Ukraine wirft Russland systematische Angriffe auf Bahnnetz und Zivilisten vor
Russische Drohnen treffen Personenzug nahe polnischer Grenze und zivile Ziele in Kramatorsk und Odessa; Ukraine meldet Gegenangriffe auf russische Industrieanlagen.
Quick Look
- Russland intensiviert Drohnenangriffe auf ukrainische Infrastruktur, darunter einen Personenzug nahe der polnischen Grenze.
- Die Ukraine meldet zivile Opfer in Kramatorsk und Odessa sowie Gegenangriffe auf russische Ölraffinerien und Fabriken.
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Why It Matters
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine dauert seit Februar 2022 an. Das Kernkraftwerk Saporischschja steht seit Beginn des Krieges unter russischer Kontrolle.
Die Ukraine hat Russland angesichts mehrerer Drohnenattacken einen systematischen Angriff auf ihr Eisenbahnnetz vorgeworfen. Wegen landesweiter Angriffe seien das Überwachungszentrum und das gesamte Personal der ukrainischen Bahn »in höchster Alarmbereitschaft«, teilte die staatliche Bahngesellschaft mit. Sie warnte vor möglichen Evakuierungen, Umleitungen und Verspätungen von Zügen.
Eine russische Drohne hat die Lokomotive eines Zuges getroffen, der von Kyjiw nach Warschau unterwegs war. Dies bestätigte der polnische Bahnbetreiber PKP Intercity. An Bord hätten sich 206 Fahrgäste befunden. Verletzt wurde niemand. Wie die ukrainische Staatsbahn Ukrsalisnyzja mitteilte, war der Zug etwa zwei Kilometer von der polnischen Grenze entfernt. Der Angriff fand in der Region Wolyn statt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte mit, bei dem Zwischenfall sei die Lokomotive in Brand geraten. Er sprach von einem absichtlichen Angriff auf den Zug.
Nach Informationen des Spiegels musste bei einem weiteren Vorfall in der Nähe des Grenzübergangs Dorohusk-Jahodyn ein privat gecharterter Sonderzug teilweise evakuiert werden, nachdem es in der Region Drohnenangriffe gegeben hatte. An Bord dieses zweiten Zuges befanden sich demnach einer der engsten Berater von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der außen- und sicherheitspolitische Berater im Kanzleramt, Günter Sautter, sowie der ehemalige britische Premier Boris Johnson. Beide waren zuvor zu Beratungen in Kyjiw gewesen.
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha machte den russischen Staatschef Wladimir Putin direkt verantwortlich. Dessen »Terror« klopfe »direkt an die Türen der EU und der Nato«.
Nahe der ukrainisch-polnischen Grenze in der Kleinstadt Jahodyn ist in der Nacht eine russische Drohne eingeschlagen. Das teilte der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha auf der Plattform X mit. Er korrigierte damit eine frühere Aussage, wonach der Grenzübergang direkt getroffen wurde. Der Einschlagsort liegt rund 800 Meter von der Grenze entfernt.
Nach Angaben des ukrainischen Militärs hat die Ukraine eine Ölraffinerie in der südlichen russischen Region Krasnodar angegriffen. »Bei dem Einsatz wurden eine wichtige Ölverarbeitungsanlage und das Tanklager des Unternehmens getroffen, das Russlands Krieg gegen die Ukraine unterstützt«, hieß es in einer Mitteilung auf Telegram.
Mindestens fünf Menschen sind bei einem russischen Angriff auf die ukrainische Stadt Odessa verletzt worden. Das teilten Behördenvertreter mit. »In mehreren Stadtteilen wurden Wohngebiete beschädigt. Die Behörden sind dabei, das gesamte Ausmaß der Schäden zu erfassen«, schrieb der Leiter der Militärverwaltung von Odessa, Serhiy Lysak, auf Telegram.
Der Chef des staatlichen russischen Atomkraftwerkskonzerns hat der Ukraine vorgeworfen, Tanklastwagen in der Nähe des Geländes des von Russland kontrollierten Kernkraftwerks Saporischschja angegriffen zu haben. Dabei sollen zwei russische Soldaten getötet und die Sicherheit des Kernkraftwerks gefährdet worden sein. Alexej Lichatschow teilte mit, ukrainische Streitkräfte hätten am Freitag »eine Reihe von kombinierten Angriffen« auf Tanklastwagen durchgeführt, die Diesel an das Kraftwerk liefern.
Bei einem ukrainischen Drohnenangriff in der russischen Teilrepublik Tatarstan sind zwei Menschen getötet worden. Eine Drohne sei in einen Baum gestürzt, wodurch ein nahe stehendes Auto mit vier Insassen beschädigt worden sei, teilte der Bürgermeister der Stadt Nischnekamsk, Radmir Beljajew, mit.
Die ukrainische Regierung bereitet sich nach eigenen Angaben auf eine Fortsetzung der Verhandlungen über eine Friedenslösung mit Russland im kommenden Monat vor. Die Gespräche sollen wieder unter Vermittlung der USA stattfinden, sagte der Stabschef von Präsident Wolodymyr Selenskyj, Kyrylo Budanow. Der Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte ebenfalls die Fortsetzung der Gespräche »in absehbarer Zeit«.
Zum ersten Mal überhaupt sind im Schwarzen Meer offenbar zwei Marinedrohnen aufeinandergetroffen. Die ukrainische Marine teilte mit, sie habe ein unbemanntes russisches Boot entdeckt und daraufhin ein entsprechendes Gegenstück losgeschickt. Beim Aufeinandertreffen der beiden sei das russische Drohnenboot per Maschinengewehr zerstört worden.
Bei einem russischen Angriff mit Drohnen auf mehrere Privat-Pkw in der ukrainischen Stadt Kramatorsk in Donezk sind drei Menschen getötet worden. Das teilten örtliche Behörden mit. Demnach gab es vier Verletzte. Die drei Angriffe seien separat erfolgt.
Die ukrainische Wirtschaftsministerin Oleksandr Kravchenko hat davor gewarnt, dass russische Luftangriffe auf Infrastruktur und wichtige Exportindustrien sowie die Blockade der Häfen die Haushaltskrise der Ukraine verschlimmern. Die Schäden liegen ihr zufolge in diesem Jahr bei fast 10 Milliarden US-Dollar.
Bei russischen Angriffen auf mehrere ukrainische Städte sind nach Behörden- und Unternehmensangaben mindestens vier Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt worden. Der Konzern ArcelorMittal, dessen Stahlwerk in der Stadt Krywyj Rih getroffen wurde, teilte mit, dass dabei zwei Personen getötet worden seien.
Der ukrainische Generalstab hat bestätigt, eine Fabrik in der russischen Region Samara mit Drohnen attackiert zu haben. Auf dem Gelände des Betriebs in Toljatti sei ein Brand ausgebrochen. Das Werk stellt nach ukrainischen Angaben auch synthetischen Kautschuk her, der für taktische und ballistische Raketen gebraucht wird.
Wolodymyr Selenskyj hat erneut Bereitschaft zu einem Treffen mit Wladimir Putin geäußert, sollten beide Politiker zu einem G20-Gipfel in die USA eingeladen werden. »Wir müssen uns treffen, miteinander sprechen und Entscheidungen treffen«, sagte Selenskyj der Deutschen Welle.
Nach russischen Angaben hat die Ukraine mehrere Regionen mit Drohnen angegriffen. Insgesamt seien 230 Drohnen über mehr als einem Dutzend Gebieten, der besetzten Halbinsel Krim sowie dem Asowschen und dem Schwarzen Meer abgeschossen worden, teilte das russische Verteidigungsministerium mit.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Fortsetzung der Friedensverhandlungen im kommenden Monat unter US-Vermittlung.
Possible · Within months
Open Questions
- Wie reagiert die Nato auf die Drohnenangriffe nahe der polnischen Grenze?
- Können die Friedensverhandlungen unter US-Vermittlung tatsächlich stattfinden?


