
Globale Lieferengpässe, politische Spannungen und Raffinerieausfälle treiben die Dieselpreise in Deutschland in die Höhe.
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Diesel ist in Deutschland trotz geringerer Energiesteuer teurer als Benzin, was ein inverses Preisverhältnis darstellt. Globale Raffineriekapazitäten sind durch kriegsbedingte Schäden und Sanktionen stark eingeschränkt.
Als Fahrer eines Autos mit Dieselmotor hatte man zuletzt allen Anlass, sich zu beklagen. In normalen Zeiten gibt es eine Art Deal: Ein Dieselfahrer zahlt mehr für das Auto, dafür ist der Kraftstoff dann billiger. Über die Jahre rechnet sich das. Nur sind die Zeiten nicht normal: Seit Juli ist in Deutschland nahezu durchgehend ein sogenanntes inverses Kraftstoffpreis-Verhältnis zu beobachten: Obwohl Diesel mit rund 20 Cent weniger Energiesteuer belastet wird als Benzin, ist der Endverbraucherpreis an der Tankstelle höher.
Auch nach Einführung des Tankrabatts hat sich daran nicht viel verändert. Der Preis für Super E10 sank am ersten Tag an manchen Tankstellen unter zwei Euro, der Preis des niedriger besteuerten Diesel blieb hartnäckig darüber. Auch jetzt am Freitag und Samstag blieb Diesel deutlich teurer als Super E10.
Wer die politischen Entwicklungen in aller Welt verfolgt, dem ist außerdem aufgefallen: Diesel hat sich von einem schnöden Tankstellenprodukt, über das sich außerhalb der Mineralölbranche kaum jemand Gedanken macht, zu einem Gegenstand intensiver politischer Aufmerksamkeit entwickelt.
So war es US-Präsident Donald Trump, der den Dieselpreis für den Wahlkampf entdeckte. Vor den Midterm-Wahlen in den USA hält er es für unvorteilhaft, wenn Autofahrer an den Tankstellen Rekordpreise berappen müssen. Seine Lieblingsidee: ein US-Exportverbot für Diesel. Das Kalkül dahinter: Wenn die Amerikaner viel Diesel produzieren, aber nicht ausführen dürfen, sinkt der Preis im Inland und steigt im Ausland.
Trump drohte Europa, das US-Exportverbot komme, wenn die Europäer nicht ihre strategischen Reserven freigäben. Offenbar mit Erfolg: Am Freitag kam die Meldung aus Brüssel, die G7-Staaten stellten bis zu 100 Millionen Fass Öl und Diesel zur Verfügung. Ausgeschlossen ist nicht, dass Trump trotzdem ein Exportverbot verhängt. Aber die Wahrscheinlichkeit ist gesunken.
Verschärft hatte die Lage Russland. Nachdem die Ukraine russische Raffinerien mit Drohnen angegriffen hatte, hatte Präsident Wladimir Putin im Juli ein Exportverbot verhängt, das gerade verlängert wurde. Auch wenn viele Länder wegen der Sanktionen kein Diesel mehr aus Russland bezogen, spürte man die Verknappung am Weltmarkt in Form höherer Preise.
Die Ankündigung der Öffnung der strategischen Reserven hat den Börsenpreis für Diesel nun fallen lassen. Analysten erklären das so: Für die Preisbildung berücksichtige man die Bestände in kommerziellen Lagern, aber nicht die in den strategischen. Es gibt jetzt also mehr verfügbaren Diesel. Die Freigabe dürfte kurzfristig die physische Marktenge lindern und die Preisreaktion dämpfen. Sie beseitigt jedoch nicht die zugrunde liegenden Ursachen der Knappheit.
Das alles führt zu der Frage, wie ernst es um die Diesel-Versorgung bestellt ist. Drohen echte Engpässe, wenn die Lager geräumt sind? Dazu ein Blick auf die Zahlen. Gasöl ist der Rohstoff für Diesel. Von solchen Ölprodukten wurden früher fünf Millionen Fass je Tag durch die Straße von Hormus transportiert. Mit denen gibt es jetzt Schwierigkeiten. Hinzu kommen kriegsbedingte Schäden. In Russland dürften nach Schätzungen der Landesbank Baden-Württemberg 1,5 bis zwei Millionen Barrel (Fass zu 159 Liter) je Tag an Raffineriekapazität ausgefallen sein, im Nahen Osten weitere zwei bis 2,5 Millionen Barrel je Tag.
Raffinerien überall auf der Welt sind daher stärker ausgelastet und können höhere Preise verlangen. Der Crack-Spread, der Preis für das Umwandeln eines Barrel Rohöl in ein Barrel Gasöl, ist von 20 Dollar auf zeitweise mehr als 100 Dollar gestiegen, bevor er wieder etwas nachgab.
Das alles spürt man in Deutschland. Zwar bezieht Deutschland heute kaum noch Diesel aus Russland. Aber die Verknappung auf dem Weltmarkt treibt den Preis. Die Vereinigten Staaten dagegen spielen unmittelbar eine Rolle: Gut fünf Prozent des deutschen Bedarfs sollen aus den USA kommen. Wenn Trump den Dieselhahn zudrehen sollte, könnte Diesel sich um 20 bis 25 Prozent verteuern, schätzt die Commerzbank.
Beobachter halten physische Engpässe jedoch für eher unwahrscheinlich. Dafür gibt es drei Argumente. Erstens gibt es erhebliche Lagerbestände. Zweitens haben auch die Raffinerien hierzulande, angeregt durch den hohen Preis, die Dieselproduktion gesteigert. Und drittens gehört Deutschland zu den Regionen, die, wenn es eng wird, relativ viel für Diesel zahlen könnten. Das spricht dafür, dass im ungünstigsten Fall Diesel aus ärmeren Teilen der Welt hierher umgeleitet wird.
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Diesel könnte sich bei einem US-Exportverbot um 20 bis 25 Prozent verteuern.
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