
Uber-Chef Dara Khosrowshahi kündigt den Start von Robotaxis in München an, plant die Übernahme von Delivery Hero und sieht enormes Wachstumspotenzial in Deutschland.
AI-generated summary
Uber plant den Start von autonomen Robotaxis in München und verhandelt über die Übernahme des Lieferdienstes Delivery Hero.
Dara Khosrowshahi investiert Milliarden in die Infrastruktur für autonomes Fahren. Er kündigt den Start in München an – und will mit Robotaxis die Preise senken und neue Kunden gewinnen.
Uber-Chef Dara Khosrowshahi: „Bis zu echten Gewinnen wird es sieben bis zehn Jahre dauern.“ Foto: Getty Images (2), PR
München. Der Terminkalender von Dara Khosrowshahi spiegelt, welche Bedeutung Europa für den Konzern bekommen hat: In der vergangenen Woche stand erst Zagreb auf dem Programm, dann besuchte er die Firmenzentrale von Delivery Hero in Berlin – der Lieferdienst wird derzeit von Uber übernommen. Und Khosrowshahi steht an der Spitze des Mobilitätskonzerns.
Das Handelsblatt trifft den Spitzenmanager schließlich am Rande der Technologiekonferenz „Bits & Pretzels“ in München, passend zum Oktoberfest im Trachtenjanker gekleidet. Und im Gespräch gerät Khosrowshahi geradezu ins Schwärmen, als es um die Chancen des deutschen Markts geht.
Herr Khosrowshahi, wann werden in München die ersten Robotaxis von Uber fahren?
Wir sind kurz vor dem Start unseres Pilotbetriebs für autonome Fahrzeuge in München. Dafür arbeiten wir mit unseren Partnern Momenta und Autobrains zusammen. Zunächst werden es begrenzte Pilotprojekte mit einem Sicherheitsfahrer sein. Wir wollen sicherstellen, dass wir das Fahrzeug so trainieren, dass es sich sicher durch die Straßen Münchens bewegen kann. Sicherheit ist für uns von größter Bedeutung.
Und wann dürfen die Kunden an Bord?
Wir wollen nichts überstürzen, damit wir unsere hohen Anforderungen erfüllen. Wir wollen zunächst den Pilotbetrieb mit Fahrer für einen ausgewählten Nutzerkreis öffnen und anschließend breiter über Uber zugänglich machen. Erst wenn wir von den Fähigkeiten der Fahrzeuge vollständig überzeugt sind, werden wir den Sicherheitsfahrer abziehen. Das haben wir bereits in Teilen des Nahen Ostens, beispielsweise in Dubai, gemacht.
Sie haben auch Pilotprojekte in Zagreb und London. Welche Erfahrungen haben Sie bislang gemacht?
Ich komme gerade aus Zagreb. Ich bin dort schon fahrerlos gefahren, es war sehr besonders. Wir glauben, dass wir dort inzwischen über die Fähigkeit zum fahrerlosen Betrieb verfügen. Wir gehen davon aus, dass wir im kommenden Jahr in Zagreb den Roboter allein fahren lassen können. Es handelt sich um eine Partnerschaft mit Verne, einem kroatischen Unternehmen, und dem Unternehmen Pony AI, das die autonome Fahrtechnologie bereitstellt.
Autonomes Fahren
Uber und Pony AI wollen 2000 Robotaxis in Europa einsetzen
Was sind die größten Herausforderungen, bevor Sie in den Regelbetrieb gehen können?
Eine Herausforderung ist natürlich, sicherzustellen, dass das autonome Fahrzeug sicher ist. Ich würde das allerdings nicht als unlösbare Herausforderung bezeichnen. Hinzu kommen Investitionen in die Infrastruktur.
Vita Dara Khosrowshahi
Der heute 57-Jährige wurde im Iran geboren und floh mit seiner Mutter 1975 vor der iranischen Revolution. Er wuchs in den USA auf und studierte Elektrotechnik und Elektronik an der Brown University in Providence. Er startete seine Karriere als Investment Banker bei Allen & Company. 2005 wurde er Chef des Reisebuchungsportals Expedia. 2017 wechselte er als CEO zu Uber.
Uber wurde von Garrett Camp und Travis Kalanick im Jahr 2009 als Limousinenservice in San Francisco gegründet. Zehn Jahre später ging das Unternehmen an die Börse. Heute erwirtschaftet das Unternehmen mit 30.000 fest angestellten Mitarbeitern als Fahrtvermittlungs- und Lieferservice einen Umsatz von 52 Milliarden Dollar. Vor kurzem hat Uber ein Übernahmeangebot für den deutschen Konkurrenten Delivery Hero abgegeben.
Was genau brauchen Sie an Infrastruktur?
Die Uber-Partner besitzen nicht nur ihr Auto, sie reinigen und reparieren es und laden es auf. Für autonome Fahrzeuge müssen wir eine spezialisierte Infrastruktur aufbauen. Auf diese Weise werden wir mit den Robotaxis auch in Deutschland viele neue Arbeitsplätze schaffen. Wir investieren Milliarden Dollar in Fahrzeuge, Depots und die Infrastruktur, die für den autonomen Betrieb nötig ist.
Wird die Technologie nicht viele Arbeitsplätze von Fahrern vernichten?
Im Gegenteil. Auf unserer Plattform verdienen mehr als zehn Millionen Menschen Geld. Unser Geschäft wächst um mehr als 20 Prozent. Ich glaube deshalb, dass die Zahl der Menschen, die über unsere Plattform Einkommen erzielen, in den kommenden fünf bis zehn Jahren sogar weiter steigen wird.
Werden autonome Fahrzeuge in wenigen Jahren den Kern Ihrer Flotte bilden?
Das hängt von der jeweiligen Stadt ab. Ich glaube, es wird noch einige Zeit dauern. Diese Fahrzeuge sind ziemlich teuer. Die Kosten pro gefahrenem Kilometer liegen bei einem autonomen Fahrzeug heute deutlich über denen eines menschlichen Fahrers. Es wird also dauern, bis die Technologie skaliert und die Kosten sinken. Auf absehbare Zeit werden deshalb weiterhin viele Menschen mit Uber fahren und Lieferungen übernehmen.
Wird Ihr Geschäft mit autonomen Fahrzeugen irgendwann profitabler als mit menschlichen Fahrern?
In den kommenden fünf Jahren wird es zunächst nicht um Profit gehen, sondern um Sicherheit und Wachstum. Und wenn die Technologie Mobilität zu niedrigeren Kosten ermöglicht, wollen wir die Preise für die Kunden senken.
Das werden Ihre Aktionäre nicht so gern hören.
Ja, wir sind ein börsennotiertes Unternehmen und optimieren auf Gewinn. Aber wir wollen auch den Umfang unseres Geschäfts ausweiten. Autonomes Fahren kann dazu beitragen. Wir kommen auf ein Buchungsvolumen von mehr als 200 Milliarden Dollar. Heute können sich vor allem Menschen aus der Mittelschicht und der oberen Mittelschicht unseren Service leisten. Wir möchten, dass ihn alle nutzen können.
Jetzt noch mal konkret: Wie lange wird es dauern, bis dieses Geschäft profitabel ist?
Ich denke, bis zu echten Gewinnen wird es sieben bis zehn Jahre dauern, wenn man die Infrastrukturkosten einbezieht. Auch beim klassischen Geschäft von Uber hat es Jahre gedauert, bis wir profitabel waren – wahrscheinlich zehn Jahre. Heute erzielen wir einen freien Cashflow von zehn Milliarden Dollar pro Jahr.
Derzeit konkurrieren Sie mit Taxifahrern. Mit autonomen Fahrzeugen wären Ihre wichtigsten Wettbewerber die Alphabettochter Waymo und andere. Wird der Wettbewerb dadurch härter?
Früher waren Taxifahrer unsere Wettbewerber, heute arbeiten wir mit vielen von ihnen zusammen. Inzwischen sind rund 10.000 Taxifahrer allein in Deutschland auf der Uber-Plattform. Das Taxigeschäft ist eines unserer am schnellsten wachsenden Geschäftsfelder. Ähnlich ist es beim autonomen Fahren: In Atlanta und Austin arbeiten wir mit Waymo zusammen. In anderen Städten werden wir Technologien einführen, die mit Waymo konkurrieren. Letztlich wird die Welt nicht schwarz oder weiß sein.
Sie arbeiten mit ziemlich vielen Technologieunternehmen zusammen, allein mit rund 30 Anbietern autonomer Fahrzeuge. Was ist die Strategie dahinter?
Das ist eine Kernkompetenz unseres Unternehmens. Wir bauen eine Plattform, die Angebote aus der realen Welt zusammenführt. Wir arbeiten weltweit mit mehr als einer Million Restaurants und mit mehr als zehn Millionen Fahrern und Kurieren. Mit 30 Partnern zusammenzuarbeiten, ist für uns daher nicht kompliziert – auch wenn es so aussehen mag.
Wie würden Sie Ihre Rolle in diesem Bereich beschreiben?
Wir führen Angebot und Nachfrage für Mobilität und für die Lieferung verschiedenster Waren zusammen. Monatlich nutzen mehr als 200 Millionen Kunden unsere Dienste. Wenn die Übernahme von Delivery Hero gelingt, kommen weitere 50 Millionen Kunden hinzu. Diese Nachfrage bringen wir mit unseren Partnern zusammen: mit Fahrern, Kurieren, Restaurants, Lebensmittelhändlern und zunehmend auch Einzelhändlern auf der ganzen Welt. Das kann weltweit keiner in diesem Maßstab.
Deutsche Autohersteller sind sehr wichtig. Sie sind führend bei Ingenieurskunst und Qualität. Dara Khosrowshahi
Wie groß ist das Risiko, dass Uber von den Technologiepartnern beim autonomen Fahren abhängig wird und diese Ihnen am Ende die Kunden abwerben?
Sicherlich sind wir von unseren Technologiepartnern abhängig – genauso wie von unseren Partnern im Lebensmittelgeschäft und anderen Bereichen. Wir glauben aber nicht, dass ein einziges Unternehmen diese Technologie beherrschen wird. In den USA gibt es mehrere Anbieter: Waymo und Zoox etwa. Auch Nvidia investiert in die Technologie. Unternehmen wie Nuro und Avride sind ebenfalls vielversprechend. Außerhalb der USA arbeiten unter anderem Pony AI, We Ride, Baidu oder Wayve in Großbritannien an der Technologie. Wir gehen davon aus, dass ein ausgewogenes Ökosystem mit mehreren Anbietern entsteht. Der Markt ist dafür groß genug.
Wie wichtig sind deutsche Autohersteller als Partner in diesem Geschäft?
Deutsche Autohersteller sind sehr wichtig. Sie sind führend bei Ingenieurskunst und Qualität.
Aber sie bauen auch vergleichsweise teure Autos.
Natürlich wird es in der Welt des autonomen Fahrens viele Kunden geben, die vor allem den niedrigsten Preis und Zuverlässigkeit suchen. Es wird aber ebenso Kunden geben, die deutsche Ingenieurskunst, Raffinesse und Qualität schätzen und bereit sind, dafür mehr zu zahlen. Deshalb arbeiten wir mit Mercedes zusammen und arbeiten aktiv mit Volkswagen daran, mehr ihrer Autos auf unsere Plattform zu bringen.
Ist das nicht nur eine Nische?
Das Premiumsegment unserer Flotte mit menschlichen Fahrern gehört zu den am schnellsten wachsenden Bereichen. Wir haben zuletzt die Übernahme von Blacklane bekannt gegeben, einem in Berlin ansässigen Unternehmen, um dieses Premiumsegment auszubauen. Für Komfort und eine hochwertige Ausstattung gibt es einen Markt – und das künftig sicher auch bei autonomen Autos.
Sie investieren Milliarden ins autonome Fahren. Gleichzeitig wollen Sie für 13 Milliarden Euro Delivery Hero übernehmen. Manche würden sagen: Das ist traditionelles Liefergeschäft und keine besonders aufregende Technologie. Wie passt das zusammen?
Als ich bei Uber anfing, machte das Liefergeschäft weniger als zehn Prozent unseres Gesamtgeschäfts aus. Heute sind es fast 50 Prozent. Ich glaube, es wird größer werden als unser Mobilitätsgeschäft. Ob man es traditionell oder modern nennt: Ich halte es für ein attraktives Geschäft.
Lieferdienst
Uber legt offizielles Übernahmeangebot für Delivery Hero vor – Mehrheit sicher
Was bringt Ihnen konkret die Übernahme von Delivery Hero?
Delivery Hero verfügt über hervorragende Talente. Das Team in Berlin ist stark, und wir haben zugesagt, zwei Milliarden Euro in unser Deutschlandgeschäft, unsere Mitarbeiter und weitere Kooperationen zu investieren, um weiter zu wachsen. Delivery Hero ist in 60 Ländern aktiv – ein sehr internationales Geschäft, das wir schätzen. Das Unternehmen ist im Nahen Osten stark vertreten, ebenso in Lateinamerika und Südostasien.
Ein wichtiger Unterschied ist, dass Sie nur eine Marke haben, Uber Eats, während Delivery Hero viele Marken betreibt. Wollen Sie diese Marken behalten?
Wir haben die Übernahme noch nicht abgeschlossen und uns daher noch nicht festgelegt. Wir wollen das Unternehmen zunächst besser verstehen und herausfinden, worin die Stärken seiner Mehrmarkenstrategie im Vergleich zu unserer Einzelmarkenstrategie liegen.
Ungewöhnlich ist, dass das Unternehmen seinen Hauptsitz in Deutschland hat, aber hierzulande nicht operativ tätig ist.
Das können wir ändern. Uber ist in Deutschland sehr umfangreich tätig.
Fahrer des Lieferdienstes Uber Eats: „Ich halte es für ein attraktives Geschäft.“ Foto: dpa
Welche Rolle könnte der deutsche Hauptsitz von Delivery Hero künftig spielen?
Delivery Hero hat große lokale Teams aufgebaut, die die jeweiligen lokalen Marken entwickelt haben. Zugleich gibt es eine bedeutende zentralisierte Präsenz in den Bereichen Betrieb, Analyse, Produkt und Technologie. Dieses Team wird künftig für unsere Technologie und unsere lokale Strategie eine wichtige Rolle spielen.
Über die Uber-App kann man mittlerweile auch Hotels buchen. Was sind Ihre Pläne? Soll daraus eine Super-App werden, mit der man alles erledigen kann?
Uber begann lokal: Man konnte sich innerhalb der eigenen Stadt überall hinbringen lassen. Mittlerweile nutzen Reisende Uber weltweit. Viele öffnen am Flughafen als Erstes ihre Uber-App. Wir wollen die Dienste von Uber deshalb auf den internationalen Reiseverkehr ausweiten. Hotels sind ein Anfang. In Großbritannien und Spanien bieten wir inzwischen auch Zugtickets an. Wenn wir unser Mobilitäts- und Lieferangebot ausbauen und für mehr Menschen weltweit zu einem alltäglichen Service werden, kann das für Uber eine große Geschäftschance sein.
Wir können das führende Technologieunternehmen werden, das für die reale Welt entwickelt. Dara Khosrowshahi
Wie wichtig ist der deutsche Markt für Uber?
Er wird immer wichtiger. Als ich bei Uber anfing, waren wir in Deutschland noch nicht vertreten. Das hat mich ziemlich frustriert, aber im Laufe der Jahre haben wir investiert. Der deutsche Markt ist jetzt einer unserer wichtigsten. Zehntausende Fahrer, Taxifahrer und Kuriere sind inzwischen auf der Plattform und mehr als 20.000 Händler.
Welche Wachstumschancen sehen Sie hier?
Vergleicht man den Anteil der Uber-Nutzer in Deutschland an der Gesamtbevölkerung etwa mit dem in Großbritannien, ist er hierzulande nur eine kleine Minderheit – weniger als ein Fünftel des Anteils im Vereinigten Königreich. Für uns steht der deutsche Markt also noch am Anfang.
Diesen Optimismus teilen hierzulande viele nicht.
Ich glaube, dass das Potenzial in Deutschland und in Europa enorm ist. Die Talentbasis ist hervorragend, und wir investieren in sie. Wir haben hier in Europa großartige Führungskräfte. Während sich manche auf das Negative konzentrieren, schaue ich auf das Positive und auf die Möglichkeiten, die wir hier haben.
Was für ein Unternehmen wird Uber in fünf Jahren sein?
Wir können das führende Technologieunternehmen werden, das für die reale Welt entwickelt. Viele Technologieunternehmen bewegen sich vor allem in der digitalen Welt, sie entwickeln Suchmaschinen oder KI‑Anwendungen. Uber ist insofern einzigartig: Wir sind ein wichtiger Teil des Lebens der Menschen, nicht nur ihres digitalen Alltags.
AI outlook — possibilities, not facts
Start des Pilotbetriebs für autonome Fahrzeuge in München
Very likely · Within months

The software startup Personio is taking over the Berlin expense specialist Circula in its largest acquisition to date. The aim is to bundle personnel, payroll and expense management for medium-sized companies.

German industry recorded an unexpected drop in orders of 10.6 percent in August compared to the previous month. The main reason is the loss of large armaments and vehicle construction orders.

Because of high fees and kerosene costs, the Federal Association of German Airlines is calling for subsidies from regions and countries for individual flight connections in order to connect the regional economy to international hubs.
After months of negotiations and warning strikes, Verdi and the ZDS have agreed on a collective agreement for around 11,000 employees in German seaports. Wages will rise retroactively to August by 3.4 percent for a period of one year.

Xing founder Lars Hinrichs is launching the new mobile phone tariff Simsalasim, challenging industry giants such as Telekom and Vodafone. There is sharp criticism from Telekom corporate circles because of his previous supervisory board mandate.

Three McKinsey employees in Berlin want to go to court to force an electoral board to set up a works council. The main hearing is scheduled for July 2027. There is currently no works council in the German consulting industry.