Staatsanleihen: Erstmals seit 2002: Frankreichs Zehn-Jahres-Rendite erreicht fünf Prozent
Aus Sorge vor politischer Instabilität und hoher Verschuldung stoßen Investoren französische Anleihen ab.
Quick Look
- Die Verzinsung zehnjähriger französischer Staatsanleihen ist erstmals seit 2002 auf fünf Prozent gestiegen.
- Politische Spannungen, ungesicherte Haushaltskürzungen der Regierung Lecornu und Unruhen treiben die Renditen in Rekordhöhen.
AI-generated summary
Why It Matters
Gemäß den Maastricht-Kriterien gilt für EU-Mitgliedsstaaten eine Schuldenobergrenze von 60 Prozent des BIP.
Düsseldorf. Die Verzinsung zehnjähriger französischer Staatsanleihen hat zur Wochenmitte erstmals seit 2002 die Marke von fünf Prozent erreicht. Im Vormittagshandel am Mittwoch stieg die Rendite bis auf 5,00 Prozent und markierte damit ein neues 24-Jahres-Hoch. In der Folge notierte sie knapp unter dem runden Niveau.
Angesichts politischer und gesellschaftlicher Spannungen stoßen immer mehr Investoren französische Staatsanleihen ab. Das drückt die Kurse, im Umkehrschluss steigen die Renditen. Die Regierung um Premier Sébastien Lecornu ist derzeit bemüht, den Haushalt für das Jahr 2027 im Parlament zu verabschieden. Für die angestrebten Ausgabenkürzungen in Höhe von 43 Milliarden Euro fehlt ihm bislang aber die Mehrheit.
Die Verschuldung in Paris hat Rekordhöhen erreicht. Die Schuldenquote dürfte in diesem Jahr auf knapp 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zulegen. Für die nächsten Jahre wird ein weiterer Anstieg erwartet. Gemäß den Maastricht-Kriterien verpflichten sich die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union eigentlich zu einer Obergrenze von 60 Prozent.
Aus Sorge um die fiskalische Entwicklung verlangen Investoren bereits seit Monaten höhere Risikoprämien. Im Juli lag die Rendite noch bei 3,6 Prozent, Ende August stieg sie über vier Prozent. Allein in dieser Woche ging es um weitere 25 Basispunkte bergauf.
Kurzfristig werden die Renditen auch durch die Krawalle und die dadurch ausgelöste Unsicherheit getrieben. Am Wochenende waren Demonstranten in mehreren Städten mit der Polizei zusammengestoßen, hatten Autos angezündet, öffentliche Gebäude gestürmt und Geschäfte geplündert. Die Proteste richteten sich gegen steigende Lebenshaltungskosten und schlechte Bedingungen an Schulen.
Höhere Anleiherenditen verteuern die Kreditaufnahme eines Staates am Kapitalmarkt. Die Konditionen der französischen Regierung sind mittlerweile deutlich schlechter als die von Italien oder Griechenland, die noch höher verschuldet sind.
In etlichen Volkswirtschaften weltweit sind die Anleihepreise in den vergangenen Monaten gefallen und die Renditen gestiegen. In Frankreich ist diese Bewegung aber besonders ausgeprägt. Das zeigt etwa der Vergleich mit der Entwicklung der als besonders sicher geltenden Bundesanleihe. Der Renditeabstand zwischen beiden – der sogenannte „Spread“ – gilt als Maß für das herrschende Vertrauen am Markt.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Verabschiedung des Haushalts für 2027 steht aus
Likely · Within months
Open Questions
- Findet Premier Lecornu eine Mehrheit für den Haushalt?
- Wie entwickeln sich die Renditen im Zuge der anhaltenden Proteste weiter?





