
Nach der Wahl liegt die National Party von Christopher Luxon knapp vor Labour. Fast 400.000 Sonderstimmen stehen noch aus, das offizielle Ergebnis wird am 27. November erwartet.
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Neuseeland hat ein Verhältniswahlsystem seit 1996. Das Parlament wächst durch Überhangmandate, wenn eine Partei mehr Wahlkreise gewinnt als ihr nach dem landesweiten Stimmenanteil zusteht. Für eine Mehrheit sind bei 131 Sitzen 66 nötig. Die bisherige Regierung bleibt bis zum offiziellen Ergebnis geschäftsführend im Amt.
Nur ein Sitz trennt das Lager von Ministerpräsident Luxon von der Mehrheit. Doch kleinere Parteien und noch nicht ausgezählte Stimmen könnten die Regierungsbildung auf den Kopf stellen.
Regierungschef Christopher Luxon hofft auf eine zweite Amtszeit. Foto: Bianca De Marchi/AAP/dpa
Wellington. Neuseeland bekommt nach der Wahl ein ungewöhnlich großes Parlament - und möglicherweise eine lange Phase politischer Unsicherheit. Statt der üblichen 120 Sitze sind nach der vorläufigen Auszählung nun 131 Mandate vorgesehen. Das wäre die größte Volksvertretung seit Einführung des Verhältniswahlsystems 1996. Wer künftig regiert, ist indes noch nicht entschieden: Fast 400.000 Sonderstimmen müssen noch ausgezählt werden. Das offizielle Ergebnis wird erst am 27. November erwartet.
Die konservative National Party von Ministerpräsident Christopher Luxon und die sozialdemokratische Labour-Partei des Herausforderers Chris Hipkins liegen nach Auszählung der Stimmen vom Wahltag mit jeweils rund 29 Prozent nahezu gleichauf. Hunderttausende sogenannte Sonderstimmen - die 14 Prozent aller Stimmen ausmachen - könnten die Kräfteverhältnisse aber noch deutlich verschieben.
Dazu gehören unter anderem Stimmen von Neuseeländern im Ausland und von Wählern, die außerhalb ihres eigentlichen Wahlkreises abgestimmt haben. In der Vergangenheit kamen sie häufig vorwiegend linken Parteien zugute.
Warum wächst das Parlament?
Das größere Parlament ist eine Folge sogenannter Überhangmandate. In dem Pazifikstaat wählen die Bürger eine Partei und einen Kandidaten in ihrem Wahlkreis. Gewinnt eine Partei mehr Wahlkreise, als ihr nach dem landesweiten Stimmenanteil zustehen, darf sie die zusätzlichen Sitze behalten. Das Parlament wächst dadurch diesmal um 11 auf 131 Sitze. Für eine Mehrheit sind deshalb 66 statt der üblichen 61 Sitze nötig.
Eine entscheidende Rolle bei der Regierungsbildung dürfte den kleineren Parteien zukommen, besonders der aufstrebenden Opportunity Party. Die Partei um ihre Vorsitzende Qiulae Wong hat mit fast sechs Prozent erstmals den Einzug ins Parlament geschafft und erhält voraussichtlich sieben Sitze. Luxon hatte eine Zusammenarbeit mit ihr wegen ihrer Steuerpläne zunächst ausgeschlossen. Wong hält sich dagegen Gespräche mit beiden politischen Lagern offen.
Die bisherige Sitzverteilung
Ob das nötig sein wird, muss sich noch zeigen: Bisher kommt die National Party auf 42 Mandate, Labour auf 36. Zusammen mit seinen bisherigen Koalitionspartnern ACT und New Zealand First käme Luxon damit auf 67 Sitze - bloß einen mehr als für eine Mehrheit nötig.
Der Regierungschef gab sich optimistisch: „Nach derzeitigem Stand brauchen wir Opportunity nicht, um eine Regierung zu bilden“, sagte er. Für Labour könnte es komplizierter werden: „Ein Sieg der Linken bei dieser Wahl ist nicht unmöglich, aber es sieht sehr schwierig aus“, kommentierte der „New Zealand Herald“.
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Niedrige Wahlbeteiligung
Allerdings könnten schon wenige durch Sonderstimmen veränderte Direktmandate die knappe Mehrheit von Luxons Lager gefährden und auch die Größe des Parlaments noch einmal beeinflussen. Bis zum offiziellen Ergebnis Ende November bleibt die bisherige Regierung deshalb geschäftsführend im Amt. Die Koalitionsverhandlungen dürften erst danach richtig Fahrt aufnehmen.
Die Bevölkerung leidet derweil weiter unter hohen Lebenshaltungskosten, Inflation und steigender Arbeitslosigkeit. Die Wahlbeteiligung gibt deshalb Anlass zum Nachdenken: Nach vorläufigen Berechnungen gingen 74,6 Prozent der registrierten Wähler an die Urnen. 2023 waren es noch 78,2 Prozent gewesen. Die beiden prägenden Großparteien National und Labour kommen zudem zusammen nur noch auf rund 58,6 Prozent der Stimmen - ein historischer Tiefstand.
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Die Koalitionsverhandlungen nehmen erst nach dem offiziellen Ergebnis am 27. November richtig Fahrt auf.
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Die Sonderstimmen könnten die Kräfteverhältnisse zwischen den Parteien verschieben.
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