Unicredit plant offenbar raschen Umbau bei der Commerzbank und Austausch von Vorstandschefin Orlopp
Unicredit-Chef Orcel will laut Medienberichten auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Januar oder Februar die Kapitalseite des Aufsichtsrats und Commerzbank-Chefin Orlopp austauschen.
Quick Look
- Unicredit plant nach dem Erwerb von fast 50 Prozent der Commerzbank-Anteile einen umfassenden Austausch des Aufsichtsrats und von Vorstandschefin Bettina Orlopp im Januar oder Februar.
- Die Bundesregierung und Verdi zeigen sich empört.
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Why It Matters
Unicredit baut seine Beteiligung an der Commerzbank stark aus und steuert auf die Mehrheit zu. Dies führt zu Konflikten mit der Bundesregierung und dem Management über die künftige Strategie.
Das Institut wolle auf einer außerordentlichen Hauptversammlung die Kapitalseite des Aufsichtsrats und anschließend auch Vorstandschefin Bettina Orlopp austauschen, sagte eine mit dem Thema vertraute Person dem Handelsblatt.
Sobald Unicredit von der europäischen Bankenaufsicht die Genehmigung für die Aufstockung ihres Commerzbank-Anteils von knapp 30 auf knapp 50 Prozent erhalten habe, werde Unicredit-Chef Andrea Orcel eine außerordentliche Hauptversammlung beantragen, sagte die Person. Diese könne bereits im Januar oder Februar kommenden Jahres stattfinden.
Die Gewerkschaft Verdi reagierte empört auf die Pläne. „Andrea Orcel zeigt erneut, warum Vertrauen in sein Vorgehen schwerfällt“, sagte Gewerkschaftssekretär Kevin Voß, der auch im Aufsichtsrat der Commerzbank sitzt, dem Handelsblatt. „Statt den angekündigten konstruktiven Dialog zu suchen, setzt er weiter auf Druck und Konfrontation.“
Das sei „ein schlechtes Signal für den Bankenstandort Deutschland und Europa – vor allem aber für die Beschäftigten beider Häuser“. Verdi werde alles dafür tun, um die Beschäftigten in dieser Situation bestmöglich zu schützen.
Unicredit und Commerzbank wollten sich zum neuen Zeitplan für die Übernahme der Kontrolle, über den zuvor die „Financial Times“ berichtet hatte, nicht äußern. Er deckt sich mit früheren Aussagen von Orcel, ab Anfang 2027 die Kontrolle bei der Commerzbank zu übernehmen, um Deutschlands zweitgrößte Privatbank kräftig umzubauen.
Mit dem Austausch der gesamten Kapitalseite des Aufsichtsrats, inklusive Chefkontrolleur Jens Weidmann, würde Unicredit allerdings eine Forderung der Bundesregierung ignorieren. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) hatte von Orcel bei einem Treffen in Berlin Mitte September Regierungskreisen zufolge gefordert, dass der Bund weiter zwei Vertreter in den Aufsichtsrat der Commerzbank entsenden darf.
Der Bund ist seit der Rettung in der Finanzkrise 2008 an der Commerzbank beteiligt und mit etwa 13 Prozent zweitgrößter Aktionär. Er hatte sich genauso wie Orlopp lange für die Eigenständigkeit der Commerzbank eingesetzt, diese Position jedoch im Sommer aufgegeben.
Nach einem Übernahmeangebot ist schließlich klar, dass Unicredit bald fast 50 Prozent der Anteile kontrollieren wird. Damit haben die Italiener auf der nächsten Hauptversammlung die Mehrheit. Orlopp und die Bundesregierung wollen allerdings nach eigenem Bekunden versuchen, in Gesprächen mit Orcel noch das Maximum für die Commerzbank und den Standort Deutschland herauszuholen.
Die nun publik gewordenen Pläne von Unicredit sorgen bei der Bundesregierung für Irritation. Unicredit setze wieder auf eine aggressive Rhetorik, während im Hintergrund intensiv gesprochen werde, hieß es in Berlin.
Im Anschluss an das Treffen von Klingbeil und Orcel habe man eigentlich den Eindruck gehabt, „eine gemeinsame Basis gefunden zu haben und mit klaren Zusagen der Unicredit rechnen zu können: zum Standort Deutschland, zu den Rechten der Beschäftigten der Commerzbank und zu einem konstruktiven Dialog mit dem Betriebsrat im weiteren Prozess“, sagte ein Regierungsvertreter.
Die Commerzbank solle eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleiben. Das Mittelstandsgeschäft solle ausgebaut werden. Dafür müsse die Commerzbank weiterhin „über die nötige Kapitalausstattung verfügen und wesentliche Entscheidungen in Deutschland treffen“.
„Wir erwarten jetzt, dass der CEO der Unicredit diese Zusagen zeitnah gibt“, sagte der Regierungsvertreter. Dann könne man noch offene Fragen im konstruktiven Miteinander aller relevanten Akteure lösen. Ziel müsse es sein, „eine tragfähige Wachstumsstrategie für die Commerzbank zu erreichen“.
Orcel hat angekündigt, nach einer Übernahme allein in Deutschland 7000 Vollzeitstellen zu streichen. Zudem plant er, das Auslandsnetz der Commerzbank deutlich auszudünnen. Orlopp lehnt diese Pläne ab. Das Auslandsnetz ist aus ihrer Sicht wichtig, um deutsche Mittelständler im Ausland zu begleiten, und damit auch zentral für den geschäftlichen Erfolg der Commerzbank.
Aufgrund dieser und anderer Meinungsverschiedenheiten zeichnet sich schon länger ab, dass Orlopp nach der Kontrollübernahme von Unicredit nicht mehr lange Vorstandschefin bleibt. Bereits auf dem Handelsblatt Banken-Gipfel Anfang September hatte die Vorstandsvorsitzende ihren Abschied angedeutet, falls sie sich mit Orcel nicht auf eine Strategie einigen kann.
Ihr Vertrag laufe noch bis 2029, aber bei Vorständen handele es sich grundsätzlich um Verträge auf Zeit, sagte Orlopp. Ein solcher Vertrag ergebe „immer nur dann Sinn, wenn es erstens eine Vertrauensbasis zwischen dem Aufsichtsrat und dem Vorstand gibt und zweitens man sich über die Strategie einig ist“, sagte sie. „Wenn es nicht der Fall ist, dann muss man die Konsequenzen daraus ziehen.“
Orcel hat angekündigt, die Commerzbank nach einer Übernahme zunächst zwei bis drei Jahre zu sanieren und erst im Anschluss mit der deutschen Unicredit-Tochter Hypovereinsbank (HVB) zusammenzulegen. Unicredit erwägt Finanzkreisen zufolge, die HVB dann mit der Commerzbank zu fusionieren.
Unicredits Anteil an der zusammengelegten Einheit würde damit nach Berechnungen der Analysten von Mediobanca auf 70 Prozent steigen, ohne die Kapitalquote von Unicredit stark zu belasten. Für eine solche Fusion bräuchte Unicredit allerdings eine Mehrheit von 75 Prozent auf der Commerzbank-Hauptversammlung, sagte Orlopp vergangene Woche auf einer Finanzkonferenz.
Laut ihr liegen außerdem noch zwei andere Optionen auf dem Tisch: Unicredit könne direkt mit der Commerzbank fusionieren oder ein weiteres Übernahmeangebot für die verbleibenden Commerzbank-Aktionäre vorlegen, um ihre Beteiligung auf mehr als 90 Prozent aufzustocken. Letzteres halten Analysten aber zumindest kurzfristig für unwahrscheinlich, weil es für Unicredit relativ kostspielig werden könnte.
What to Watch
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Ausserordentliche Hauptversammlung im Januar oder Februar
Likely · Within months
Open Questions
- Wann genau erteilt die EU-Bankenaufsicht die Genehmigung?
- Wie reagiert die Bundesregierung auf das Ignorieren ihrer Forderungen?



