbeschränkung für unbegleitete Minderjährige von 20.00 Uhr am Samstagabend bis 7.00 Uhr am Sonntag. In Lyon fanden sich Medienberichten zufolge Menschen ohne offizielle Anmeldung zusammen, es kam demnach zum Einsatz von Tränengas.
Kundgebung von Gelbwesten in Paris untersagt - Festnahmen
Französischen Medienberichten zufolge wurden in Paris zwei Koordinatoren der Gelbwesten festgenommen. Eine Kundgebung der Bewegung am zentralen Place de la Concorde war zuvor nicht erlaubt worden. Dennoch hatten sich dort einige Menschen zusammengefunden, nachdem die Gelbwesten dazu aufgerufen hatten.
Der Demonstrationszug der Gewerkschaften in der Hauptstadt wurde dagegen genehmigt. Auf dem zentralen Platz der Republik in Paris, von wo aus er startete, musizierten, sangen und tanzten am Mittag Menschen, wie Fernsehbilder zeigten. Sie demonstrierten den vierten Samstag in Folge unter anderem gegen hohe Lebenshaltungskosten und Probleme im Bildungssystem.
Neue Proteste zum Bildungswesen angekündigt
Am Dienstag sollen weitere Proteste stattfinden: Organisationen von Beschäftigten aus dem französischen Bildungsbereich riefen zu einem landesweiten Streik- und Demonstrationstag im Bildungswesen an den Hochschulen und in der Forschung auf. Die von der Regierung bislang vorgeschlagenen Maßnahmen gegen Missstände, etwa mehr Personal, reichen aus ihrer Sicht nicht aus. Auch Studierendenorganisationen wollen weiter Druck machen. Die jungen Menschen seien nach wie vor entschlossen und wütend, sagte die Generalsekretärin der Studierendenvereinigung Unef, Manon Moret.
Diese Woche hatten weitere Blockade- und Protestaktionen stattgefunden, darunter ein großer Streiktag am Donnerstag, an dem sich laut Innenministerium mehr als eine halbe Million Menschen beteiligte. Der Gewerkschaftsbund CGT sprach von knapp 1,6 Millionen Teilnehmenden.
In Reaktion auf die Massenproteste will sich Premierminister Sébastien Lecornu am Montag zu einer Sozialkonferenz mit Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbänden sowie zu Gesprächen mit Vertretern von Gymnasiasten und Studierenden treffen.
What to Watch
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Am Montag findet eine Sozialkonferenz mit Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbänden sowie Gespräche mit Vertretern von Gymnasiasten und Studierenden statt.
Very likely · Within days
Am Dienstag findet ein landesweiter Streik- und Demonstrationstag im Bildungswesen an Hochschulen und in der Forschung statt.
Very likely · Within days
Open Questions
- Welche konkreten Maßnahmen wird die Regierung auf der Sozialkonferenz am Montag vorschlagen?
- Wie hoch wird die Beteiligung am angekündigten Streik- und Demonstrationstag im Bildungswesen am Dienstag sein?
- Werden die Ausschreitungen in den kommenden Tagen weiter zunehmen?







