Anhaltende Trockenheit führt zu extremen Waldbränden in Deutschland, Belgien, Griechenland und Spanien. Evakuierungen und internationale Hilfe.
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Anhaltende Hitzewellen und Trockenheit führen europaweit zu niedrigen Flusspegeln, Ernteeinbußen und extremen Waldbränden.
Die anhaltende Hitze führt zu gravierender Trockenheit in Europa. Wetterdienste in mehreren Ländern warnen vor erneuten Extremtemperaturen – auch in Deutschland.
Der Deutsche Raiffeisenverband erwartet nach einer Schätzung eine Getreideernte von 40,6 Millionen Tonnen. Im Jahr 2025 waren es 45 Millionen Tonnen Getreide.
Das extreme Niedrigwasser der Flüsse belastet zunehmend die Wirtschaft. Die niedrigen Wasserstände erfordern deutlich mehr Fahrten für die gleiche Frachtmenge. In Ungarn und Rumänien musste der Betrieb der Atomkraftwerke wegen der niedrigen Pegelstände gedrosselt werden.
Überall in Europa brechen bei anhaltender Trockenheit und Hitze immer wieder Waldbrände aus – auch in Deutschland.
Besonders für ältere Menschen, Schwangere und Personen mit Vorerkrankungen ist die Hitze gefährlich. Allein in Deutschland starben laut Robert Koch-Institut mindestens 12.500 Menschen infolge der jüngsten Hitzewelle.
Grünen fordern mehr Unterstützung und nationale Strategie für Feuerwehr
Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge fordert angesichts der starken Waldbrände eine bessere Unterstützung der Feuerwehr. Dröge sagte im Deutschlandfunk, es gehe grundsätzlich darum, die Arbeit der Feuerwehr bestmöglich finanziell und personell auszustatten. Außerdem schlage sie eine nationale Feuermanagementstrategie vor, die Risikoanalyse, Prävention und Einsatzvorbereitung zusammen denken. Wichtig seien auch mehr neue Technologien zur Früherkennung und ein europäischer Austausch. «Unsere südeuropäischen Nachbarländer haben ja brutalerweise mehr Erfahrung mit Waldbränden», sagte Dröge.
Da eine große Zahl an Bränden menschengemacht sei, brauche es darüber hinaus eine bessere Brandaufklärung. Zudem müssten die Wälder so umgebaut werden, dass es mehr Mischwälder gebe. Auch eine Wiedervernässung von Mooren sei nötig.
„Es ist katastrophal und auch ein Stück weit unfassbar, dass wir es als Gesellschaft nicht hinkriegen, endlich die Entschlossenheit zu finden, um mehr dafür zu tun, dass das nicht in Zukunft immer öfter passiert. Und das heißt, die Klimakrise zu bekämpfen. Ich verstehe es nicht, dass es da nicht mehr Entschlossenheit gibt.“
Katharina Dröge, Grünen-Fraktionschefin
Waldbrand im Hürtgenwald weiter unter Kontrolle
Der Waldbrand im Hürtgenwald in der Eifel ist nach Angaben der Sprecherin des Kreises Düren weiter unter Kontrolle. »Nach wie vor gibt es aber zahlreiche Glutnester«, sagte die Sprecherin. Diese seien jetzt der Schwerpunkt der Brandbekämpfung. Offene Flammen gebe es nicht mehr. Von einem Ende der Lage könne man aber noch nicht sprechen.
Etwa 400 Einsatzkräfte seien in der Nacht im Hürtgenwald im Einsatz gewesen, wo Ende vergangener Woche der größte Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens entstanden war. Tagsüber würden es voraussichtlich wieder doppelt so viele. Der Regen sei leider nur »ein Tropfen auf dem heißen Stein«, sagte die Sprecherin. »Aber wir nehmen alles, was wir kriegen können.«
Griechische Feuerwehr bringt Waldbrand auf Insel Salamis unter Kontrolle
Die griechische Feuerwehr hat nach eigenen Angaben einen Waldbrand auf der Insel Salamis nahe der Hauptstadt Athen unter Kontrolle gebracht. Die Lage habe sich verbessert, es gebe keine »aktive Feuerfront« mehr, sagte ein Sprecher der Feuerwehr der Nachrichtenagentur AFP. Auf Salamis seien aber immer noch mehr als 200 Feuerwehrleute und auch zwei Löschhubschrauber im Einsatz.
Bei dem Waldbrand kam ein älteres Paar ums Leben, das von den Flammen in der Nähe seines Zuhauses eingeschlossen wurde.
Am Sonntag waren im Süden und Osten der Insel nahezu zeitgleich zwei Waldbrände in der Nähe beliebter Strände ausgebrochen. Wegen heftigen Windes breiteten sich die Feuer binnen weniger Minuten aus. Der griechische Zivilschutz ordnete nach Ausbruch der Brände rasch Evakuierungen an. Hunderte Menschen wurden mit Booten in Sicherheit gebracht. Auf der Insel verbringen viele Athener ihre Wochenenden oder Ferien.
Waldbrand im Saarland unter Kontrolle
Der Waldbrand bei Illingen im saarländischen Landkreis Neunkirchen ist nach Angaben der Feuerwehr unter Kontrolle. Es laufen aber weiterhin umfangreiche Nachlöscharbeiten im gesamten Einsatzgebiet, teilte die Feuerwehr mit. Am Morgen waren noch rund 380 Einsatzkräfte der Feuerwehr, Polizei, des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und des Technischen Hilfswerks (THW) vor Ort.
Betroffen waren den jüngsten Angaben zufolge rund 18 Hektar Wald und Wiesen zwischen den Ortsteilen Wustweiler, Hirzweiler und Hüttigweiler.
Bundeswehr unterstützt Belgien bei Waldbrand
Die Bundeswehr unterstützt Belgien bei der Bekämpfung eines großen Waldbrands aus der Luft. Dafür werden zwei Transporthubschrauber vom Typ NH-90 eingesetzt, teilte das Verteidigungsministerium mit.
Der Einsatz soll zunächst sieben Tage dauern. Die Hubschrauber sind mit speziellen Löschwasserbehältern ausgestattet. Mit jedem Flug können sie rund 2.000 Liter Wasser über dem Brand abwerfen.
Die Bundeswehr hatte bereits bei einem großen Waldbrand im Hürtgenwald in der Nordeifel mit solchen Hubschraubern bei den Löscharbeiten geholfen.
Brandbekämpfung mit Löschhubschrauber im Hohen Venn wieder aufgenommen
Bei der Bekämpfung des Brands im Naturschutzgebiet Hohes Venn in Belgien an der Grenze zu Deutschland können die Maßnahmen bei Tageslicht wieder intensiviert werden. Dies teilte der Stellvertreter der Bürgermeisterin von Monschau, Franz-Karl Boden, der Nachrichtenagentur dpa mit.
Im Moment gehe man nicht davon aus, dass das Feuer auf deutsches Gebiet übergehe, sagte Boden. In der Nacht sei das Feuer nicht weiter vorgerückt.
Feuer im Hohen Venn bewegt sich nicht weiter Richtung deutsche Grenze
Die Flammen im belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn rücken momentan nicht mehr auf die deutsche Grenze vor. Leichter Regen, Windstille und hohe Luftfeuchtigkeit helfen den Einsatzkräften, dem Feuer Herr zu werden. »Das ist gut für uns«, sagte ein Feuerwehrsprecher in der Einsatzleitstelle in Kalterherberg, einem Stadtteil von Monschau. Dort wurden in der Nacht 17 Häuser evakuiert.
Verbände fordern von Regierung stärkeres Vorgehen gegen Klimakrise
Umweltschutzverbände haben die Bundesregierung zu verstärkten Maßnahmen gegen Hitze, Niedrigwasser und die Folgen der Klimakrise aufgefordert. »Dieser Extremsommer zeigt: Deutschland ist nicht gewappnet für die Hitze, die uns durch die eskalierende Klimakrise immer häufiger trifft«, sagte die Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe, Barbara Metz, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Es sei überfällig, Klimaschutz und Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz zu verankern. Dies müsse mit ausreichend Geld hinterlegt werden.
Die Klimachefin des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) sagte dem RND: »Das Kabinett muss ein effektives Vorsorgepaket vereinbaren, das deutlich mehr Klimaschutz, -anpassung und Investitionen in eine intakte Natur bündelt.« Die Umweltorganisation Greenpeace erklärte, die Klimakrise gehöre ins Zentrum der anstehenden Kabinettsklausur.
Hilfe aus mehreren europäischen Ländern
Der Brand im Hohen Venn hat ein »beispielloses Ausmaß angenommen«, hat der belgische Innenminister Bernard Quintin gesagt. Belgien erhält deshalb Unterstützung aus mehreren europäischen Ländern. Neben zwei Löschhubschraubern mit großen Wassertanks aus den Niederlanden seien am Sonntagnachmittag zwei Löschflugzeuge aus Schweden im Einsatz gewesen, schrieb der Innenminister bei X. Feuerwehrleute aus Deutschland und Luxemburg sind nach Angaben örtlicher Behörden bereits vor Ort.
Auch die belgischen Streitkräfte helfen gegen das Feuer mit. Sie stellten sechs Löschfahrzeuge und einen Tankwagen, wie Verteidigungsminister Theo Francken mitteilte.
Sofortige Evakuierung bei Monschau angeordnet
Wegen des großen Waldbrandes im Hohen Venn haben die deutschen Behörden eine Evakuierung von Teilen der nordrhein-westfälischen Stadt Monschau angeordnet. »Die aktuelle Entwicklung des Brandgeschehens im Hohen Venn erfordert eine sofortige Evakuierung folgender Straßenzüge in Kalterherberg: Ruitzhof und Geisberg«, teilte die Stadt Monschau auf ihrer Internetseite mit.
Die Häuser seien sofort zu verlassen, hieß es. Eine Notunterkunft sei in der Sekundarschule in Simmerath eingerichtet worden. Betroffen seien 17 Häuser und maximal 30 Menschen.
Der Wind sei völlig unberechenbar und drehe sich im Laufe eines einzigen Tages einmal um 360 Grad, hieß es. In welche Richtung sich das Feuer ausbreite, sei daher nicht vorherzusagen. Am Sonntagabend zog der Brand demnach in Richtung Südsüdost. Rund 30 Quadratkilometer Fläche sind nach Angaben der Behörden mittlerweile zerstört. Das Feuer war am Freitag ausgebrochen.
Soldat stirbt während Löscheinsatz in Nordspanien
Im Nordosten Spaniens ist ein Soldat bei der Bekämpfung eines Waldbrands gestorben. Regionalpräsident Jorge Azcón teilte auf X seine »aufrichtige Anteilnahme« angesichts des Todes des Soldaten mit. Er war im Kampf gegen den Brand in der Region Aragón im Einsatz gewesen. Örtlichen Medien zufolge hatte sich sein Fahrzeug überschlagen.
In Aragonien wütet seit Tagen ein Waldbrand, der unter anderem ein mittelalterliches Kloster bedroht. Von dort wurden am Donnerstag die Gebeine der ersten Könige des mittelalterlichen Königreichs Aragón in Sicherheit gebracht. Zudem mussten Hunderte Menschen aus umliegenden Orten ihre Häuser verlassen.
Im Saarland kämpfen 400 Einsatzkräfte gegen Waldbrand
Rund 400 Einsatzkräfte sind aktuell im saarländischen Landkreis Neunkirchen gegen einen sich ausbreitenden Waldbrand im Einsatz. »Nach aktuellen Vermessungen mit einer Drohne sind rund sechs Hektar Waldfläche betroffen«, teilte das saarländische Innenministerium mit. Innenminister Reinhold Jost habe sich vor Ort ein Bild von der Lage und den laufenden Löscharbeiten gemacht. Konkret betroffen ist ein Bereich beim Ortsteil Hirzweiler der Gemeinde Illingen.
„Die Brandbekämpfung gestaltet sich insbesondere aufgrund des schwierigen Geländes und der aufwendigen Löschwasserversorgung anspruchsvoll.“
Unterstützung bekämen die Einsatzkräfte am Boden von einem Löschhubschrauber. Nach Angaben der Feuerwehr hatte sich der Brand in Richtung eines Hofs ausgebreitet. Aufgrund der aktuellen Lage seien dort vorsorglich alle Pferde evakuiert worden. Aus dem Landesinnenministerium hieß es, Einsatzkräfte sicherten den Hof gegen ein Übergreifen des Feuers.
»Wir bitten die Bevölkerung, das Gebiet zu meiden und die Zufahrten für anrückende Rettungskräfte freizuhalten«, sagte die Feuerwehr. Die Rauchwolke des Brandes sei weithin sichtbar, hieß es. Der Wald wurde gesperrt.
Waldbrand im Westerwald unter Kontrolle
Ein Waldbrand im rheinland-pfälzischen Westerwald bedroht nicht mehr unmittelbar Wohngebäude. »Durch unsere Maßnahmen konnte eine Ausbreitung Richtung Bebauung verhindert werden«, sagte Björn Jestrimsky, Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Landkreises Altenkirchen, der Nachrichtenagentur dpa. Laut einer Sprecherin der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain ist der Brand unter Kontrolle. Die Evakuierung wurde aufgehoben.
Gebhardshain liegt etwa 60 Kilometer östlich von Bonn in einer waldreichen Mittelgebirgsregion in Rheinland-Pfalz an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. Zuvor waren Anwohner einer Straße aufgefordert worden, ihre Häuser sofort zu verlassen. Von dieser ursprünglichen Evakuierung waren 20 Familien betroffen, wie eine Sprecherin der Verbandsgemeindeverwaltung mitteilte.
Die Lage könnte nicht unterschiedlicher sein
Ein junger belgischer Feuerwehrmann berichtet von seinen letzten Tagen, in denen er an der Bekämpfung des Großbrandes im Naturschutzgebiet Hohes Venn beteiligt war. Er steht etwa hundert Meter vor der Straßensperre, die das Einsatzgebiet absperrt. Dort beginnt das Feuer, schreibt mein Kollege Matthias Kirsch, der vor Ort war. Er schildert die Situation an der Grenze zwischen Deutschland und Belgien als »abstrus«, denn sie könnte nicht unterschiedlicher sein: In Belgien sei der Wald verbrannt, Rauch liege in der Luft und ohne FFP2-Masken sei es kaum möglich, auch nur eine Minute im Freien zu verbringen. Auf der deutschen Seite hingegen, »scheint die Sonne, sitzen Touristen in der Monschauer Altstadt auf den Terrassen, geben die Behörden vorsichtige Entwarnung>«.
Belgische Behörden fordern Einsatzkräfte aus Deutschland an
Die belgischen Behörden haben zur Bekämpfung des größten Waldbrands in der Geschichte Belgiens Einsatzkräfte aus Deutschland angefordert. Die Unterstützung sei bereits angelaufen, teilte die Städteregion Aachen mit. Die Einsatzkräfte sollen bei Küchelscheid eingesetzt werden, einem belgischen Nachbarort Monschaus, wie ein Sprecher sagte.
Derzeit würden die für den grenzüberschreitenden Einsatz vorgesehenen Kräfte gesammelt. In Monschau selbst ist die Situation unter Kontrolle: Das Feuer sei etwa 1,5 Kilometer von der deutschen Grenze und 1,8 Kilometer von deutscher Bebauung entfernt.
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