Unbekannte greifen Umspannwerk am Kohlekraftwerk Jänschwalde an
Quick Look
- Unbekannte haben einen Angriff mit selbstgebauten Flugkörpern auf ein Umspannwerk am Kohlekraftwerk Jänschwalde verübt, wodurch Leitungen beschädigt und ein Kurzschluss ausgelöst wurden.
- Der Stromausfall war kurzzeitig, die allgemeine Versorgung blieb unberührt.
- Politiker verurteilen den Anschlag auf kritische Infrastruktur und warnen vor wachsenden hybriden Bedrohungen.
AI-generated summary
Why It Matters
Der Angriff richtete sich gegen ein Umspannwerk am Kohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg. Dabei wurden selbstgebauten Flugkörpern verwendet, die zu einem Kurzschluss in der Höchstspannungsleitung führten. Obwohl eine kurzzeitige Leitungsunterbrechung entstand, blieb die allgemeine Stromversorgung unberührt.
Unbekannte haben einen Angriff auf ein Umspannwerk am Kohlekraftwerk Jänschwalde im Süden Brandenburgs verübt. Es habe mindestens eine Detonation gegeben, sagte eine Sprecherin des Brandenburger Polizeipräsidiums in Potsdam am Dienstag. Am Morgen seien mehrere sogenannte unkonventionelle Brand- und Sprengvorrichtungen entdeckt worden, die aber nicht alle explodiert seien. Der Netzbetreiber 50 Hertz sprach von „selbstgebauten Flugkörpern, die handelsüblichen Silvesterraketen ähneln".
Brandenburgs Innenminister, Jan Redmann (CDU), sagte am Dienstagnachmittag vor Pressevertretern in der Nähe des Kohlekraftwerks, dass er nicht bestätigen könne, dass ein Sprengsatz explodiert sei. Der derzeitige Ermittlungsstand würde zeigen, dass „leitfähiges Material in die Hochspannungsleitung reingeflogen“ sei und so einen Kurzschluss in der Höchstspannungsleitung herbeigeführt habe, sagte der Minister. Der dadurch ausgelöste Feuerball sei womöglich als Detonation gedeutet worden.
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„Das waren ganz sicher keine Silvesterraketen, sondern Raketen, die zu diesem Zweck hier hergestellt wurden“, so Redmann. Die Konstruktion könne nicht ohne Aufwand getätigt worden sein, aber dafür brauche man auch kein „Spezialistenwissen".
Zuvor hatte die „Märkische Allgemeine Zeitung“ unter Berufung aus Sicherheits- und Unternehmenskreisen berichtet, Einsatzkräfte hätten vor Ort mehrere Vorrichtungen für mit Sprengstoff bestückte Raketen gefunden und diese entschärft. Das Landeskriminalamt, das die Ermittlungen übernommen hat, widersprach diesem Bericht später.
Zusammenhang mit Ausfall von Kraftwerksblock wird geprüft
Auf Anfrage der F.A.Z. teilte die Polizei am Dienstagnachmittag mit, dass vor Ort noch Spuren gesichert würden. „Zu den Hintergründen kann zum jetzigen Zeitpunkt keine Angabe gemacht werden.“
Laut 50 Hertz wurden mehrere Leitungen beschädigt. Es habe eine kurzzeitige Leitungsunterbrechung gegeben, teilte das Unternehmen mit. Am frühen Nachmittag hieß es, alle Leitungen seien wieder in Betrieb. Die allgemeine Stromversorgung sei nicht beeinträchtigt.
Ein Sprecher des Kraftwerksbetreibers Leag sprach von einem Anschlag. In der Folge habe es einen technischen Ausfall eines Blocks des Kraftwerks gegeben. „Ein möglicher Zusammenhang wird geprüft“, erklärte er. An der Wiederinbetriebnahme des Blocks werde gearbeitet.
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) verurteilte den Angriff. „Wer versucht, unsere kritische Infrastruktur zu sabotieren und das gesellschaftliche Leben zu lähmen, greift uns alle an“, erklärte er. Der Regierungschef sprach von einem „mutmaßlichen Anschlag“ und versicherte: „Wir lassen uns von krimineller Energie weder erpressen noch verunsichern.“
Woidke: Müssen unsere Infrastrukturen entschlossen schützen
Glücklicherweise seien bei dem Vorfall keine Menschen zu Schaden gekommen, erklärte Woidke. „Das ist in dieser Situation die wichtigste Nachricht – dennoch nehmen wir die Angriffe auf unsere kritische Infrastruktur sehr ernst“, betonte er.
„Die besorgniserregend hohe Frequenz derartiger Vorfälle zeigt, dass wir unsere Infrastrukturen entschlossen schützen müssen“, erklärte Woidke. Die Sicherheitsbehörden arbeiteten mit Hochdruck an der Aufklärung, „um die Täter mit der vollen Härte des Gesetzes zur Rechenschaft zu ziehen“.
Innenminister Redmann kritisierte am Dienstagnachmittag, dass die kritische Infrastruktur in Deutschland viel zu verwundbar sei. „Auf hybride Bedrohungen braucht es hybride Antworten.“ Sein Ministerium arbeite deswegen an einem Gesetzentwurf, sodass Betreiber sich selbst besser vor derartigen Bedrohungen schützen könnten. Wirtschaftsministerin Martina Klement (CSU) betonte vor der Presse neben Redmann, dass die Versorgungssicherheit nicht gefährdet gewesen sei. Der Vorfall zeige, dass man auf einen „Mix an unterschiedlichen Energien“ setzen müsse, um resilient aufgestellt zu sein.
Auch Brandenburgs Infrastrukturminister Robert Crumbach (SPD) sagte: „Der Anschlag auf die Infrastruktur in Jänschwalde ist ein Angriff auf die Sicherheit und die Lebensgrundlagen der Menschen in Brandenburg und darüber hinaus“, sagte er. „Wer kritische Infrastruktur beschädigt, gefährdet Arbeitsplätze, Versorgungssicherheit, das Vertrauen und letztlich die Gesundheit und Leben der Menschen.“
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Das Landeskriminalamt wird die Ermittlungen zum Anschlag auf das Umspannwerk Jänschwalde abschließen und mögliche Täter identifizieren.
Likely · Within weeks
Die Landesregierung Brandenburg wird den geplanten Gesetzentwurf zum Schutz kritischer Infrastruktur vor hybriden Bedrohungen in den Landtag einbringen.
Possible · Within months
Open Questions
- Wer steht hinter dem Angriff?
- Welche Motivation hatten die Täter?
- Wie genau wurden die Flugkörper konstruiert und eingesetzt?
- Besteht eine Verbindung zu ähnlichen Vorfällen in der Vergangenheit?



