
Nach Sanierung und Übernahme durch die Vienna Insurance Group will der Versicherer das Geschäft neu ausrichten und Minderheitsaktionäre abfinden.
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Die Nürnberger Versicherung geriet wegen hoher Kosten im Schaden- und Unfallgeschäft in eine Krise und verzeichnete 2024 einen Konzernverlust von 77 Millionen Euro bei einem Umsatz von 4,5 Milliarden Euro. Seit Mai 2026 gehört das Unternehmen zur Vienna Insurance Group (VIG) und bleibt als eigenständiges Unternehmen bestehen.
Nach der Sanierung setzt Vorstandschef Harald Rosenberger unter dem Mutterkonzern VIG auf längere Planungshorizonte und richtet das Geschäft neu aus. Worauf der neue Eigentümer Wert legt.
Zentrale der Nürnberger Versicherung: Seit Mai gehört das Unternehmen zur Vienna Insurance Group (VIG). Foto: NÜRNBERGER Versicherung
Die Nürnberger Versicherung will künftig verstärkt auf Kooperationen setzen und sich auf Produkte wie Berufsunfähigkeits-, betriebliche Kranken- und Rechtsschutzversicherungen konzentrieren.
Nach der Übernahme durch die Vienna Insurance Group (VIG) plant die Nürnberger eine Abfindung der Minderheitsaktionäre per Squeeze-out.
Die Banktochter Fürst Fugger Privatbank soll eine wichtigere Rolle bei der Ansprache vermögender Kunden spielen und bleibt im Konzern.
Die VIG unterstützt die Nürnberger mit Know-how und Investitionen in die IT-Modernisierung.
Die Zusammenfassung wurde mithilfe von KI erstellt und redaktionell geprüft.
Frankfurt. Nach Sanierung und Übernahme durch die Vienna Insurance Group (VIG) will die Nürnberger Versicherung das Geschäft neu akzentuieren. „Erst mussten wir das Unternehmen zukunftsfähig machen. Jetzt wollen wir wieder wachsen“, sagte Vorstandschef Harald Rosenberger dem Handelsblatt. Die Versicherungsgruppe werde dabei nicht mehr alle Produkte selbst gestalten, sondern verstärkt auf Kooperationen setzen.
Auch bei anderen Gesellschaften steigt der Druck, Geschäftsmodelle zu überdenken: „Viele Versicherer befinden sich derzeit in einer Optimierungsphase, in der sie sich überlegen müssen, wie sie sich für die nächsten zehn Jahre aufstellen wollen“, sagt Linklaters-Partner Thomas Broichhausen, der Versicherer bei Fusionen und Übernahmen berät. Eine Rolle spielten dabei Kostensenkungen, IT-Investitionen, die Steuerung der Kapitalanlagen und der Fokus im Neugeschäft.
Einige dieser Punkte beschäftigen auch die Nürnberger. Sie war wegen hoher Kosten im Schaden- und Unfallgeschäft in eine Krise geraten. 2024 stand unter dem Strich ein Konzernverlust von 77 Millionen Euro, bei einem Umsatz von 4,5 Milliarden Euro. Rosenberger startete eine umfassende Restrukturierung und beteiligte sich an der Suche nach einem neuen Eigentümer, der die Zukunft sichern soll.
Bereits 2025 kehrte die Nürnberger in die Gewinnzone zurück. Seit Mai 2026 gehört sie zur VIG-Gruppe und bleibt als eigenständiges Unternehmen bestehen. Branchenbeobachter sehen erste Restrukturierungserfolge. Ob die VIG zusätzliche Impulse setzt, zeige sich aber erst in ein bis zwei Jahren.
Minderheitsaktionäre sollen abgefunden werden
Rosenberger sieht als großen Vorteil, dass er das Ergebnis nicht mehr quartalsweise steuern müsse. Noch ist die Nürnberger börsennotiert. Per Squeeze-out sollen die verbliebenen Minderheitsaktionäre abgefunden und das Unternehmen vom Kurszettel genommen werden. Die außerordentliche Hauptversammlung dazu findet am 12. November statt.
Die Sanierung hält Rosenberger für weitgehend abgeschlossen: „In den vergangenen zwei Jahren haben wir uns von Geschäft getrennt, das nicht mehr in unser Risikoprofil und Portfolio passte.“ Zudem fielen 600 Stellen weg, vor allem durch natürliche Fluktuation und Aufhebungsvereinbarungen.
2024 hatte die Nürnberger das Ziel ausgegeben, bis 2026 wieder ein Ergebnis von 80 bis 100 Millionen Euro zu erreichen. Für dieses Jahr prognostiziert der Konzern nun 80 Millionen Euro und liegt damit im Korridor, auch dank geringer Naturkatastrophenschäden.
„Wir sind inzwischen so aufgestellt, dass wir auch bei normaler Schadenlast profitabel sind und unsere Ziele erreichen“, sagt Rosenberger. Ob und wann das 2023 als Mittelfristziel ausgegebene Konzernergebnis von über 100 Millionen Euro erreichbar ist, lässt er offen.
Mit neuen Produkten will die Nürnberger wachsen, aber kein Vollsortimenter mehr sein: „Wir konzentrieren uns auf das, was wir gut können, etwa auf Berufsunfähigkeits-, betriebliche Kranken- oder Rechtsschutzversicherung“, so Rosenberger. Mittelfristig sollen 70 bis 80 Prozent der Produkte „in Eigenproduktion“ entstehen.
„Wo wir nicht zur Spitzengruppe gehören, setzen wir auf Kooperationen“, ergänzt er. Generalagenten und Autohaus-Partner können dann weiter Produkte der Marke Nürnberger anbieten, das Risiko trägt aber ein anderer Versicherer.
Solche Kooperationen gibt es bereits in den Bereichen Risikoleben, Cyber und Managerhaftpflicht. Auch beim neuen staatlich geförderten Altersvorsorgedepot hält Rosenberger sie für denkbar.
Die VIG eröffnet zudem Chancen für eine Zusammenarbeit im Konzern. Naheliegend wäre eine Kooperation mit der Interrisk, der zweiten, deutlich kleineren VIG-Tochter in Deutschland. Ob es dazu Pläne gibt, kommentiert Rosenberger nicht.
Eine wichtigere Rolle soll die Fürst Fugger Privatbank spielen, die Banktochter der Nürnberger-Gruppe, die sich auf Kunden mit mindestens 250.000 Euro Vermögen konzentriert. „Auch viele unserer Vermittler kennen solche Kunden – darin sehen wir Potenzial im Vertrieb“, erklärt Rosenberger. Kooperationen zwischen Banken und Versicherern dürften bei Vorsorge und Vermögensplanung künftig noch wichtiger werden, meint er.
Gerüchte über einen Verkauf der Bank, die im Zuge der Übernahme durch die VIG aufgekommen waren, weist er hingegen zurück: „Es gab weder eine interne Prüfung noch Gespräche mit Interessenten.“ Sie bleibe integraler Bestandteil der Nürnberger-Gruppe.
Auf Unterstützung durch die Konzernmutter setzt Rosenberger bei der IT-Modernisierung. Die VIG werde Know-how und ein „signifikantes“ Investment beisteuern. Laut den Unterlagen zum Squeeze-out sind 240 Millionen Euro nötig, weil veraltete Bestandsführungssysteme innerhalb von vier bis sieben Jahren abgelöst werden müssen.
Die VIG hat ihre eigenen Erwartungen. Konzernchef Hartwig Löger hat bereits skizziert, dass die Nürnberger ihre Expertise bei Berufsunfähigkeitsversicherungen in die Gruppe einbringen soll. Letztlich wird sich Rosenberger aber vor allem daran messen lassen müssen, ob sich das Investment in Deutschland für den österreichischen Konzern auszahlt.
AI outlook — possibilities, not facts
Die außerordentliche Hauptversammlung am 12. November beschließt den Squeeze-out und die Nürnberger wird vom Kurszettel genommen.
Likely · Within weeks
Die VIG investiert in die IT-Modernisierung der Nürnberger, um veraltete Bestandsführungssysteme innerhalb von vier bis sieben Jahren abzulösen.
Very likely · Within years

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