
WSI-Tarifarchiv prognostiziert realen Lohnzuwachs von 0,7 Prozent für 2026, warnt jedoch vor anhaltenden Kaufkraftverlusten aus den Krisenjahren.
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Die Reallöhne in Deutschland waren zwischen 2021 und 2023 aufgrund hoher Inflationsraten deutlich gesunken. Erst 2024 konnte wieder ein deutliches Reallohnplus verzeichnet werden.
Für mehr als 15 Millionen Beschäftigte gibt es beim Lohn ein Plus. Die Tariflöhne dürften in diesem Jahr stärker steigen als die Verbraucherpreise. Die Verluste der Krisenjahre sind damit aber noch nicht aufgeholt.
Die Tariflöhne in Deutschland dürften im laufenden Jahr einer Hochrechnung zufolge stärker steigen als die Verbraucherpreise. Unter dem Strich könnte den Tarifbeschäftigten nach Abzug der Inflation ein realer Lohnzuwachs von 0,7 Prozent bleiben, wie das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung errechnet hat. Somit hätten die Menschen mehr Kaufkraft und könnten mehr konsumieren, was die Konjunktur ankurbeln würde.
Berücksichtigt wurden in den Berechnungen die Tarifeinigungen aus dem ersten Halbjahr des laufenden Jahres sowie die bereits in den Vorjahren für 2026 vereinbarten Tariferhöhungen. Auf dieser Basis steigen die Tariflöhne im laufenden Jahr nominal um durchschnittlich 3,1 Prozent. Dem steht eine durchschnittliche Steigerung der Verbraucherpreise um 2,4 Prozent im ersten Halbjahr gegenüber. Im Juli war die Teuerungsrate in Deutschland auf 2,8 Prozent geklettert. Nach Auslaufen des zweimonatigen Tankrabatts schlugen steigende Energiepreise wieder voll durch.
Für das Gesamtjahr 2025 hatte das WSI-Tarifarchiv einen durchschnittlichen Zuwachs der Tariflöhne um 2,6 Prozent und ein reales Lohnplus von 0,4 Prozent errechnet. Von den aktuellen Tariferhöhungen profitieren den Angaben zufolge mehr als 15 Millionen Beschäftigte. In einigen großen Branchen wie dem Einzelhandel wird noch verhandelt, in der Metall- und Elektroindustrie beginnen die Tarifverhandlungen im Herbst.
"Gift für die Konjunktur"
"Da nach den jetzigen Prognosen auch die Inflationsraten noch etwas höher ausfallen werden, hängt es von den noch offenen Tarifrunden ab, ob am Ende des Jahres die Kaufkraft gesichert werden kann", sagte der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Thorsten Schulten. Der Rückgang der Reallöhne aus den Krisenjahren 2021 bis 2023 ist laut WSI bisher nicht vollständig kompensiert.
"Gerade in Krisenzeiten sind angemessene Tarifsteigerungen besonders wichtig, um die Konjunktur zu stabilisieren", führte Schulten an. "Da die Preise im Zuge des Iran-Krieges wieder deutlich nach oben gegangen sind, ist es eine wichtige Aufgabe der Tarifpolitik, erneute Kaufkraftverluste bei den Beschäftigten zu verhindern." Forderungen nach überzogener Lohnzurückhaltung oder gar Nullrunden seien demgegenüber "Gift für die Konjunktur".
2023 waren die Tariflöhne nach WSI-Angaben nominal um 5,5 Prozent gestiegen, wegen der damals noch deutlich höheren Inflation ergab sich preisbereinigt jedoch ein Minus von 0,4 Prozent. 2024 brachte dann mit 5,4 Prozent nominal ein deutliches Reallohnplus von 3,1 Prozent. Ein Grund für die hohen nominalen Zuwächse 2023 und 2024 waren von der Bundesregierung steuer- und abgabenfrei gestellte Inflationsausgleichsprämien. 2021 und 2022 waren die Reallöhne wegen der hohen Inflation deutlich gesunken.
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Beginn der Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie im Herbst.
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