Breaking
VNC04 destroyed a drug transport network at sea, seizing 1.16 tons of ketamine worth 800 billion VNDDEReactions to the AfD election victory in Saxony-Anhalt: Political debates and security concernsBREmdec workers go on strike on September 7th in CampinasVNThe victim recounted the moment he escaped death in a hotel fire in Ho Chi Minh CityITTim: CEO Labriola and top management join Poste Italiane's takeover bidJP1,355 dead and 4,996 missing in Nepal mudslide disaster puts Prime Minister's response to the testUKArsenal's David Raya says Premier League win has boosted team confidenceRUThe expert warned about the risks of transferring data about valuables in the house to artificial intelligencePLBerek met with the Speaker of the Sejm regarding the oath of office of a Constitutional Tribunal judgeARRhiannon and Sam: How they turned hair loss due to breast cancer into strength and confidenceVNC04 destroyed a drug transport network at sea, seizing 1.16 tons of ketamine worth 800 billion VNDDEReactions to the AfD election victory in Saxony-Anhalt: Political debates and security concernsBREmdec workers go on strike on September 7th in CampinasVNThe victim recounted the moment he escaped death in a hotel fire in Ho Chi Minh CityITTim: CEO Labriola and top management join Poste Italiane's takeover bidJP1,355 dead and 4,996 missing in Nepal mudslide disaster puts Prime Minister's response to the testUKArsenal's David Raya says Premier League win has boosted team confidenceRUThe expert warned about the risks of transferring data about valuables in the house to artificial intelligencePLBerek met with the Speaker of the Sejm regarding the oath of office of a Constitutional Tribunal judgeARRhiannon and Sam: How they turned hair loss due to breast cancer into strength and confidence
BackWie der Klimawandel deutschen Wein verändert
Wie der Klimawandel deutschen Wein verändert
NEWS
Handelsblatt35 minutes agoBusiness5 min readGermany

Wie der Klimawandel deutschen Wein verändert

Die Hitze stellt Winzer vor Herausforderungen, eröffnet aber auch neue Chancen: Deutsche Spätburgunder und Chardonnays gewinnen international an Bedeutung und bieten hohe Qualität zu wettbewerbsfähigen Preisen.

Quick Look

  • Der Klimawandel zwingt deutsche Winzer zur Anpassung durch biodynamische Methoden und Dichtpflanzungen.
  • Während Hitze und Trockenstress die Arbeit erschweren, profitieren Burgundersorten von den veränderten Bedingungen, was deutsche Weine international konkurrenzfähig macht.

AI-generated summary

Why It Matters

Der Klimawandel führt in Deutschland zu höheren Temperaturen, was den Anbau von Burgundersorten begünstigt, aber gleichzeitig Trockenstress für Reben verursacht.

Font size

Die Hitze schadet deutschen Winzern – und verschafft ihnen zugleich einen überraschenden Vorteil. Auch Verbraucher profitieren davon, weil sie nun manche Spitzenweine günstiger bekommen.

München. „Die Flut hatte uns so ziemlich alles genommen, was wir für unsere Weine brauchen“, sagt Meike Näkel. Viele Tanks, Fässer und Pressen der Winzerin von der Ahr waren zerstört, nicht mal Traubenscheren oder Eimer seien übrig geblieben. „Natürlich haben wir uns kurz gefragt, ob es das war“, sagt Näkel. „Aber Aufgeben stand nie wirklich zur Debatte, also hieß es: Aufstehen und weitermachen.“

So erlebte die Inhaberin des Weinguts Meyer-Näkel in Dernau an der Ahr vor fünf Jahren die Jahrhundertflut in ihrer Heimat. Dabei hatte die Winzerin im Juli 2021 Glück im Unglück. „Wir haben überlebt, nicht weit weg von uns starben Menschen in den Fluten.“

Heute sind die Zerstörungen von damals kaum mehr sichtbar. Wer sich mit Menschen im Ahrtal unterhält, bemerkt aber schnell: Es gibt für die Bewohnerinnen und Bewohner des Tals eine Zeitrechnung vor und nach der Flut.

Meike Näkel und ihre Familie hat die Katastrophe demütiger gemacht: „Wir müssen immer mit der Natur und nicht gegen sie arbeiten.“ Menschen in ganz Deutschland hat die Flut auf dramatische Weise gezeigt, welche Folgen der Klimawandel haben kann. Doch Landwirte und Winzer brauchen keine Naturkatastrophen, um das zu verstehen. Sie spüren den Klimawandel jeden Tag, in Form von Hitze, mehr schweren Gewittern, späten Frösten und Hagel. „Uns bleibt nichts anderes übrig, als uns mit dem Wetter zu arrangieren“, sagt Meike Näkel.

Gleichzeitig erlaubt der Klimawandel deutschen Winzern, andere Weine zu machen als noch vor 20 Jahren. „Deutschland wurde bislang immer für seinen Riesling beneidet“, sagt die Autorin und Weinkritikerin Caro Maurer. „Nun kommen auch andere Weine international ins Gespräch.“

Doch wie genau bestellen Winzerinnen und Winzer ihre Weinberge in Zeiten des Klimawandels? Welche ihrer Weine begeistern internationale Weinfans mittlerweile?

„Trockenstress“ als Bedrohung für Winzer

Jochen Dreissigackers Weinberge vom gleichnamigen Weingut in Rheinhessen liegen fernab von Flüssen. Der Mittvierziger hat ein anderes Problem: die Hitze. Seine Heimatgemeinde Bechtheim liegt im Wonnegau ganz im Süden Rheinhessens und gehört mit zu den wärmsten Gegenden Deutschlands, in denen Wein angebaut wird.

„Glücklicherweise ist der Klimawandel ein langwieriger Prozess, und wir konnten uns vorbereiten“, sagt der Winzer. Denn die Hitze und der Wassermangel – Winzer verwenden hier das bildhaftere Wort „Trockenstress“ – machen vor allem den Rieslingstöcken zu schaffen.

Dreissigacker setzt auf Hilfe aus der Natur. Er hat seinen Betrieb bereits vor 20 Jahren auf biologische Landwirtschaft und vor fünf Jahren auf biodynamische Landwirtschaft umgestellt. Dreissigacker und auch seiner Kollegin Näkel, die, wie sie sagt, auch „biodyn unterwegs“ ist, geht es darum, ihre Böden lebendig zu halten und Pflanzenschutz, ganz gleich ob chemisch oder natürlich, weitestgehend zu vermeiden.

Lebendiger Boden trocknet langsamer aus

Ganz konkret setzt Dreissigacker dabei auf selbst hergestellten Kompost aus dem Trester des vergangenen Jahres – also den festen Rückständen, die nach dem Auspressen der Trauben übrig bleiben – sowie aus Tonerde, Kuhmist, Gesteinsmehl, Grünschnitt und Kohle. Diese Mischung wird fermentiert und ausgebracht. Sie sorgt dafür, dass im Boden der Weinberge mehr Mikroorganismen leben.

Ist mehr Leben im Boden, kann der Weinberg besser Wasser speichern und so die teilweise wochenlangen Trockenphasen im südlichen Rheinhessen problemlos überstehen. Wobei Dreissigacker noch vergleichsweise Glück hat, denn die Erde rund um Bechtheim kann Wasser länger speichern als die Schieferböden an der Ahr.

Der Winzer musste aber lernen, wie sich seine Arbeit ändert: „Früher haben wir unsere Weinberge und Reben entblättert, damit genügend Sonne auf einzelnen Beeren scheinen kann“, sagt er. Bis in die Neunziger mussten Winzer auch im warmen Rheinhessen immer hoffen, dass ihre Trauben reif werden.

Heute geht es darum, dass die Weine sich eine gewisse Frische bewahren. Das geht nur, indem die Beeren nicht überreif werden. Daher nutzen Dreissigacker und viele seiner Kollegen die Blätter der Rebstöcke als eine Art Sonnenschirme. Denn Beeren, die einen Sonnenbrand haben, ergeben keinen guten Wein.

„Man darf es aber mit dem Schatten nicht übertreiben“, sagt Dreissigacker. Wenn es dann doch einmal regnet, wirken die Blätter wie eine Jacke, die zwar dicht ist, die Trauben aber nicht atmen lässt. Und wenn es einmal feucht wird, ist die Gefahr groß, dass die Trauben faulig werden.

Den Reben Stress machen

Etwa zehn Kilometer weiter südlich bepflanzt Klaus Peter Keller aus Flörsheim-Dalsheim Weinberge, die höher liegen als die klassischen Lagen. Kellers bevorzugtes Gebiet ist das nahegelegene Zellertal, das rund 300 Meter über dem Meeresspiegel liegt und in dem stetig der Wind weht. „Das wirkt an heißen Tagen wie eine Klimaanlage“, sagt der Winzer.

Nicht wenige Kollegen staunten, als Keller vor einigen Jahren zum ersten Mal mit der sogenannten burgundischen Dichtpflanzung in Rheinhessen begann. Während auf einem Hektar Weinwerksfläche normalerweise 8000 bis 10.000 Rebstöcke stehen, hat er auf der gleichen Fläche 25.000 bis 35.000 Stöcke gepflanzt.

Keller will seinen Weinstöcken so positiven Stress machen, wie er sagt. „Reben sind wie Menschen“, so der Winzer, „wenn wir nicht gefordert werden, werden wir faul.“ Ein Rebstock, der keine Nachbarn hat, lässt seine Wurzeln nur knapp über der Oberfläche wachsen. Trocknet die Oberfläche aus, geht auch der Rebstock ein. Hat die Pflanze viele Nachbarn, muss sie ihre Wurzeln in die Tiefe treiben, wo auch im Sommer Wasser zu finden ist.

Ein Effekt, den sich nicht nur Winzer im Burgund zunutze gemacht haben, sondern der auch in den bekannten deutschen Steillagen wie an der Mosel oder bei Meike Näkel an der Ahr zu sehen ist. Bei ihr wurzeln die Rebstöcke zum Teil zehn Meter ins Schiefergestein hinein. Allerdings benötigen sie dafür viel Zeit.

Auch Klaus Peter Keller weiß bei seinen Dichtpflanzungen, dass sie in ihrer ganzen Pracht wahrscheinlich erst sein Sohn Felix in 20 oder 30 Jahren sehen wird. „Als Winzer arbeitet man immer für die nächste und übernächste Generation“, sagt er. Meike Näkel profitiert heute von der Weitsicht ihres Vaters. Er hat in den 1980ern die höheren Temperaturen offenbar vorausgeahnt und Spätburgunder gepflanzt.

Zwei Rebsorten profitieren vom Klimawandel

Der Klimawandel eröffnet den Winzern auch neue Chancen. Die Burgundersorten, vor allem Spätburgunder und Chardonnay, profitieren davon. Klaus Peter Keller pflanzt in der jüngeren Vergangenheit verstärkt diese beiden Rebsorten. Auch Jochen Dreissigacker setzt auf Chardonnay und Weißburgunder.

Die beiden von der Fachpresse hochdekorierten Winzer sind damit nicht allein. „Wir haben jetzt die klimatischen Bedingungen, die es im Burgund vor 60 Jahren gab“, sagt Keller. „Wenn wir heute ins Burgund fahren, ist das unser Blick in die Zukunft.“

Die Region im Osten Frankreichs gilt vielen Winzern seit Jahren als Vorbild. „Hierher stammen die aus Kritikersicht hochwertigsten und teuersten Chardonnays und Spätburgunder der Welt“, erklärt Weinkritikerin Maurer. Doch dort wird es inzwischen noch heißer und trockener als in Deutschland. „Spätburgunder oder, wie die Franzosen sagen, Pinot Noir, ist eine Diva unter den roten Rebsorten. Sie mag es warm, aber nicht heiß“, sagt die Expertin. Noch spiele das deutschen Winzern in die Karten, zumindest mit Blick auf die kommenden Jahrzehnte. Auch in Deutschland aber wird es immer heißer.

„Momentan finden Burgundersorten wie der anspruchsvolle Spätburgunder und der wesentlich genügsamere Chardonnay in vielen deutschen Regionen sehr gute Bedingungen“, sagt Sommelière und Autorin Paula Bosch. Vor allem wenn es darum gehe, Weine zu machen, die weniger Säure haben und sowohl gehaltvoll als auch schlank seien. „Winzer in Frankreich, vor allem im Burgund, machen sich immer mehr Sorgen, dass ihre Trauben zu reif und die Weine zu opulent werden“, sagt Bosch.

Ganz anders ist die Lage bei Meike Näkel: An der Ahr, die deutlich nördlicher als das Burgund liegt, können die roten Spätburgundertrauben inzwischen fast jedes Jahr voll ausreifen. „Vor 20 Jahren war das noch mit viel Hoffen und Bangen verbunden“, sagt die Winzerin.

Qualität wie in Frankreich, nur viel günstiger

„Mit der Reife steigt auch die Qualität“, sagt Caro Maurer. Schon im Mittelalter kultivierten Mönche aus dem Burgund den Spätburgunder im Rheingau, von dort breitete er sich in verschiedene deutsche Weinregionen aus. Lange Zeit aber fristete er ein Nischendasein. „Kaum ein Weinkenner sprach über deutschen Spätburgunder“, erinnert sich Sommelière Paula Bosch.

Erst in den 1980ern begannen einige Winzer wie Meike Näkels Vater Werner, die Badener Bernhard Huber und Franz Keller oder Paul Fürst aus Franken, Spätburgunder wie ihre Kollegen aus dem Burgund in kleinen Eichenholzfässern auszubauen, den sogenannten Barriques. Damit, so Maurer, sorgten sie auch in Frankreich für Aufsehen.

Die nächste Winzergeneration habe die Qualität noch einmal erhöht, meint die Weinkritikerin. Ihrer Ansicht nach sind heute einige deutsche Winzerinnen und Winzer auf dem besten Weg, zu ihren Kolleginnen und Kollegen in Frankreich aufzuschließen. In den einschlägigen Listen der von der Fachpresse am besten bewerteten deutschen Spätburgunder stehen neben den vier genannten Pionieren auch Güter wie Schlossgut Diel von der Nahe, Keller aus Rheinhessen, Knipser, Rings, Jülg oder Becker aus der Pfalz.

Spitzenniveau für relativ kleine Preise

„Deutscher Spätburgunder ist international gefragt, auch weil die burgundischen Spätburgunder im weltweiten Vergleich sehr teuer sind“, sagt Steffen Christmann, Präsident des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter. „Das liegt auch daran, dass das Burgund in den vergangenen Jahrzehnten einen regelrechten Hype erlebt hat“, so Paula Bosch. „Eine Flasche der Qualitätsstufe ‚Bourgogne Village‘, die mit dem deutschen Ortswein vergleichbar ist, kostet im Burgund bereits 30 Euro, oft auch deutlich mehr.“

Dieser Preisunterschied zeigt sich schon bei den Basisweinen. In der Spitzenklasse fällt er noch größer aus: Spitzen-Spätburgunder aus Deutschland sind bereits ab 50 Euro pro Flasche zu haben. „Das ist viel Geld, aber verglichen mit den Preisen, die für Lagen-Weine aus dem Burgund aufgerufen werden, wiederum sehr günstig“, sagt die Sommelière.

Für ihre Guts- und Ortsweine verlangen Winzer zwischen 15 und 25 Euro pro Flasche. „Schon auf diesem Preisniveau bekommt man Spitzenqualität“, sagt Kritikerin Maurer. Für sie ist die Reise der deutschen Winzer noch nicht zu Ende: „Auch deutscher Chardonnay kann sich inzwischen qualitativ mit der Konkurrenz aus Frankreich messen.“

Open Questions

  • Wie entwickeln sich die Wasserressourcen in den Weinregionen langfristig?
  • Wann erreichen die Dichtpflanzungen ihre volle Ertragsreife?

Related Topics

This article was originally published by Handelsblatt.

Related Stories

More on this topicklimawandel