
Direktflüge aus New York und Montreal kurbeln den US-Tourismus auf Mallorca an. Die kaufkräftigen Gäste verstärken den Trend zu mehr Luxus und steigern die Preise auf der Insel.
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Seit 2022 bietet United Airlines Direktflüge von New York nach Palma an, was den US-Tourismus auf Mallorca ankurbelt.
Madrid, Düsseldorf. Mallorca war bislang fest in europäischer Hand – vor allem Deutsche und Briten zieht es seit Jahren in Scharen auf die Insel. Doch das könnte sich künftig ändern. Seit 2022 bietet United Airlines Direktflüge von New York nach Palma an. Seitdem steigt die Zahl der US-Touristen auf der Insel deutlich. Das könnte die Urlaubsszene auf der Insel nachhaltig verändern.
Urlauber aus den Vereinigten Staaten sind auf Mallorca gerne gesehen. „Sie geben deutlich mehr Geld aus als Europäer und suchen nicht in erster Linie Sonne und Strand, sondern mediterrane Lebensart und landestypische Küche und Weine“, sagt Bartolomé Deyá Tortella, Dekan der Fakultät für Tourismus an der Universitat de les Illes Balears. Damit stärken die kaufkräftigen Urlauber aus den USA den ohnehin bestehenden Trend zu mehr Luxus auf der Insel.
Im vergangenen Jahr reisten nach Angaben des nationalen spanischen Statistik-Insituts INE zwischen Mai und Oktober 300.000 US-Amerikaner auf die Balearen – 16 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Für die laufende Saison schätzt die Reise-Plattform Mallorcard, dass die Nachfrage aus dem US-Markt nochmals um etwa 40 Prozent wachsen wird.
Gegenüber den voraussichtlich fünf Millionen deutschen Touristen, die in diesem Jahr die Balearen bereisen, ist die Zahl der US-Bürger zwar noch gering. Dennoch könnte der Zustrom der Amerikaner das Preisbild insbesondere auf Mallorca verändern, erwarten Tourismusexperten wie Markus Orth, Chef des globalen Franchiseverbundes Lufthansa City Center (LCC). „Die Preisbereitschaft der Amerikaner ist eine andere als die der europäischen Inselgäste“, sagt er.
Zahlen des Statistikinstituts INE belegen dies. Danach gaben Amerikaner in der vergangenen Hauptsaison, dem dritten Quartal 2025, auf den Balearen pro Tag im Durchschnitt 129 Euro aus, deutsche Touristen dagegen nur 91 Euro. Die Ausgaben etwa für Hotels, Restaurants, Mietwagen oder Bootstouren amerikanischer Urlauber stiegen dadurch in der Sommersaison 2025 auf 236 Millionen Euro – nach gerade einmal 162 Millionen Euro drei Jahre zuvor.
Hinzu kommen die Hotelbuchungen, bei denen amerikanische Touristen ebenfalls deutlich tiefer in die Tasche greifen als etwa Deutsche. „Pauschalreisen sind in den USA nahezu unbekannt“, berichtet LCC-Geschäftsführer Orth. „Gebucht wird stattdessen über Plattformen wie Booking.com oder separat.“
Statt Bettenburgen am Strand suchen Amerikaner laut Tourismusexperte Deyá Tortella kleine Boutique-Hotels mit ursprünglichem Charakter im Landesinneren oder in der Insel-Hauptstadt Palma. „Für US-Touristen ist Mallorca der Inbegriff von mediterraner Lebensart mit dem vermeintlich besten Essen und den besten Weinen – das suchen sie auf der Insel“, sagt Deyá Tortella. Traditionell habe Italien, vor allem die Toskana, für Amerikaner diesen Mittelmeer-Stil repräsentiert. Doch inzwischen entdeckten sie auch spanische Ziele – vor allem Mallorca.
Die Insel ist durch Kinofilme oder Netflix-Serien wie The Crown in den USA bekannter geworden. Die letzte Staffel der Serie über das britische Königshaus wurde auf Mallorca gedreht. Aber auch US-Filmstars haben sich in die Insel verliebt. Als Nicole Kidman 2023 dort drehte, lobte sie Mallorca auf Social Media in den höchsten Tönen.
Die 2023 fertiggestellte 500-Millionen-Dollar-Jacht von US-Milliardär Jeff Bezos liegt häufig im Hafen von Palma, von wo aus Bezos dann in See sticht. Zudem taucht Mallorca in Städte- und Urlaubsziele-Rankings von US-Zeitschriften wie „Forbes“ regelmäßig auf den vorderen Plätzen auf.
Die Balearen-Regierung hat in den vergangenen Jahren bei amerikanischen, arabischen und asiatischen Airlines für Direktflüge auf die Insel geworben, um Risiken durch zu große Abhängigkeiten von wenigen Herkunftsländern zu senken. Mit Erfolg: 2022 hat United Airlines einen Direktflug von New York nach Palma de Mallorca ins Programm genommen.
Mittlerweile fliegt die Airline dreimal pro Woche nach Palma. In diesem Jahr ist eine weitere Verbindung nach Nordamerika hinzugekommen: Air Canada fliegt dreimal in der Woche von Palma direkt nach Montreal.
Der Trend auf der Insel geht ohnehin in Richtung Luxus. In den vergangenen Jahren sind mehrere Luxushotels auf der Insel entstanden oder bestehende Häuser haben ihr Niveau auf fünf Sterne angehoben. So hat diese Saison das Mandarin Oriental in der Bucht von Palma neu eröffnet. Im März 2025 nahm das Hotel Vier Jahreszeiten in Formentor, an der Nordspitze Mallorcas, den Betrieb auf.
Luxus und höhere Preise sind der einzige Ausweg, den Experten für das Dilemma der Touristenmassen sehen, die jedes Jahr auf die Balearen strömen. „Nach Mallorca kommen heute schon mehr Touristen als die Insel verkraften kann“, sagt Experte Deyá Tortella.
Anwohner haben in den vergangenen Jahren immer wieder gegen den überbordenden Tourismus auf der Insel protestiert. „Wir müssen an Wert und nicht an Umfang wachsen, um das Wohlergehen unserer Bürger zu gewährleisten“, sagte die Regionalregierungschefin der Balearen, Marga Prohens, in einem Interview mit „Forbes“.
Das vergangene Jahr markierte ihrer Meinung nach eine Trendwende: 2025 stiegen die Ausgaben der Touristen nach Angaben ihrer Regierung mit 4,6 Prozent mehr als doppelt so stark wie die Zahl der Besucher mit einem Plus von nur 1,7 Prozent.
Nicht nur die Hotels sind voll, auch der Immobilienmarkt auf Mallorca ist begehrt: Die Quadratmeterpreise auf der Insel haben sich seit ihrem Tiefstand im Jahr 2015 mehr als verdoppelt. Und auch bei Immobilien wächst das Angebot im Luxus-Segment.
US-Touristen könnten in einigen Jahren auch diesen Trend befeuern. Erste US-Makler gibt es auf der Insel bereits – natürlich im Luxus-Segment. So hat der amerikanische Nobelmakler The Agency 2023 ein Büro auf Mallorca eröffnet. Ein Jahr zuvor, im Juli 2022, hat die Immobiliengesellschaft des legendären US-Investors Warren Buffett, Berkshire Hathaway Home Services, den lokalen Immobilienanbieter Nova Mallorca Real Estate gekauft.
„Noch ist die Zahl der US-Touristen zu gering, um einen nennenswerten Effekt auf den Immobilienmarkt zu haben“, meint Deyá Tortella. „Aber je mehr von ihnen kommen, desto wahrscheinlicher wird auch, dass sich einige für Immobilien interessieren.“
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Nachfrage aus dem US-Markt wächst um etwa 40 Prozent
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