Wissenschaftler warnen vor Qualitäts- und Sicherheitsproblemen bei Nahrungsergänzungsmitteln mit Botanicals
Quick Look
- Eine Gruppe von Wissenschaftlern, Ärzten und Verbraucherschützern warnt in einem Brief an Bundesministerien vor erheblichen Qualitäts- und Sicherheitsproblemen bei Nahrungsergänzungsmitteln mit pflanzlichen, algen-, pilz- oder flechtenbasierten Inhaltsstoffen.
- Sie fordern eine behördliche Prüfung vor Markteintritt, kritisieren die aktuelle reine Registrierungspflicht beim BVL und verweisen auf über 30.000 angemeldete Produkte im Jahr 2025 sowie toxikologische Risiken und irreführende Gesundheitsversprechen.
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Why It Matters
In Deutschland müssen Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln mit Botanicals ihre Produkte lediglich beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in ein Register eintragen, ohne dass eine behördliche Prüfung vorgesehen ist. Experten kritisieren diese ungenügende Regelung und verweisen auf toxikologische Risiken sowie irreführende Gesundheitsversprechen.
Vor erheblichen Qualitäts- und Sicherheitsproblemen bei Nahrungsergänzungsmitteln mit sogenannten Botanicals warnt eine Gruppe von Wissenschaftlern, Ärzten und Verbraucherschützern. In einem Brief an die Bundesministerien für Landwirtschaft, Ernährung sowie Wirtschaft fordern die Experten, die ungeregelte Situation mit pflanzlichen, algen-, pilz- oder flechtenbasierten Inhaltsstoffen im Sinne des Verbraucherschutzes zu beenden.
Es bestehe dringender Handlungsbedarf, schreiben die Autoren in dem Brief, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die Gesundheit der Verbraucher sei in Gefahr. Vor Markteintritt müssen die Hersteller ihre Produkte lediglich beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in ein Register eintragen. Eine behördliche Prüfung sei aber nicht vorgesehen, kritisiert die Gruppe und verweist auf toxikologische Risiken.
Anders werde dies etwa in der Schweiz oder in anderen EU-Staaten wie Frankreich oder Belgien gehandhabt, wo es für diese Art der Nahrungsergänzungsmittel deutlich schärfere Dokumentationspflichten gebe.
Vom Gesetzgeber fordern die Experten, dass Hersteller und Vertriebsfirmen bereits bei der Anmeldung korrekte und verständliche Informationen angeben müssen. Außerdem sollte es eine kontinuierliche Prüfung von Rohstoffen und fertigen Produkten mit anerkannten Analysemethoden geben. Irreführende Gesundheitsversprechen müssten besser geprüft werden.
30.000 Registrierungen im Jahr 2025
Einer der Unterzeichner ist der Andreas Hensel. Er ist Präsident der Gesellschaft für Phytotherapie und leitet an der Uni Münster das Institut für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie. Im vergangenen Jahr seien über 30.000 Nahrungsergänzungsmittel in Deutschland angemeldet worden, sagte der Professor für Pflanzenchemie der Deutschen Presse-Agentur.
Weil aber die gesetzlichen Vorgaben bei diesem Schritt so ungenügend seien, folge anschließend oft ein Streit zwischen den Landesuntersuchungsämtern, die auf Probleme hinweisen, und den Anwälten der Firmen, die auf ihre eigenen andere Analyseverfahren verweisen. «Damit kannst du dich immer herausreden», sagt Hensel. Verbraucher würden Risiken ausgesetzt, die sie nicht erkennen können.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die Bundesministerien für Landwirtschaft, Ernährung sowie Wirtschaft werden auf den Brief der Experten reagieren und mögliche Regulierungsänderungen prüfen.
Possible · Within months
Open Questions
- Welche konkreten Änderungen an der Registrierungspflicht schlagen die Experten vor?
- Wie sollen die kontinuierlichen Prüfungen von Rohstoffen und Produkten organisiert und finanziert werden?
- Welche Sanktionen sollen bei Verstößen gegen die neuen Anforderungen gelten?
