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Wandelanleihen: Emissionsboom bei speziellen Zinspapieren – Wie Konzerne ihre Schuldenlast drücken
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Handelsblatt1 hour agoBusiness4 min readGermanyView translation

Wandelanleihen: Emissionsboom bei speziellen Zinspapieren – Wie Konzerne ihre Schuldenlast drücken

Weltweit steuert das Volumen neuer Wandelanleihen auf einen Rekord zu. Für Unternehmen sind die Papiere als Instrument zur Finanzierung attraktiv, doch Aktionäre fürchten Verwässerungseffekte.

Quick Look

  • Unternehmen nutzen verstärkt Wandelanleihen zur günstigen Finanzierung in einem Hochzinsumfeld.
  • Mit weltweit fast 203 Mrd.
  • Dollar Volumen wird ein Rekord erreicht, während Experten vor Verwässerungsrisiken für Aktionäre bei Bezugsrechtsausschluss warnen.

AI-generated summary

Why It Matters

Wandelanleihen erlauben Unternehmen eine Finanzierung mit niedrigen Zinskupons, da Investoren auf Kursgewinne bei Wandlung in Aktien spekulieren.

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Frankfurt. Hohe Zinsen machen die Finanzierung teuer – und Wandelanleihen für Unternehmen zunehmend attraktiv. Der Halbleiter-Zulieferer Aixtron hat mit den speziellen Zinspapieren 450 Millionen Euro eingenommen. Die Deutsche Börse sogar 600 Millionen Euro. Und die Nachfrage nach Wandelanleihen von Vonovia war kürzlich so groß, dass Deutschlands größter Vermieter das ausgegebene Volumen von angepeilten 750 Millionen Euro auf 850 Millionen Euro aufgestockt hat.

Wandelanleihen sind Schuldtitel, bei denen Investoren das Recht haben, sie in Aktien zu wandeln, wenn der Kurs eine bestimmte Schwelle überschreitet. Das komplexe Finanzierungsinstrument gehört für viele börsennotierte US-Unternehmen zum Standardrepertoire, auch in Asien ist es verbreitet.

In Europa sind Wandelanleihen noch immer eine Nische – doch eine, die sich in den Finanzabteilungen deutscher Konzerne immer größerer Beliebtheit erfreut. Und nun könnte ein riskanter Trend aus dem US-Markt auch hierzulande Einzug halten.

Weltweit steuert das Volumen neu begebener Wandelanleihen auf einen Rekord zu: Mit knapp 203 Milliarden Dollar aus 278 Deals liegt das Volumen der Zinspapiere laut der US-Investmentbank Jefferies über dem bisherigen Höchstwert von 2021. Damals betrug das Emissionsvolumen von Wandelanleihen rund 187 Milliarden Euro.

Auch in Deutschland ist der Markt aktiv: So beobachtet Alexander Schlee, Partner und Experte für Kapitalmarktrecht bei Linklaters, einen „Boom bei Wandelschuldverschreibungen“. Allein im ersten Halbjahr seien in Deutschland doppelt so viele Wandelanleihen begeben worden wie im gesamten Jahr 2025. Und ein Ende des Trends sei nicht erkennbar. „Die Pipeline ist sehr gut gefüllt.“

Karsten Wöckener, Deutschlandchef und Experte für Kapitalmarktrecht bei White & Case, bestätigt: „Wandelanleihen erleben derzeit eine Renaissance.“ Das zeigten nicht zuletzt die jüngsten Transaktionen von Aixtron und der Deutschen Börse, die zum allerersten Mal solche Wertpapiere begeben haben.

Der wichtigste Grund für den Emissionsboom – global wie in Deutschland – ist das veränderte Zinsumfeld. So erläutert Dominik Gansloser, Leiter des Bereichs strukturierter Eigenkapitallösungen bei Jefferies in Deutschland: „Im aktuellen Umfeld mit länger anhaltenden, höheren Zinsen wägen immer mehr Unternehmen ab, wie sie sich finanzieren.“

Wandelanleihen können Zinskosten sparen

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe beträgt derzeit knapp 3,4 Prozent. Noch vor zwölf Monaten lag sie bei 2,6 Prozent. Die Zinsbelastung von Unternehmen orientiert sich an der Rendite der Bundesanleihe – zuzüglich eines unternehmensspezifischen Risikoaufschlags.

Das bedeutet: Die Ausgabe von klassischen Anleihen sei inzwischen mit erheblichen Ausgaben für Zinsen verbunden. „Mit Wandelanleihen lassen sich dagegen signifikant Zinskosten einsparen“, so Gansloser.

Die Ersparnis kommt durch das Wandlungsrecht. Unternehmen begeben Wandelanleihen regelmäßig mit einem Zinskupon von unter einem Prozent. Meist zahlen Unternehmen zum Laufzeitende etwas mehr als das ausstehende Nominalvolumen zurück, sodass die Zinszahlung faktisch erst am Ende der Laufzeit fällig wird.

Zinsen und Rückzahlung des Nominalwerts entfallen ganz, wenn der Aktienkurs über den Schwellenwert der Wandlungsoption steigt und die Investoren ihre Papiere in Anteile umtauschen. Dieser Wert liegt meist zwischen 30 und 40 Prozent über dem Aktienkurs bei Emission der Anleihe.

Daher unterstreicht auch Linklaters-Experte Schlee: „Für Unternehmen sind Wandelanleihen eine gute Möglichkeit, die Schuldenlast zu senken.“ Daher seien viele Immobilienunternehmen unter den Emittenten, aber auch Technologiefirmen wie Chiphersteller.

Zusätzlich verstärkt wird der Emissionsboom durch die hohe Nachfrage der Investoren. Patrick Kindler, der ebenfalls im Bereich strukturierte Eigenkapitallösungen bei Jefferies arbeitet, erläutert: 2025 und 2026 haben sich Marktindizes von Wandelanleihen sehr positiv entwickelt. Das ziehe weitere Investoren an. „Insgesamt steht deutlich mehr Kapital zur Verfügung, als es Anlagemöglichkeiten gibt“, beobachtet Kindler. „Daher sind Neuemissionen häufig mehrfach überzeichnet.“

Sein Kollege Gansloser von Jefferies bestätigt: „Derzeit herrschen goldene Zeiten für Wandelanleiheinvestoren.“ Die Zinspapiere bieten Investoren die Aussicht auf eine kleine Verzinsung und können gleichzeitig vom Aufwärtspotenzial einer Aktie profitieren. „Je weiter der Aktienkurs über den Wandlungspreis steigt, desto stärker folgt die Wandelanleihe in der Regel der Aktienkursentwicklung“, erläutert der Investmentbanker.

Gleichzeitig sei das Verlustrisiko im Vergleich zur Aktie jedoch begrenzt, führt Linklaters-Experte Schlee aus. „Das Instrument bietet eine Absicherung nach unten, da die Emittentin den Investoren das eingesetzte Kapital am Endfälligkeitstag zurückzahlt, wenn der Kurs unter dem Wandlungspreis bleibt.“

Wandelanleihen böten Investoren daher „das Beste aus zwei Welten“, fügt Kindler hinzu: das Aufwärtspotenzial einer Aktie und die Absicherung einer Anleihe.

Allerdings sind der Emission von Wandelanleihen rechtliche Grenzen gesetzt, erläutert Kapitalmarktrechtler Schlee. „Sie sind eine Form der Kapitalerhöhung.“ Jedes Jahr werde auf der Hauptversammlung das sogenannte bedingte Kapital festgelegt. Das sei der Spielraum, den Unternehmen für Kapitalerhöhungen hätten, ohne dass dafür eine Hauptversammlung einberufen werden müsse. Das bedingte Kapital sei typischerweise auf zehn Prozent des Grundkapitals der Gesellschaft beschränkt, führt Schlee weiter aus.

Kleinaktionäre bleiben außen vor

Daher findet der Emissionsboom bei Wandelanleihen auch nicht uneingeschränkt Anklang bei den Aktionären der Unternehmen, die das Instrument nutzen. Die Papiere werden meist unter Ausschluss der Bezugsrechte begeben. Das bedeutet, dass bestehende Aktionäre die Papiere nicht zeichnen können. Ohnehin richten sich die Instrumente mit einer Mindestanlagesumme von typischerweise 100.000 Euro ausschließlich an institutionelle Investoren.

Jefferies-Banker Kindler bestätigt: „Wenn Unternehmen Wandelanleihen begeben, führt das oft zu Diskussionen mit den Aktionären.“ Der Grund: „Wenn Unternehmen bei der Emission das Bezugsrecht bestehender Aktionäre ausschließen, können ihre Anteile bei einer späteren Wandlung der Anleihen in neue Aktien verwässert werden.“

Trotzdem überwiegen aus Sicht der Jefferies-Banker die Vorteile: Denn wenn die Anleihen gewandelt werden, sei der Aktienkurs des Unternehmens je nach Schwelle um mindestens 30 gestiegen. Zwar halten die Aktionäre durch die Verwässerung einen leicht geringeren Anteil am Unternehmen. Doch durch den gestiegenen Kurs würden sie mehr als kompensiert.

Ein weiterer Vorzug von Wandelanleihen ist aus Sicht von Gansloser: Unternehmen seien bei der Verwendung der eingeworbenen Mittel flexibel: „Sie können ins operative Geschäft investieren, Akquisitionen finanzieren oder bestehende Verbindlichkeiten refinanzieren.“ Das verspreche weiteres Wachstum und steigende Kurse.

In den USA sei es zudem üblich, dass häufig schon bei der Platzierung der Wandelanleihe ein Großteil des Erlöses für einen Aktienrückkauf vorgesehen werde, berichtet Gansloser. Faktisch wird damit der Aktienkurs mit geliehenem Geld kurzfristig gestützt und durch die Ausgabe neuer Anteile in der Zukunft finanziert.

Gansloser betont: „In Europa ist das selten; hier nutzen Emittenten eher Teile des Erlöses, um über die Laufzeit der Anleihe eigene Aktien zurückzukaufen.“ Doch ein hochrangiger Banker einer anderen US-Investmentbank bestätigt, dass auch in den Finanzabteilungen deutscher Konzerne das Interesse an dieser riskanten und unorthodoxen Finanzierung von Aktienrückkäufen wächst.

Open Questions

  • Wie entwickeln sich die Aktienkurse nach der Wandlung langfristig?
  • Wird die Praxis der aktienrückkauffinanzierten Wandelanleihen in Deutschland zunehmen?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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