Staatsbegräbnis von König Harald V. in Oslo
Norwegen nimmt Abschied von seinem verstorbenen Monarchen im Rahmen einer feierlichen Trauerzeremonie im Osloer Dom.
Quick Look
- Norwegen verabschiedet sich mit einem Staatsbegräbnis von König Harald V.
- Der Trauerzug führte zum Osloer Dom, begleitet von zahlreichen internationalen Staatsgästen, darunter Wolodymyr Selenskyj und Frank-Walter Steinmeier.
- Die Beisetzung erfolgt auf der Festung Akershus.
AI-generated summary
Why It Matters
König Harald V. verstarb und wurde nach einer öffentlichen Aufbahrung im Osloer Dom beigesetzt. Sein Sohn Haakon hat die Thronfolge angetreten.
Pünktlich um zwölf Uhr öffnete sich das Tor des Schlosses, und König Harald V. trat seine letzte Reise an. Sein Sarg lag auf einer Stafette, die mit der königlichen Flagge abgedeckt ist. Auf ihr war das norwegische Staatswappen zu sehen, das einen goldenen Löwen mit einer Krone und einer silbernen Axt in den Pfoten zeigt. Dem Sarg folgten Haakon, seit zwölf Tagen Norwegens König, neben ihm seine Tochter, die neue Kronprinzessin Ingrid Alexandra, seine Schwester Märtha Louise und sein Sohn Prinz Sverre Magnus.
Königin Mette-Marit fuhr mit ihrer Schwiegermutter, Haralds Witwe Sonja, im Auto hinterher. Der etwa 1,2 Kilometer lange Weg vom Königlichen Schloss zum Osloer Dom wäre zu viel für sie nach ihrer Lungentransplantation gewesen. Genau 60 Schritte pro Minute waren für den gut halbstündigen Marsch vorgesehen, dazu ertönte anfangs königlicher Salut, 21 Schüsse im Abstand von 30 Sekunden. In der Ferne läuteten die Glocken der Kathedrale.
Den Weg säumten Tausende Norweger, die schon seit dem frühen Morgen darauf warteten, Abschied von ihrem alten König zu nehmen. Allein am Dienstag, dem letzten Tag, an dem der Sarg mit Harald V. in der Palastkapelle aufgebahrt war, waren noch einmal 46.000 Norweger gekommen, um ihrem Monarchen Lebewohl zu sagen.
Der Sarg wurde begleitet von sechs Adjutanten, jeweils drei vom alten und vom neuen König. Es sind Berufssoldaten, die sich im Alltagsgeschäft rund um die Uhr um den Monarchen kümmern. Die Sicherheitsvorkehrungen waren groß, Polizei und Militär waren im Einsatz. Es heißt, die Hälfte aller bewaffneten Polizisten Norwegens wurde für diesen Tag in der Hauptstadt zusammengezogen. Die Osloer Innenstadt war seit sechs Uhr am Morgen gesperrt, der Flugraum auch.
So einen Sicherheitsaufwand hat das Land noch nicht erlebt, ein Grund sind die Staatsgäste aus aller Welt, die angereist sind, unter ihnen vor allem auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und seine Frau Olena. Die Ukraine hat Norwegen viel zu verdanken, gemessen an seiner Größe ist Norwegen der größte Unterstützer der Ukraine. Harald und Selenskyj schätzten sich sehr.
Dem Sarg folgten zu Fuß Familienmitglieder aus allen sieben europäischen Königshäusern, außerdem aus dem Großherzogtum Luxemburg sowie aus den beiden Fürstentümern Liechtenstein und Monaco. Ebenfalls mit dabei waren Vertreter aus den erloschenen Königshäusern Griechenland und Serbien, das jordanische Königspaar, das japanische Kronprinzenpaar sowie für Saudi-Arabien Prinz Turki bin Muhammad bin Fahd Al Saud, ein Urenkel des Staatsgründers König Ibn Saud.
Für Deutschland nahm Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teil, er folgte an der Seite von Selenskyj der langen Prozession der Gäste zur Kathedrale. Eingeladen wurde auch der amerikanische Präsident Donald Trump, aber nicht einmal sein Vizepräsident J. D. Vance ist gekommen. Die Vereinigten Staaten ließen sich durch eine Unterstaatssekretärin aus dem amerikanischen Außenministerium vertreten.
Alle Staaten mit diplomatischer Vertretung in Oslo sowie die Mitgliedstaaten von NATO, EWR und EU, die keine Vertretung in Norwegen unterhalten, hatten Einladungen zur Beisetzung von König Harald bekommen. Unerwünscht waren auf höchster Ebene nur Wladimir Putin aus Russland und Vertreter aus Myanmar, Sudan und Afghanistan.
Natürlich nahmen auch der norwegische Premierminister Jonas Gahr Støre, der sich kurz zuvor noch mit Selenskyj getroffen hatte, und seine gesamte Regierung an der Trauerfeier teil – sowohl in der Kathedrale als auch während des Trauerzugs.
Den Gottesdienst leitete der Vorsitzende Bischof der norwegischen Kirche, Olav Fykse Tveit, die Osloer Bischöfin Sunniva Gylver zelebrierte mit ihm die Messe. Die Zeremonie folgte der traditionellen Bestattungsliturgie der Kirche Norwegens, im Mittelpunkt stand das Gedenken an den Verstorbenen. Gleich zu Anfang ertönten drei Glockenschläge, die den Dreiklang von Leben, Tod und Auferstehung symbolisierten. Danach folgte eine einminütige Schweigeminute im ganzen Land.
In der Kirche saß auch Marius Borg Høiby, der Stiefsohn des Königs, etwas abseits von der Familie unter den königlichen Gästen. Der unter anderem wegen Vergewaltigung verurteilte älteste Sohn von Mette-Marit durfte an der Beisetzung mit elektronischer Fußfessel teilnehmen, dem Trauerzug hingegen durfte er nicht folgen.
Rechts vom Sarg saß die norwegische Königsfamilie. Gegenüber, auf der anderen Seite, das schwedische Königspaar, Carl XVI. Gustaf und Sylvia, das dänische, Frederik X. und Mary, sowie das jordanische, Abdullah II. und Rania. Dahinter auf beiden Seiten weitere Könige und Königinnen, Fürsten, Prinzen und Prinzessinnen.
Zwar waren die Sitzplätze im Osloer Dom begrenzt, dennoch werden auch Vertreter der rund 30 Organisationen erwartet, deren Schirmherr Harald V. war, etwa vom World Wide Fund for Nature (WWF), dem norwegischen Naturschutzverband, dem Jäger- und Anglerverband und der Norwegischen Krebsgesellschaft.
Da Harald V. sehr sportlich war und selbst als Segler an Olympischen Spielen teilgenommen hat, waren auch herausragende Sportler bei der Trauerfeier: etwa Skilangläuferin Therese Johaug, der Biathlet Ole Einar Bjørndalen und der norwegische Fußballtrainer und ehemaliger Fußballspieler Ståle Solbakken.
In einem besonders bewegenden Moment der Feier stand Haralds Witwe, Königin Sonja, auf, nahm eine einzelne rote Rose in die Hand, verneigte sich tief vor dem Sarg und legte die Blume oben auf den Sarg. Dann setzte sie sich wieder neben ihren Sohn Haakon, der mit den Tränen kämpfte. Anschließend wurde ein Bibeltext in nordsamischer Sprache vorgetragen, um die Verbundenheit des Königs mit dem samischen Volk zu würdigen.
In seiner Predigt ging Olav Fykse Tveit auf die Liebe ein, besonders auf die Liebe zwischen Harald und Sonja, die lange nicht heiraten durften, weil sie eine Bürgerliche war. Neun Jahre musste der damalige Kronprinz um seine Liebe kämpfen, die am Ende siegte, und aus der ein gutes Leben wurde. Doch er sprach auch über die Liebe, auf der Norwegen nach dem Krieg aufgebaut wurde, und die am Ende immer siege. Nach dem Bischof sprach Kronprinzessin Victoria von Schweden, das Patenkind von Harald V., ein Gebet, das vom Heiligen Franziskus stammen soll.
Zum Ende ertönte die norwegische Königshymne, das Königslied (Kongesangen). Sie nutzte dieselbe Melodie wie die britische Hymne „God Save The King“. Der Text der heutigen Version stammt von Gustav Jensen aus dem Jahr 1906, geschaffen für die Krönung von Haralds Großvater, König Haakon VII. Sie wird nur bei offiziellen Anlässen der Königsfamilie gespielt. In ihr wird Gott darum gebeten, dem König Kraft, Weisheit und ein langes Leben zu schenken, um das Volk gerecht und gut zu regieren. Zudem wird die Treue und der Zusammenhalt zwischen dem norwegischen Volk und seinem König betont.
Nach dem Gottesdienst wird Harald auf der Festung Akershus beigesetzt, so wie schon sein Vater Olav V. und seine Mutter, Königin Märtha. Die offizielle Staatstrauer und die Hoftrauer nach dem Tod des Königs endet mit dem Tag seiner Beisetzung an diesem Mittwoch, im Königshaus aber gilt die einmonatige stille Trauerzeit weiter bis zum 9. Oktober. König Haakon VIII. und die königliche Familie werden bis dahin keine offiziellen Termine wahrnehmen, ausgenommen sind verfassungsnotwendige Aufgaben wie Treffen des Staatsrats oder ausgewählte Audienzen.
Open Questions
- Wie wird sich die Regierungszeit von König Haakon gestalten?

