Dax-Rekord: Warum deutsche Aktien besonders deutlich von den Midterms profitieren
US-Zwischenwahlen lösen Rotation von KI-Werten hin zu zyklischen Aktien aus
Quick Look
- Der Dax markierte mit 26.692 Punkten ein neues Rekordhoch, während die Wall Street nach den US-Zwischenwahlen stark fiel.
- Eine Rotation von KI-Werten hin zu zyklischen Aktien sowie sinkende Ölpreise und die Hoffnung auf eine Deeskalation im Nahen Osten stützen die europäischen Märkte.
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Why It Matters
Nach den US-Zwischenwahlen mit einem deutlichen Sieg der Demokraten rotieren Investoren von KI-Werten hin zu zyklischen Aktien. Der Dax erreichte ein neues Rekordhoch von 26.692 Punkten, während die Wall Street stark fiel. Sinkende Ölpreise und die Hoffnung auf eine Deeskalation im Nahen Osten stützen die europäischen Märkte.
Frankfurt. Der deutliche Sieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen in den USA hat Investorinnen und Investoren erleichtert und eine Rotation hin zu zyklischeren, also stärker von der Konjunktur abhängigen Werten, verstärkt. Deutschlands Leitindex Dax und andere europäische Börsen verzeichneten besonders deutliche Kursgewinne.
Der Dax markierte am Donnerstag mit 26.692 Punkten ein neues Rekordhoch. Nach Öffnung der US-Börsen gab der deutsche Leitindex seine Tagesgewinne wieder ab, verlor aber weniger stark als die Aktien aus den Vereinigten Staaten.
An der Wall Street kehrten am Donnerstag die Sorgen um den KI-Trade zurück. Der Leitindex S&P 500 verlor am Donnerstag nach dem Handelsstart mehr als drei Prozent an Wert. Der technologielastige Nasdaq-Index verlor mehr als fünf Prozent. Die Verluste des Dow Jones fielen mit zunächst zwei Prozent moderater aus.
Der Dax notierte am späten Nachmittag 0,8 Prozent im Minus. Bereits am Mittwoch hatte er sich mit einem Plus von 2,2 Prozent, dem größten Tagesanstieg seit Juli, seiner bisherigen Bestmarke von Ende August genähert. Am Donnerstag legte der deutsche Leitindex in der Spitze um knapp ein Prozent zu – und das, obwohl die Aktie des Rüstungskonzerns Rheinmetall nach schwachen Zahlen bis zu 17 Prozent einbrach.
Einen Grund für die Rotation nach den Midterms formuliert Stephan Kemper, Chefanlagestratege beim Vermögensverwalter BNP Paribas Wealth Management: „Der Doppelsieg im Senat und im Repräsentantenhaus nährt die Hoffnung auf eine rasche Deeskalation im Nahen Osten.“
Aktuell sorgt die kriegsbedingte Blockade der Straße von Hormus durch den Iran für hohe Energiepreise, worunter viele Industrieunternehmen leiden. Viele Demokraten sehen den Krieg der USA und Israels gegen den Iran kritisch. Auch US-Vizepräsident J.D. Vance hatte die Niederlagen der Republikaner bei den Midterms anschließend auf den Iran-Krieg zurückgeführt.
Schon in der vergangenen Woche war der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent um mehr als 16 Prozent gefallen und notiert wieder unter der Marke von 100 Dollar. Das wirkt laut Kemper gerade für die europäischen Aktienmärkte „wie ein Befreiungsschlag“. Ein anhaltend niedrigerer Ölpreis und sinkende Frachtraten für Tanker wirkten „wie ein unmittelbares Konjunkturprogramm für energieintensive Industrien und den Konsum“.
Auch an den Anleihemärkten sorgt die Hoffnung auf Deeskalation für Entspannung. Hier hatten besonders Inflationserwartungen zu hohen Renditen geführt. Nun liegt die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen wieder unter 4,9 Prozent, nachdem sie noch Anfang Oktober auf über 5,3 Prozent gestiegen war.
Ein weiterer Grund für die Rotation hin zu zyklischeren Werten ist die Unsicherheit darüber, was das Wahlergebnis in den USA für die Regulierung für den weiteren Ausbau von Datencentern bedeuten könnte. Zahlreiche demokratische Kandidaten hatten den Widerstand gegen den Boom rund um Künstliche Intelligenz (KI) zu ihrem wichtigsten Wahlkampfthema gemacht.
Das belastet die Aussichten für Aktien von KI-Ausrüstern massiv. Die Aktien von Chipherstellern, deren Produkte in Rechenzentren verbaut werden, gaben am Mittwoch deutlich nach: Der Philadelphia Semiconductor Index, der die Entwicklung großer Halbleiteraktien abbildet, verlor mehr als drei Prozent. Am Donnerstag brach der Index dann um zehn Prozent ein.
Der Grafikprozessoren-Hersteller Nvidia verlor am Donnerstag knapp acht Prozent an Wert. Schon am Mittwoch hatten die Aktien von reinen Rechenzentrumsbetreibern wie dem Neocloud-Anbieter Coreweave besonders deutlich verloren. Am Donnerstag brach die Coreweave-Aktie um 14 Prozent ein. In Südkorea verloren die südkoreanischen Speicherchiphersteller Samsung und SK Hynix in zwei Tagen acht beziehungsweise knapp zehn Prozent.
Im Dax zeigte sich diese Umschichtung bei zyklischen Aktien deutlich, zum Beispiel bei Heidelberg Materials. Die Aktie des Baustoffkonzerns gewann bereits am Mittwoch 9,9 Prozent, am Donnerstag legte sie weitere zwei Prozent zu. Zu den Gewinnern gehörten zudem die lange schwachen Aktien von Autokonzernen sowie die Aktien der Pharma- und Chemiekonzerne Bayer und BASF.
Jim Reid, leitender Makrostratege bei der Deutschen Bank, sieht „grob eine Umschichtung von Rechenzentren zu allem anderen auf der Welt“. Die Rotation könnte nach Ansicht von Markus Reinwand, Aktienstratege bei der Helaba, noch weiter gehen. „Wir haben schon das ganze Jahr über immer wieder eine gewisse Skepsis mit Blick auf KI gesehen.“ Die Erwartungen an die Branche seien schließlich sehr hoch und die Unternehmen müssten die hohen Gewinnerwartungen erfüllen.
Von der Skepsis dürften laut Reinwand künftig Unternehmen profitieren, die KI nutzen, um profitabler zu werden. Hier sieht der Experte gerade auch in Deutschland Potenzial, wenn Unternehmen KI stärker für Robotik einsetzen.
Die Bundesregierung sieht Künstliche Intelligenz als ein zentrales Investitionsfeld. Mitte Oktober hatten Bundeskanzler Friedrich Merz und Nvidia-Chef Jensen Huang eine strategische Partnerschaft verkündet, „um den Einsatz von (KI) in der deutschen Industrie massiv voranzutreiben“. Im Fokus steht dabei die „physische KI“, also der Einsatz von KI in Robotern, autonomen Fahrzeugen und Industrieanlagen.
„Insgesamt haben sich die Aussichten für die Weltwirtschaft auch schon vor den US-Zwischenwahlen gebessert“, betont Reinwand. „Genau davon profitiert der Dax, dessen Unternehmen etwa 75 Prozent ihrer Umsätze außerhalb von Deutschland erwirtschaften.“
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die Rotation von KI-Werten zu zyklischen Aktien könnte sich fortsetzen, wenn die regulatorische Unsicherheit im US-Datencenter-Bereich anhält.
Possible · Within weeks
Unternehmen, die KI für Robotik einsetzen, könnten in Deutschland profitieren.
Possible · Within months
Open Questions
- Wie wird sich die Rotation von KI-Werten zu zyklischen Aktien langfristig entwickeln?
- Welche konkreten regulatorischen Auswirkungen hat das Wahlergebnis in den USA auf den Ausbau von Datencentern?
- Wie lange wird die Deeskalation im Nahen Osten anhalten und welchen Einfluss hat sie auf die Ölpreise?







