
Während Deutschland 2024 in der Rezession steckte, wuchs die polnische Wirtschaft um drei Prozent – auch 2025 setzte sich der Trend fort.
AI-generated summary
Polen verzeichnet seit 40 Jahren das schnellste Wirtschaftswachstum in Europa. Rund 6.000 deutsche Unternehmen sind in Polen aktiv und haben 50 Milliarden Euro direkt investiert. Der Artikel vergleicht die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beider Länder, insbesondere Steuern, Bürokratie und digitale Verwaltung.
"Polen ist die am schnellsten wachsende Wirtschaft in Europa, seit mittlerweile 40 Jahren", erklärt der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Marcin Piątkowski von der Kozminski-Universität Warschau. Die Zahlen untermauern das: Während Deutschland 2024 in einer Rezession feststeckte, wuchs die polnische Wirtschaft um satte drei Prozent.
Auch 2025 setzte sich dieser Trend fort - während die deutsche Wirtschaft gerade mal um 0,2 Prozent wuchs, beschleunigte Polen auf ein Wachstum von 3,6 Prozent.
Bürokratie-Flucht: Warum deutsche Firmen abwandern
Diese Dynamik zieht auch immer mehr deutsche Betriebe an. Rund 6.000 deutsche Unternehmen sind mittlerweile in Polen aktiv und haben dort rund 50 Milliarden Euro direkt investiert - Geld und Innovationskraft, die am Standort Deutschland fehlen.
Ein Beispiel für diesen Wandel ist der hessische Traditionsbetrieb Dr. Schumacher. Die Firmenzentrale liegt zwar noch in Hessen, doch das Herz der Produktion schlägt im polnischen Lubań. 1.200 Mitarbeiter produzieren dort bis zu 500 Millionen Packungen Feucht- und Desinfektionstücher für Weltmarken.
Einer der Hauptgründe für den Erfolg vor Ort ist das Tempo. "Wenn die Nachfrage hochgeht und ich brauche eine Halle, dann muss ich das innerhalb von ein bis anderthalb Jahren umsetzen können und kann nicht erst drei Jahre auf die Genehmigung warten", betont Geschäftsführer Paul Stanek. In Polen könne man schlicht weitaus wettbewerbsfähiger agieren als in der Heimat.
Der "Wachstumschampion" punktet mit Fleiß und Qualität
Wirtschaftsökonom Piątkowski hat dem Phänomen ein Buch gewidmet und nennt Polen den neuen "Wachstumschampion Europas". Der entscheidende Unterschied zu früher: Investoren kommen heute nicht mehr nur wegen niedriger Löhne, sondern wegen der hohen Qualität der Arbeitskräfte und des enormen Leistungswillens.
"Seit 1990 hat sich das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen in Polen fast vervierfacht. In Deutschland ist es im gleichen Zeitraum nur um die Hälfte gestiegen", so Piątkowski.
Dennoch werde im Nachbarland gearbeitet wie kaum woanders: Ein durchschnittlicher Pole arbeite statistisch bis zu 600 Stunden pro Jahr mehr als ein Deutscher, so der Wirtschaftsökonom. Investoren berichten immer wieder, dass die Menschen hier "hungrig" seien und unbedingt vorwärts kommen wollten.
Steuervorteile statt Bürgergeld
Polen setzt zudem auf völlig andere Arbeitsmarktanreize als Deutschland. Ein staatliches System wie das deutsche Bürgergeld gibt es nicht. Stattdessen belohnt der Staat diejenigen, die arbeiten, mit Steuererleichterungen. Das hilft auch heimischen Firmen wie dem Online-Riesen Allegro, der sich im eigenen Land sogar gegen den US-Giganten Amazon durchgesetzt hat.
Besonders junge Menschen profitieren: Arbeitnehmer bis 26 Jahre zahlen in Polen keinen einzigen Cent Einkommensteuer - bis zu einer Grenze von rund 20.000 Euro im Jahr. In Deutschland hingegen bittet der Fiskus Berufseinsteiger in diesem Alter längst zur Kasse. Laut Piątkowski ist diese radikale Steuerbefreiung ein Hauptgrund dafür, dass Polen heute eine der drei niedrigsten Arbeitslosenquoten in der gesamten Europäischen Union vorweist.
Derzeit diskutiert Polen einen Gesetzesentwurf, um auch Familien mit mindestens zwei Kindern kräftig zu entlasten. Wenn beide Elternteile berufstätig sind und gleich viel verdienen, könnte demnach das Familieneinkommen bis zu einer Grenze von zirka 65.000 Euro im Jahr steuerfrei bleiben.
Zudem lockt das Land beim privaten Immobilienkauf: Wer zum ersten Mal im Leben Eigentum erwirbt, ist komplett von der Grunderwerbsteuer befreit, was jungen Familien den Vermögensaufbau erheblich erleichtert, berichtet der Immobilienmakler David Lis.
Zukunft in Deutschland? Lieber zurück nach Polen
Diese Bedingungen zeigen Wirkung. Unterstützt durch eine gezielte Rückholkampagne der polnischen Regierung dreht sich die Wanderungsbewegung zwischen den beiden Ländern um. Im Jahr 2024 kehrten knapp 91.000 Menschen Deutschland den Rücken, um nach Polen zu ziehen. In die Gegenrichtung wanderten nur 82.000 Menschen aus. Unter dem Strich verliert Deutschland in nur einem Jahr 9.000 Menschen an Polen.
"Mittlerweile kann man in Warschau mit einem anständigen Gehalt rechnen und auf einem guten Niveau leben", berichtet der Jurist Philip Panek, der in Deutschland aufgewachsen ist und studiert hat, nun aber in einer Warschauer Kanzlei arbeitet.
Auch Joanna Stolarek, die zuvor 30 Jahre in Berlin lebte und nun in Warschau arbeitet, zog wegen der Anreize zurück: "Die Steuererleichterungen sind Teil dieser Kampagne. Vier Jahre lang werden jeweils 20.000 Euro bei der Steuererklärung erlassen. Das ist ein Argument."
Digital statt kompliziert: Behördengänge in Polen
Neben den finanziellen Anreizen lockt vor allem die digitale Leichtigkeit. Polen hat die deutsche "Faxphase" in der Verwaltung schlicht übersprungen. Über eine Regierungsapp auf dem Smartphone lässt sich vieles regeln: Identifikation bei Ämtern, Banken und Notaren, Firmengründungen, digitale Rezepte oder Kontoeröffnungen laufen papierlos.
Lars Gutheil, Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer (AHK) in Warschau, sieht darin einen klaren Standortvorteil: "Sämtliche Verwaltungsvorgänge - den größten Teil jedenfalls - kann man heute komplett digital abwickeln. Ich würde sagen, dass Polen uns in diesem Bereich sicherlich ein Jahrzehnt mindestens voraus ist."
Infrastruktur im Rekordtempo: Alles in einer Hand
Dasselbe gilt für die Infrastruktur. Während Deutschland in den letzten Jahren versäumt hat, ausreichend zu investieren, hat Polen das im Rekordtempo getan. Allein das Fernstraßennetz wurde in den vergangenen zwei Jahrzehnten um mehr als 4.000 Kilometer erweitert.
Ermöglicht wurde dies durch spezielle Gesetze. Während Deutschland beispielsweise die Planung und den Bau in zwei getrennten, langwierigen Ausschreibungen vergibt, fasst Polen das in einem einzigen Verfahren zusammen.
"Wer die Ausschreibung gewinnt, macht beides: Er plant und baut und holt auch die Genehmigungen ein - alles in einer Hand. Dann kann vieles parallel erfolgen, das spart Bürokratie und Zeit", erklärt Jędrzej Puzynski von der polnischen Straßen- und Autobahndirektion (GDDKiA).
Große Zukunftspläne
Und der Expansionskurs geht weiter: Aktuell plant das Land den Bau eines Großflughafens zwischen Warschau und Łódź, der als wichtige Nord-Süd-Schiene für die Europäische Union fungieren soll. Für das Megaprojekt hat die Regierung das Motto "100 Minuten" ausgerufen. "Das bedeutet: 100 Minuten per Zug, egal wo ich in Polen wohne, soll es maximal dauern, um zu diesem Flughafen zu kommen", erklärt AHK-Chef Gutheil.
Dafür wird im gesamten Land die Schieneninfrastruktur radikal modernisiert. Eine moderne Infrastruktur, hohe Digitalisierung, weniger Bürokratie und niedrigere Steuern - Polens Erfolgsrezept liefert auch für Deutschland reichlich Stoff zum Nachahmen.
AI outlook — possibilities, not facts
Weitere deutsche Unternehmen werden ihre Produktion oder Investitionen nach Polen verlagern.
Likely · Within months
Die Wanderungsbewegung von Deutschland nach Polen wird sich fortsetzen.
Likely · Within months
Polen wird den Bau des Großflughafens zwischen Warschau und Łódź vorantreiben.
Possible · Within years

The Dax group Merck is selling its US business with the contract manufacturing of active ingredients to the Swiss Lonza for a mid-three-digit million sum. Around 1,100 jobs are affected.
According to media reports, Volkswagen has significantly lowered the hurdles for bonus payments to the board of directors. For the full bonus in terms of return on sales, 3.8 percent is now sufficient instead of the previous 5.8 percent. This is in contrast to the group's tough austerity measures.

There is nervousness on Wall Street ahead of the US midterm elections. The article sheds light on why parts of the financial markets want the Democrats to win despite possible tax increases and which scenario historically performs best.

The DAX fell by one percent to 25,710 points in early trading. In addition to new US military attacks in Iran and the US midterm elections, corporate balance sheets from Apple, Lufthansa and Bayer are determining events on the markets.

Palantir's quarterly profit rose 49 percent year-over-year to $1.13 billion. The rapid growth is particularly driven by strong US business and government contracts.

The automotive supplier Schaeffler is closing four locations worldwide, all of them in Germany, and cutting 3,460 jobs. The goal is annual savings of 300 million euros from 2030. IG Metall sharply criticizes the plans.