
Kurz vor dem Treffen zwischen Finanzminister Klingbeil und Unicredit-Chef Orcel warnt die Gewerkschaft vor den Folgen einer Übernahme.
Die Gewerkschaft Verdi fordert die Bundesregierung auf, ihre Beteiligung und Aufsichtsratssitze bei der Commerzbank zu behalten, um die Beschäftigten vor einer unkontrollierten Unicredit-Übernahme zu schützen.
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Der deutsche Staat ist nach der Rettung der Commerzbank in der Finanzkrise 2008 mit rund 13 Prozent am Geldhaus beteiligt.
Frankfurt. Die Gewerkschaft Verdi erhöht kurz vor dem Spitzentreffen von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) und Unicredit-Chef Andrea Orcel den Druck auf die Politik. Auch wenn die Bundesregierung aktuell andere dringende Themen habe, dürfe ihr Einsatz für eine gute Zukunft der Commerzbank nicht nachlassen, sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Frederik Werning dem Handelsblatt.
„Die Bundesregierung muss an ihrer Staatsbeteiligung und an ihrem Recht, zwei Mitglieder in den Aufsichtsrat der Commerzbank zu entsenden, festhalten“, mahnt Werning. „Nur so kann sie sicherstellen, dass nachhaltige Vereinbarungen mit Unicredit getroffen werden, insbesondere zum Schutz der Beschäftigten.“
Der deutsche Staat ist nach der Rettung der Commerzbank in der Finanzkrise 2008 noch mit rund 13 Prozent am Frankfurter Geldhaus beteiligt. Klingbeil hat Orcel für den 14. September zu einem Gespräch nach Berlin eingeladen und will ihm dabei die Position der Bundesregierung darlegen.
Ihr ist vor allem eine stabile Finanzierung des deutschen Mittelstands und der Erhalt eines starken Finanzplatzes Frankfurt wichtig. Wie es nach der Übernahme konkret weitergeht, sollen beide Geldhäuser jedoch direkt miteinander besprechen.
Die Bundesregierung hatte den Übernahmekampf selbst eingeleitet, als sie im September 2024 ein Commerzbank-Aktienpaket von 4,5 Prozent an Unicredit verkaufte. „Sie hat deshalb eine ganz besondere Verantwortung den Beschäftigten gegenüber, dass die Commerzbank jetzt nicht das gleiche Schicksal erleidet wie die Hypovereinsbank nach der Übernahme durch Unicredit 2005“, sagt Werning.
Die Hypovereinsbank (HVB) hat ihren Gewinn seit der Übernahme vor 21 Jahren zwar kräftig ausgebaut. Dies ging jedoch einher mit einem drastischen Arbeitsplatzabbau, der deutlich stärker ausfiel als bei anderen deutschen Geldhäusern. Bereinigt um die ehemalige österreichische Tochter Bank Austria sank die Zahl der Vollzeitstellen bei der HVB seit der Übernahme von 22.700 auf zuletzt 8265.
Bitter für das Selbstwertgefühl vieler Mitarbeiter war zudem, dass die HVB Ende 2023 von einer Aktiengesellschaft in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) umgewandelt wurde. Unicredit kann der HVB-Führung damit nun offiziell Weisungen erteilen.
Verdi fürchtet, dass es bei der Commerzbank nach einer Übernahme durch Unicredit zu einer ähnlichen Entwicklung kommt. Orcel hat die HVB schließlich als Blaupause für den Umbau der Commerzbank bezeichnet.
„Wir haben mehrfach erlebt, dass die wirklichen Schweinereien nicht in den ersten ein oder zwei Jahren nach einer Fusion passieren, sondern erst danach“, sagt Werning, der auch im Aufsichtsrat der Commerzbank sitzt. Gerade deshalb müsse die Bundesregierung beteiligt bleiben.
„Nur so kann sie sicherstellen, dass nachhaltige Vereinbarungen mit Unicredit getroffen werden, insbesondere zum Schutz der Beschäftigten“, argumentiert der Gewerkschafter. „Wir fordern unter anderem Standortgarantien und den Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen.“
Werning verweist zudem auf die wichtige Rolle der Commerzbank bei der Finanzierung des deutschen Mittelstands. „Wenn es hier zu einer unguten Entwicklung kommt, könnten sich die wirtschaftlichen Probleme Deutschlands noch mal verschärfen“, warnt er.
Neben Verdi setzt sich auch Aufsichtsratschef Jens Weidmann für einen Verbleib des Staates als Großaktionär ein. Perspektivisch solle sich der Bund zwar zurückziehen, weil es sich bei der Beteiligung um eine Rettungsmaßnahme gehandelt habe und der Bund grundsätzlich „nicht der bessere Unternehmer“ sei, sagte Weidmann kürzlich. „In der aktuellen Phase macht es aber Sinn, dass der Bund weiter Aktionär bleibt, um die Interessen des Standorts Deutschland aktiv zu vertreten.“
Innerhalb der Bundesregierung ist ein interministerieller Lenkungsausschuss für den Umgang mit der Commerzbank zuständig. Ihm gehören Vertreter von Kanzleramt, Finanz-, Wirtschafts- und Justizministerium an. Kurz nach dem Einstieg von Unicredit im September 2024 hatte das Gremium erklärt, vorerst keine weiteren Commerzbank-Aktien zu verkaufen.
Im Juni 2026 lehnte der Bund auch ein Übernahmeangebot von Unicredit ab. Zur Frage, was mit der Staatsbeteiligung nach der Kontrollübernahme durch die Italiener passiert, hat sich die Bundesregierung bisher nicht geäußert.
Orcel hatte im Juli erklärt, es könne hilfreich sein, wenn der Staat bei der Commerzbank noch eine Weile an Bord bleibe. „Wenn wir uns grundsätzlich einig sind, wäre die Bundesregierung als Partner positiv zu beurteilen“, sagte der Unicredit-Chef in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“. „Ein staatlicher Anteilseigner verleiht nicht nur der Commerzbank, sondern unserer ganzen Gruppe zusätzliche Stabilität.“
Aus Sicht von Experten wäre es für Orcel auch finanziell nicht attraktiv, dem Bund kurzfristig seine Beteiligung abzukaufen. Diese ist basierend auf den aktuellen Börsenkursen gut sechs Milliarden Euro wert. Typischerweise müsste Unicredit für das gesamte Paket auch noch einen Aufschlag bezahlen.
Dies würde die Kapitalquote von Unicredit belasten, warnten die Analysten von Mediobanca kürzlich in einer Studie. Unicredit müsste dann nämlich auch eine Barabfindung in gleicher Höhe an alle Anteilseigner bezahlen, die den Italienern bis Anfang Juli im Rahmen des Übernahmeangebots rund 18 Prozent aller Commerzbank-Aktien angedient hatten. Diese Pflicht gilt noch bis Juli 2027.
Für Unicredit wäre es attraktiver, die Commerzbank-Anteilseigner wie geplant mit eigenen Aktien zu bezahlen, betonen die Mediobanca-Experten. Sie fänden es am besten, wenn Unicredit die Commerzbank dann irgendwann mit der HVB fusioniert. Unicredits Anteil an der kombinierten Einheit würde so auf rund 70 Prozent steigen, ohne die Kapitalquote stark zu belasten, erklärten sie in ihrer Studie.
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Gespräch zwischen Lars Klingbeil und Andrea Orcel
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