
Der Rohstoff-Spezialist Dorfner aus der Oberpfalz nutzt KI, um den Abbau von Kaolin zu optimieren, neue Geschäftsmodelle zu erschließen und die Mitarbeiter aktiv in den Transformationsprozess einzubinden.
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Das Unternehmen Dorfner baut seit 130 Jahren Kaolin in Hirschau ab. Seit 2020 setzt das Unternehmen KI ein, um Prozesse zu optimieren und die Abhängigkeit vom Rohstoffabbau zu verringern.
Der Rohstoff-Spezialist Dorfner aus der Oberpfalz beweist, wie sich mithilfe von Künstlicher Intelligenz Beschäftigte motivieren, Laufzeiten verlängern und neue Geschäftsmodelle realisieren lassen.
Hirschau. 70 Meter tief geht es in den Tagebau in Hirschau. Auf 47 Hektar – einer Fläche von 66 Fußballfeldern – baut die Firma Gebrüder Dorfner hier weißes Kaolin ab. Das feine, eisenfreie Gestein dient vor allem als Rohstoff für Porzellan, Kosmetika, in der Papierindustrie und für besonders gut deckende Farbe.
Die Zentrale des 130 Jahre alten Unternehmens thront wie auf einer Insel im Abbaugebiet. Bedrohlich nah haben sich das West- und das Ostfeld an den Hauptsitz herangefressen.
Ewig wird man hier nicht abbauen können. Doch dank Künstlicher Intelligenz (KI) hat Dorfner es geschafft, das Kaolin effizienter zu nutzen und den Abbauprozess zu verlangsamen. Und das ist nicht der einzige positive Effekt, den Dorfner durch den Einsatz von KI erzielt hat.
Seit 2020 bedient sich das Unternehmen Künstlicher Intelligenz. So kann es mit weniger Rohstoffen auskommen und den Abbau der Lagerstätte um Jahrzehnte verlängern. Damit zeigt Dorfner, wie selbst ein Rohstoffunternehmen seine Zukunft und die seiner Beschäftigten mit KI gestalten kann – und sich der Betrieb Schritt für Schritt sogar von den Rohstoffen emanzipiert.
Früher wurde rund eine Million Tonnen Roherde pro Jahr abgebaut, diese Menge ist durch KI auf rund ein Drittel reduziert worden. Wichtiger aber sei, sagt Firmenchef Mirko Mondan: „Wir sind zugleich im Ergebnis und im Umsatz gewachsen.“
Dorfner baut vor allem Kaolin und Quarzsand ab, ungefähr im Verhältnis 1:4. Der Quarzsand wird in speziellen Verfahren veredelt, gefärbt und durch Zusätze konfektioniert, etwa für Bodenbeläge oder sehr beständige, polymerbasierte Küchenspülen, aber auch für medizinische Gläser und besonders hochwertige Glasbauten.
Doch als Mondan 2020 mitten in der Coronazeit zu Dorfner kam, funktionierten die Lieferketten nicht mehr, die Nachhaltigkeitsanforderungen waren gestiegen, und die Perspektive auf den Abbau vor Ort war begrenzt. Bislang hatte das Unternehmen nach dem Motto „Gleiche Produkte, gleiche Branchen, gleiche Strategie, nur mehr davon“ gehandelt, erinnert sich Reinhard Kräuter, Chef der Unternehmensentwicklung. „Der strategische Ansatz lag eher darin, im Ausland mehr Kunden zu gewinnen.“
Mondan, der zuvor zwei Start-ups gegründet und verkauft hatte, erkannte schnell, dass das Unternehmen nicht nur auf einem Rohstoffschatz sitzt, sondern auch auf einem Datenschatz. Im Unternehmen mit 300 Beschäftigten und 2025 rund 100 Millionen Euro Umsatz wurden über Jahrzehnte die Rezepturdaten in diversen Excel-Blättern gesammelt.
Dank KI bekamen die vielen Laboraufzeichnungen einen Sinn. Nun ist Dorfner bereits beim vierten Schritt, sagt der Leiter Anwendungstechnologie Coatings, Oliver Drum: „Wir müssen heute viel weniger Rezepturen in der Realität testen und können dank der KI sehr zielgenau überprüfen, wie die Eigenschaften ausfallen.“ Was früher Monate dauerte, bekommen die Kunden nun innerhalb weniger Tage.
Firmenchef Mondan rechnet vor, dass heute ein Drittel weniger Kaolin für das gleiche Farbergebnis eingesetzt wird. Das ist der Kern des neuen Modells: weniger Rohstoff, gleiche oder höhere Leistung – und damit eine längere Laufzeit der Lagerstätte. Innovationschef Tim Lüken ergänzt: „Meine Aufgabe ist, dass das 130 Jahre alte Unternehmen mindestens weitere 130 Jahre alt wird.“
Mondan sieht in der KI ein Werkzeug, um sich vom reinen Rohstoffanbieter zum Lösungsanbieter zu entwickeln. Strategiechef Kräuter plant eine weitere Internationalisierung: „Wir sind nicht mehr an die Lagerstätte gebunden, wir können die gleichen Funktionen weltweit bereitstellen.“
Friedrich Arnold, Geschäftsführer Digital bei der Firmengruppe Hörmann, lobt Mondans Pioniergeist. Andreas Liebl, Vorstandschef von Applied AI, betont, dass bei Dorfner alle motiviert mitmachen. Die Geschäftsführung setzt auf Befähigung statt auf Top-down-Anweisungen. Die Botschaft an die Belegschaft: KI bedroht nicht die Arbeitsplätze, sondern befähigt zu höheren Aufgaben.
Bislang habe das neue KI-gestützte Geschäftsmodell dazu beigetragen, dass man bei einem Einbruch von 40 Prozent im Markt für kalziniertes Kaolin in den vergangenen Jahren 30 Prozent gewachsen sei. In fünf Jahren, so Mondans Plan, „haben wir die KI voll materialisiert, den Kunden ihre Lieferkettenprobleme gelöst und sind eine regionale Arbeitgebermarke mit einer zukunftsgewandten Unternehmenskultur“.
AI outlook — possibilities, not facts
Umsatzsteigerung um 40 Prozent im Bereich Farben und Lacke bis 2030.
Likely · Within years

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