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US-Bören: CoreWeave fällt, Amazon gewinnt – Wie die Midterms den KI-Sektor spalten
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US-Bören: CoreWeave fällt, Amazon gewinnt – Wie die Midterms den KI-Sektor spalten

Nach den US-Zwischenwahlen teilt sich der KI-Sektor: Während Cloud-Giganten wie Amazon und Microsoft Kursgewinne verzeichnen, verlieren reine Rechenzentrumsanbieter wie CoreWeave deutlich an Wert.

Quick Look

  • Nach dem demokratischen Wahlsieg bei den US-Zwischenwahlen steht der Ausbau der KI-Infrastruktur vor politischen Hürden.
  • Während Hyperscaler wie Amazon und Microsoft Kursgewinne verzeichnen, verlieren reine Rechenzentrumsanbieter wie CoreWeave deutlich.
  • Der Widerstand gegen Rechenzentren könnte den Ausbau bremsen, was für Big Tech-Aktionäre eine Entlastung bedeuten könnte, da weniger in teure Server und Chips investiert wird.

AI-generated summary

Why It Matters

Nach den US-Zwischenwahlen haben die Demokraten den Widerstand gegen Rechenzentren zu einem beherrschenden Wahlkampfthema gemacht. Dies könnte den Ausbau der KI-Infrastruktur einschränken und die Aussichten vieler Tech-Konzerne trüben, die Milliarden in die KI-Infrastruktur investieren.

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San Francisco, New York. Der „blaue Tsunami“ der Demokraten bei den diesjährigen Zwischenwahlen könnte den Ausbau der Infrastruktur für Künstliche Intelligenz (KI) deutlich einschränken. Zahlreiche demokratische Kandidaten hatten den Widerstand gegen die Rechenzentren zu einem beherrschenden Wahlkampfthema gemacht.

Das trübt auch die Aussichten vieler Tech-Konzerne, die derzeit Milliarden in die KI-Infrastruktur stecken. Die Kontrolle der Demokraten im Kongress, insbesondere im Senat, dürfte aus Sicht des Tech-Investors Dan Ives von Yorkville in den nächsten zwei Jahren zu erheblichen Hürden für die Gesetzgebung führen. „Das lässt sich nicht beschönigen.“

An den Märkten sorgte der Wahlsieg der Demokraten am Mittwoch daher zunächst für eine auf den ersten Blick paradoxe Reaktion: Denn obwohl Baustopps und Regulierung Gegenwind für die gesamte Branche bedeuten, teilte sich der KI-Sektor in Verlierer und Gewinner.

Während die Kurse von Neocloud-Anbietern wie CoreWeave abrutschten, stiegen die Papiere der Hyperscaler trotz der vermeintlich schlechten Branchennachrichten deutlich. Amazon und Microsoft etwa gewannen über sechs Prozent, Alphabet legte nach den deutlichen Verlusten der letzten Woche über drei Prozent zu, Meta gewann 1,4 Prozent.

Im Gegensatz dazu gehörte CoreWeave mit einem Minus von knapp zehn Prozent zu den größten Verlierern im technologielastigen Nasdaq 100. Auch Nebius, ein weiterer Neocloud-Anbieter, verlor über sechs Prozent, Applied Digital knapp sieben Prozent.

Wie passt das zusammen? Ausgerechnet die Konzerne, deren Rechenzentren im Wahlkampf zur Zielscheibe wurden, legen zu – während die reinen Rechenzentrumsfirmen verlieren. Drei Unterschiede helfen, die scheinbar widersprüchliche Reaktion zu erklären.

Für Neoclouds wie CoreWeave, Iren oder Nebius, die Rechenleistung für KI-Firmen bauen und vermieten, ist der Ausbau nicht Mittel, sondern Zweck: Jedes Rechenzentrum, das am Widerstand von Wählern scheitert, fehlt. Die ohnehin sehr optimistische Wachstumsstory gerät in Zweifel.

Der Tech-Analyst Dan Ives schätzt, dass fünf bis zehn Prozent der geplanten 800 bis 1.000 US-Rechenzentren am politischen Gegenwind scheitern könnten. Microsoft, Amazon oder Google indes verdienen ihr Geld mit dem Verkauf von Cloud- und KI-Diensten. Der Ausbau steht bei ihnen auf der Kostenseite. In der Wertschöpfungskette stehen sie über CoreWeave und Co.

Sollten die Demokraten nun ein langsameres Ausbautempo erzwingen können, hemmt das ihre Milliarden-Investitionen – für Aktionäre, die seit Wochen über die Kostenlawine klagen, ist das keine Drohung, sondern eine Entlastung. Analyst Ives formuliert es so: Manche Tech-Investoren sähen die Wahl sogar als leicht positiv, weil Big Tech nun „auf die Bremse treten“ müsse.

Für Anleger lautet die Botschaft: Jeder Dollar, der von den Konzernen nicht in neue Server oder neue Chips fließt, verbleibt im Cashflow. Und der hatte zuletzt deutlich unter den hohen KI-Investitionen gelitten. Das Analysehaus Capital Economics schätzt, dass die kombinierten Investitionen der Hyperscaler im dritten Quartal ihre Cashflows übersteigen könnten – das erste Mal überhaupt in einem Zyklus.

Die US-Bank Goldman Sachs prognostizierte, dass im nächsten Jahr 1,2 Billionen Dollar in den KI-Ausbau fließen könnten. Diese Zahl könnte nun deutlich niedriger ausfallen. Aus Sicht von Capital-Economics-Chefökonom Jonas Goltermann ist es daher nachvollziehbar, dass die Möglichkeit einer Verlangsamung des Investitionsstopps eine positive Nachricht sei.

Die großen Tech-Konzerne, auch Hyperscaler genannt, finanzieren ihre Rechenzentren größtenteils mit den immensen Profiten ihres Kerngeschäfts. Google verdient etwa nach wie vor Milliarden mit den Anzeigen in seiner Internetsuche. Wer schon Kapazität am Netz hat, profitiert zudem, wenn neue knapper wird.

Die Herausforderer dagegen bauen auf Kredit und Vorverträge: Nebius' Finanzierung hängt an langfristigen Verträgen mit zahlungskräftigen Großkunden, Irens wichtigster Microsoft-Vertrag wird aus Texas bedient. CoreWeaves Bonität steht im Hochzinsumfeld immer mehr infrage. Der Evercore-Analyst Amit Daryanani warnt, ein restriktiveres Umfeld für neue Rechenzentren könne die ohnehin gedrückte Stimmung für diese Werte „zusätzlich belasten“.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) wies in ihrem Jahresbericht ausdrücklich auf dieses Risiko hin: Sollten die Hyperscaler ihr aggressives Investitionstempo drosseln oder stoppen, könnten viele Kreditnehmer entlang der Lieferkette Schwierigkeiten bekommen, ihre Umsatzeinbußen auszugleichen und ihre Schulden zu bedienen.

Diesen Effekt spüren auch die Chiphersteller, deren Absatz maßgeblich vom weiteren Ausbau der Infrastruktur abhängt. Das erklärt auch deren Kursverluste am Mittwoch: Der Philadelphia-Semiconductor-Index, der die Entwicklung der größten Chip- und Halbleiterkonzerne trackt, gab nach den Wahlergebnissen um über drei Prozent nach. Nvidia-Papiere verloren mehr als drei Prozent. Auch die Halbleiterzulieferer wie Coherent oder Marvell gerieten in den Abwärtssog und verloren zwischenzeitlich bis zu acht Prozent.

Hier wird es konkret: Goldman Sachs geht davon aus, dass die Bundesstaaten, in denen Einschränkungen durch die Demokraten drohen, etwa 45 Prozent der geplanten Rechenzentrumskapazität in den USA ausmachen. In Texas, wo nach Ives' Schätzung 25 bis 30 Prozent der geplanten Rechenzentrumsleistung entstehen sollen, regiert künftig mit Gina Hinojosa eine erklärte Kritikerin des Ausbaus; dazu kommt Senator James Talarico. Schon der abgewählte Republikaner Greg Abbott hatte im August einen Anschlussstopp für neue Rechenzentren ans Stromnetz verhängt – was Trump öffentlich einen Fehler nannte.

An der Börse galt das als Episode, die nach der Wahl endet. Nun gilt das Gegenteil. In Ohio gewann Sherrod Brown, der seinen Gegner als „das Gesicht der Rechenzentren“ attackierte und Steuerprivilegien der Betreiber streichen will; 14 Kommunen des Staates stimmten zugleich für Verbote oder Auflagen, darunter Sunbury gegen ein geplantes Amazon-Rechenzentrum.

In Michigan siegte Abdul El-Sayed mit dem Versprechen, Rechenzentren ihre Stromkosten selbst zahlen zu lassen. Der Treiber ist überall derselbe: Im größten Strommarkt des Landes, der sogenannten PJM‑Region an der Ostküste, rechnet der unabhängige Marktmonitor den Rechenzentren 63 Prozent des jüngsten Preisanstiegs zu – 9,3 Milliarden Dollar, bezahlt von den Kunden.

Eine Entwarnung für Verbraucher ist das alles nicht. Die Stromkosten dürften unabhängig vom Wahlausgang weiter steigen, weil die Nachfrage dem Angebot davonläuft: Hunderte Rechenzentren konkurrieren parallel um Netzanschlüsse, Flächen und Strom, die im Bau befindliche Kapazität liegt laut Reuters bereits 48 Prozent über dem Vorjahr – neue Kraftwerke indes brauchen Jahre. Die Beratungsfirma ICF erwartet etwa in der PJM-Region bis 2030 um 30 bis 60 Prozent höhere Haushaltstarife, Politik hin oder her. Der Wählerzorn vom Dienstag bekommt potenziell also Nachschub.

Einen großen Gegenschlag dürfte es trotzdem nicht geben. Ein nationales Verbot oder Moratorium könnten die Demokraten trotz ihres Siegs nicht durchsetzen. Jedes scharfe Gesetz scheitert an Trumps Veto. Die Analysten der Bank Barclays nennen entsprechende Sorgen deshalb unrealistisch.

Die Hebel der Demokraten liegen woanders. Im Kongress etwa, wo sie nun Untersuchungsausschüsse mit Vorladungsrecht durchsetzen können, die der Minderheitsführer Hakeem Jeffries bereits prüfen lässt. Oder bei Steuervergünstigungen für die Tech-Konzerne, die in jeder Haushaltsverhandlung zur Verhandlungsmasse werden. In den Staaten kommen Tarife, Genehmigungen und Netzanschlüsse hinzu – dort, wo die neuen Gouverneure sitzen.

Hinzu kommen die politischen Realitäten, denen sich auch die Demokraten nicht entziehen können. Denn ein langsamerer Ausbau könnte etwa China einen Vorsprung im KI-Wettstreit mit den USA verschaffen. Laut Ives würde das bei den Demokraten zu einer „ausgleichenden Dynamik“ führen.

Analysten von Goldman Sachs gehen gar davon aus, dass das Thema in den kommenden Monaten an Bedeutung verlieren werde. Sollten die Moratorien tatsächlich in Kraft treten, würden sie aus Sicht der Bank nicht von langer Dauer sein.

Der KI-Ausbau endet damit freilich nicht. Er wird teurer, langsamer, und er verlagert sich in die Bundesstaaten, in denen man ihn noch will. Für die Großen ist das ein kalkulierbarer Preis. Für die, deren einziges Produkt der Ausbau ist, steht hingegen das Geschäftsmodell auf dem Spiel.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Der Ausbau der KI-Infrastruktur wird langsamer und teurer, verliert aber nicht an Bedeutung.

    Likely · Within months

  • Die Investitionen der Hyperscaler in den KI-Ausbau könnten niedriger ausfallen als die prognostizierten 1,2 Billionen Dollar.

    Possible · Within months

Open Questions

  • Welche konkreten Gesetze werden die Demokraten im Kongress einbringen?
  • Wie werden die Bundesstaaten Texas, Ohio und Michigan ihre Rechenzentrumspolitik konkret umsetzen?
  • Welche langfristigen Auswirkungen hat ein langsamerer Ausbau auf die US-KI-Konkurrenzfähigkeit gegenüber China?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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