Eine neue Übersichtsarbeit zeigt eine U-förmige Kurve beim Risiko für Herzrhythmusstörungen durch Testosteron.
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Forscher haben bisherige Studien zu Testosteronwerten und dem Risiko von Herzrhythmusstörungen zusammengefasst. Die Daten deuten auf eine u-förmige Risikokurve hin.
Es ist wie so oft im Leben: Man müsste nur die goldene Mitte, das perfekte Maß finden. Beim Testosteron ist das mehr als eine Lebensweisheit. Eine neue Übersichtsarbeit deutet darauf hin, dass bei Männern sowohl bei niedrigen als auch bei hohen Testosteronwerten häufiger Vorhofflimmern auftreten kann.
Vorhofflimmern ist die weltweit häufigste Herzrhythmusstörung. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Lange richtete sich der Blick der Forschung vor allem auf niedrige Testosteronwerte. Denn frühere Studien hatten gezeigt, dass Männer mit geringen Werten häufiger Vorhofflimmern entwickelten.
Forscher des University of Kansas Medical Center und des Kansas City Veterans Affairs Medical Center haben nun bisherige Forschungsergebnisse zu Testosteron und Herzrhythmusstörungen zusammengefasst und eingeordnet. Ihre Ergebnisse sind im Fachmagazin „Journal of the Endocrine Society“ erschienen.
Sie berücksichtigten unter anderem randomisierte Studien, große Beobachtungsstudien, Meta-Analysen und Laboruntersuchungen. Die Ergebnisse zeichnen laut den Forschern zunehmend eine u-förmige Kurve, nach der das Risiko offenbar an beiden Enden der Testosteronverteilung steigt.
Eine Untersuchung von mehr als 76.000 US-Veteranen kam 2017 sogar zu dem Ergebnis, dass Männer seltener Vorhofflimmern entwickelten, wenn niedrige Testosteronwerte durch eine Behandlung normalisiert wurden. Neuere Untersuchungen machen das Bild komplizierter. Denn Daten aus der UK-Biobank deuteten darauf hin, dass nicht nur sehr niedrige, sondern auch hohe Testosteronwerte mit mehr Vorhofflimmern verbunden waren.
In einer weiteren Auswertung mit 4570 gesunden älteren Männern war das Risiko in den beiden Gruppen mit den höchsten Testosteronwerten beinahe doppelt so hoch wie bei Männern im mittleren Bereich. Ein erhöhtes Risiko bei niedrigen Werten ließ sich in dieser Studie dagegen nicht eindeutig nachweisen. Auch bei einer Testosteronersatztherapie gibt es Hinweise auf ein mögliches Risiko.
In der großen Traverse-Studie mit 5246 Männern zwischen 45 und 80 Jahren trat Vorhofflimmern bei 3,5 Prozent der Männer auf, die Testosterongel erhielten. In der Placebogruppe waren es 2,4 Prozent. Andere Untersuchungen konnten diesen Effekt allerdings nicht eindeutig bestätigen.
Für die Frage, warum beide Extreme ungünstig sein könnten, gibt es inzwischen auch eine mögliche Erklärung. Niedrige Testosteronwerte können Prozesse stören, mit denen Herzmuskelzellen Kalzium regulieren. Dadurch können zusätzliche elektrische Impulse entstehen. Hohe Testosteronwerte wiederum wirken auf bestimmte Kaliumströme und verkürzen die elektrische Erholungsphase der Herzmuskelzellen. Das kann kreisende elektrische Erregungen begünstigen, die Vorhofflimmern auslösen können.
Ganz eindeutig ist die Datenlage dennoch nicht. Eine Auswertung von 106 placebokontrollierten Studien mit insgesamt mehr als 15.000 Männern fand keinen statistisch eindeutigen Anstieg von Vorhofflimmern unter einer Testosterontherapie. Hinzu kommt: Niedriges Testosteron geht oft mit Übergewicht einher, und Übergewicht ist selbst ein starker Risikofaktor für Vorhofflimmern. Die Autoren des neuen Reviews betonen deshalb, dass die u-förmige Beziehung weiter untersucht werden muss.
Aus den bisherigen Daten leiten sie dennoch einen möglichen günstigen Bereich ab: Bei Testosteronwerten von ungefähr 350 bis 550 Nanogramm pro Deziliter scheint das Risiko für Vorhofflimmern am niedrigsten zu sein. Dieser Bereich wurde allerdings aus Beobachtungsdaten abgeleitet und bislang nicht in einer gezielten klinischen Studie überprüft.
Für Männer mit Testosteronmangel bedeutet das laut den Autoren vor allem, dass eine Behandlung auf einen individuell passenden Wert im mittleren Bereich abzielen sollte, statt ein Maximum herausholen zu wollen. Denn Werte im oberen Normalbereich brächten keinen zusätzlichen Nutzen. Entscheidend seien vielmehr ein individuell passender Zielwert und eine regelmäßige Kontrolle – besonders bei älteren Männern oder bei bestehenden Herz-Kreislauf-Risiken.

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