US-Diplomatie, neue Angriffe und Rücktritt in der Ukraine
Quick Look
- Nach dem Ende einer dreitägigen Feuerpause greift Russland Kyjiw erneut an, während die US-Gesandten Witkoff und Kushner neue Friedensvorschläge in Moskau und Kyjiw vorlegen.
- Der ukrainische Generalstaatsanwalt Krawtschenko kündigt wegen Korruptionsermittlungen seinen Rücktritt an.
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Why It Matters
Nach einer dreitägigen Feuerpause wurden die Angriffe im Ukrainekrieg wieder aufgenommen. Parallel laufen Vermittlungsbemühungen durch die USA.
Russische Angriffe beenden Feuerpause in Kyjiw
Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kyjiw nach Ende einer dreitägigen Feuerpause erneut angegriffen. Die russische Armee habe die Bezirke Boryspil und Fastiw mit Drohnen angegriffen, schrieb der ukrainische Katastrophenschutz im Onlinedienst Telegram.
Kyjiws Militärverwaltung teilte mit, dass wegen der Gefahr eines Drohnenangriffs Luftalarm in der Hauptstadt ausgelöst worden sei. Sie forderte die Bewohner auf, Schutzräume aufzusuchen.
Die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass hatte zuvor bestätigt, dass die von Russlands Staatschef Wladimir Putin angeordnete Angriffspause abgelaufen sei. Während des Besuchs der US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner in Moskau und Kyjiw hatten beide Seiten ihre Angriffe ausgesetzt.
Ukrainischer Generalstaatsanwalt kündigt Rücktritt an
Der Generalstaatsanwalt der Ukraine, Ruslan Krawtschenko, hat im Zusammenhang mit einer Korruptionsaffäre in seiner Behörde seinen Rücktritt angekündigt. »Das ist eine politische Entscheidung«, schrieb er auf seinem Telegram-Kanal. »Ich möchte nicht, dass das Amt des Generalstaatsanwalts als Instrument politischer Auseinandersetzungen missbraucht wird.« Seine Haltung zu den Vorwürfen, die er bereits mehrfach zurückgewiesen hatte, bleibe unverändert.
Wenige Stunden zuvor hatte Krawtschenko nach Angaben ukrainischer Medien einen möglichen Rücktritt noch abgelehnt und mitgeteilt, dass er von diesem Posten nur abberufen werden könne.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Ukrinform hatten Sonderermittler eine kriminelle Vereinigung unter der Führung des Leiters einer Abteilung der Generalstaatsanwaltschaft aufgedeckt, die angeblich Bestechungsgelder kassierte. Krawtschenko wies jede Verstrickung in diese Affäre zurück.
Stromleitung des AKW Saporischschja ist repariert
Nach fast drei Wochen ist die externe Stromzufuhr für das ukrainische Kernkraftwerk Saporischschja wiederhergestellt. Während einer begrenzten Feuerpause konnte eine beschädigte Leitung repariert werden, wie die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) mitteilte. Dies sei ein entscheidender Schritt zur Vermeidung eines Atomunfalls, sagte IAEA-Chef Rafael Grossi.
Das von Russland besetzte Atomkraftwerk braucht eine stabile Stromversorgung, um radioaktives Material zu kühlen. Die letzte verbleibende Stromleitung war am 20. August infolge von Gefechten beschädigt worden. Seitdem wurde das größte Kernkraftwerk Europas mit Notstromgeneratoren versorgt.
Selenskyj stellt Verhandlungen vor dem Winter in Aussicht
Nach dem Treffen mit den US-Sondergesandten hält der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Friedensverhandlungen noch vor dem Winter für möglich. Russlands Präsident Wladimir Putin rechne zwar mit einem brutalen Winter, um die Ukraine zu schwächen, doch Putin wolle US-Präsident Donald Trump nicht vor den Zwischenwahlen im November verärgern, sagte Selenskyj im Interview mit dem US-Nachrichtenportal Axios. »Mein Gefühl sagt mir, dass Putin Trump braucht, er will ihn nicht verärgern.«
»Wir haben den September und Oktober, um zu reden«, sagte Selenskyj weiter. »Ohne Dialog kann es kein Ergebnis geben.« Er gehe davon aus, dass Trump einen Weg finden werde, um den Verhandlungsprozess noch vor dem Winter zu starten.
UN-Kommissar entsetzt über Berichte von tödlicher autonomer Drohne
UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk hat sich bestürzt über Berichte über die Tötung von Menschen in der Ukraine durch eine autonom agierende russische Drohne gezeigt. »Ich schließe mich den Aufrufen an, Waffen zu verbieten, die ohne menschliches Zutun töten können«, sagte Türk vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf. Er fügte hinzu, dass auch die Ukraine offenbar solche Waffen getestet habe.
Die New York Times hatte Ende August berichtet, dass eine von künstlicher Intelligenz gesteuerte Drohne am 6. Juli drei Menschen in der ukrainischen Stadt Saporischschja getötet habe. Demnach sollte die Drohne eigentlich eine Tankstelle angreifen, änderte dann aber selbstständig ihr Ziel. Laut dem britischen Guardian wurde in der Folge ein Mensch getötet.
Fabrik in der Nordukraine bei russischem Angriff beschädigt
Bei einem russischen Angriff ist ein Werk des Unternehmens British American Tobacco (BAT) in der Stadt Pryluky in der nordukrainischen Region Tschernihiw beschädigt worden. Die Folgen des Angriffs würden derzeit überprüft, teilte BAT mit. Nach ersten Erkenntnissen wurde niemand verletzt.
Selenskyj dringt auf Fortsetzung diplomatischer Bemühungen
Nach dem Besuch der US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner in Kyjiw und Moskau am Wochenende hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf eine Fortsetzung der diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Krieges gepocht. »Unsere Partner wissen, was Früchte tragen kann und was vor dem Winter Früchte tragen muss«, teilte Selenskyj auf X mit. Man koordiniere nun die nächsten Schritte und bereite weitere Treffen und Kontakte vor.
Russland hatte zuvor eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche mit der Ukraine und den USA nicht ausgeschlossen. Es sei jedoch noch zu früh, um über Ort und Zeit solcher Verhandlungen zu sprechen, sagte Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow.
Putins Sprecher hat keinen Plan für konkrete Friedensgespräche
Die russische Führung hat eine mögliche Wiederaufnahme gemeinsamer Gespräche mit der Ukraine und den USA in Aussicht gestellt. »Auch wir schließen eine Wiederaufnahme des trilateralen Formats nicht aus, aber es ist zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh, um etwas über einen Ort (des Treffens) oder die genauen Termine zu sagen«, sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin, Dmitri Peskow.
Die beiden US-Gesandten Jared Kushner und Steve Witkoff waren am Wochenende nach Moskau und Kyjiw gereist, um beiden Seiten neue Vorschläge für eine Beendigung des Ukrainekriegs vorzulegen. Bislang waren die Gespräche daran gescheitert, dass Russlands Präsident Putin nicht von seinen Maximalforderungen abrücken wollte.
Russische Besatzungsbehörden melden Tote auf der Krim
Auf der seit 2014 von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim sollen nach Angaben des von Russland eingesetzten Gouverneurs der Stadt Sewastopol, Michail Raswoschajew, zwei Menschen durch einen ukrainischen Angriff getötet worden sein. Demnach starben ein Mann und eine Teenagerin. Acht mehrstöckige Wohnhäuser seien beschädigt worden.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte ukrainische Angriffe auf Einrichtungen in Russland. Dabei sei eine Raffinerie im Gebiet Rjasan beschädigt worden. Demnach wurden auch Raffinerien in der Region Perm und der Republik Tatarstan anvisiert. Zudem seien Ziele im Gebiet Kursk und im Schwarzen Meer angegriffen worden.
Ukrainischer Generalstaatsanwalt weist Korruptionsvorwürfe zurück
Der ukrainische Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko hat die gegen ihn erhobenen Korruptionsvorwürfe dementiert. Die Anschuldigungen seien »durch nichts belegt«, schrieb Krawtschenko im Onlinedienst Telegram. Die ukrainische Antikorruptionsbehörde Nabu und eine Spezialstaatsanwaltschaft hatten vorgestern mitgeteilt, ein Geldwäschenetzwerk aufgedeckt zu haben, das »von einem Verantwortlichen im Büro des Generalstaatsanwalts geführt« worden sei.
Im Rahmen der Ermittlungen waren die Büros der Generalstaatsanwaltschaft durchsucht worden. Die Antikorruptionsbehörde veröffentlichte ein Bild von einem Safe voller US-Dollar-Bündel und teilte mit, sie habe fünf Mitglieder des Netzwerks identifiziert. Namen nannte sie zunächst nicht.
Den Ermittlern zufolge bekam das Netzwerk Geld, um betrügerische Callcenter zu schützen. Es sei Geldwäsche in Millionenhöhe erfolgt. Mit diesen Bestechungsgeldern sollen demnach Immobilien, Schmuck und andere Wertgegenstände bezahlt worden sein. »Ich weise die Anschuldigungen zurück, wonach ich an der Entgegennahme und der Wäsche von Geldern beteiligt gewesen sein soll, die aus illegalen Callcentern stammen«, sagte Krawtschenko.
Russische Behörden melden zwei Tote nach ukrainischen Drohnenangriffen
Bei ukrainischen Drohnenangriffen sind nach Angaben russischer Behörden zwei Menschen getötet worden. In der Region Perm habe ein Angriff ein Wohngebäude beschädigt, wobei es vier verletzte Menschen und einen Toten gegeben habe, teilte der Gouverneur der Region, Dmitri Machonin, mit. Demnach schoss die örtliche Flugabwehr 27 Drohnen ab. Perm liegt am Rande des Uralgebirges im Osten des europäischen Teils Russlands.
Auch in der an die Ukraine grenzenden Region Belgorod wurde laut Behörden ein Mensch getötet und ein weiterer verletzt. Nach eigenen Angaben griff das russische Militär im Gegenzug erneut ukrainische Häfen an. Die russische Nachrichtenagentur Interfax meldete unter Berufung auf das Verteidigungsministerium einen Treffer auf ein Schiff im Hafen von Tschornomorsk. Das Schiff habe Militärgüter an Bord gehabt. Zudem sei eine Verladeanlage im Hafen von Ismajil angegriffen worden.
Ukrainische Soldaten kommen bei Huljajpole voran
Die Ukraine hat Positionen in der Region Saporischschja gehalten oder ist dort vorgerückt. Das berichtet das Institute for the Study of War (ISW) in seinem aktuellen Lagebericht. Ukrainische Kräfte halten wahrscheinlich ihre Positinen südlich von Wosdwyschiwka und kontrollieren Lisne, Riwne, Dolynka sowie Kopani, allesamt Dörfer nordwestlich von Huljajpole, wie das ISW unter Berufung auf geolokalisiertes Material berichtet.
Russland setzte indes laut ISW seine Infiltrationsmissionen fort, etwa in den Regionen Donezk und Charkiw.
US-Verhandler haben laut Ukraine neue Vorschläge für Kriegsende vorgelegt
Die US-Gesandten Jared Kushner und Steve Witkoff haben in der Ukraine nach Angaben aus ukrainischen Präsidentschaftskreisen neue, »effektivere« Vorschläge für ein Ende des russischen Angriffskrieges vorgelegt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj spreche derzeit nur mit den beiden US-Gesandten, sagte ein ranghoher Vertreter der ukrainischen Präsidentschaft. »Das ist nicht mehr wie vorher. Dieses Mal ist es effektiver«, sagte er.
Bei einer Pressekonferenz in der ukrainischen Hauptstadt hatte Witkoff zuvor Zugeständnisse von Russland und der Ukraine gefordert. »Beide Parteien müssen Kompromisse eingehen und die Meinungsverschiedenheiten abbauen«, sagte Witkoff. »Wir denken, über die notwendigen Elemente für einen Kompromiss zu verfügen.«
Erste Gesprächsrunde zwischen Ukraine und US-Verhandlern beendet
Die ersten Gespräche zwischen den US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner mit der ukrainischen Führung sind beendet. Witkoff sprach von einer ermutigenden, substanziellen und wichtigen Diskussion. Vor ihrer ersten Reise nach Kyjiw hatten die beiden US-Verhandler sich mit der russischen Führung in Moskau ausgetauscht.
US-Gesandte Witkoff und Kushner treffen mit dem Zug in Kyjiw ein
Die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner sind am Mittag zu Gesprächen über ein Ende des Ukrainekriegs in Kyjiw eingetroffen. Die beiden Gesandten von US-Präsident Donald Trump kamen per Zug aus Polen in der ukrainischen Hauptstadt an, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Witkoff und Kushner waren zuvor in Moskau, wo sie mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin gesprochen hatten.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Fortsetzung trilateraler Verhandlungsinitiativen vor dem Winter
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Open Questions
- Welche konkreten Kompromissvorschläge haben die US-Gesandten vorgelegt?
- Wer wird Nachfolger des zurückgetretenen Generalstaatsanwalts Krawtschenko?




