Wissenschaftliche Exzellenz: Bayerns zentralistisches Problem
Während Baden-Württemberg seine Spitzenforschung über das ganze Land verteilt, konzentriert sich in Bayern fast alles auf München.
Quick Look
Ein Vergleich der Forschungslandschaften in Baden-Württemberg und Bayern zeigt: Während Baden-Württemberg auf eine dezentrale Exzellenz setzt, leidet Bayern unter einer zu starken Konzentration auf München, was die Entwicklung anderer Standorte wie Würzburg hemmt.
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Why It Matters
Baden-Württemberg verteilt seine exzellenten Universitäten über das gesamte Bundesland. Bayern konzentriert seine Forschungsressourcen hingegen stark auf München.
In Baden-Württemberg haben sie diese Rollenverteilung perfektioniert. Spitzenforschung im Ländle? Da denken wenige an Stuttgart. Eine Uni gibt's da zwar auch. Herausragend aber sind Universitäten jenseits der Landeshauptstadt. Wer an einer exzellenten Hochschule in Baden-Württemberg studieren oder lehren möchte, kann dies quer übers Land verteilt tun. Die Unis in Konstanz und Freiburg standen bereits an der Spitze, Freiburg tut es nun wieder. Karlsruhe steht für Spitzenforschung, Tübingen und Heidelberg ohnehin.
Ein Gedankenspiel: Täte es Stuttgart als Stadt gut, würde man sämtliche Exzellenz aus Freiburg, Karlsruhe, Tübingen und Heidelberg künftig dort, in Stuttgart, massieren? Oder würde da ein Ort eher zu ersticken drohen? Und: Würde es dem Land guttun?
Das moderne Bayern hatte immer eine zentralistischere Struktur als der benachbarte Südstaat. Und die Staatsregierung betont zu Recht, dass München bundesweit um Forschungsbedingungen und die beiden Spitzen-Unis beneidet wird. Trotzdem ist es ein akuter Makel eines Flächenlandes, wenn wissenschaftliche Exzellenz sich lediglich an einem einzigen Ort ausbilden kann.
Man darf sich da nichts vormachen: Natürlich liegt dergleichen nicht zuletzt an den Bedingungen, die für Forschung geschaffen werden. Für die ist das Land zuständig. Der Freistaat also.
An traditionsreichen Orten der Wissenschaft mangelt es in Bayern jedenfalls nicht. Auf dem Gebiet des heutigen Freistaats wurde eine Universität erstmals in Würzburg gegründet, die viertälteste auf deutschem Boden. Der Oberbürgermeister der Stadt, Martin Heilig, hat freilich beobachtet, wie später „Aufmerksamkeit, Liebe und Investitionen“ für Bayerns Unis auffällig an einem einzigen Ort konzentriert worden sind.
Und er hat schlicht recht mit seiner Feststellung, dass dies „kein Zustand“ sein kann in einem modernen Flächenstaat. Während Baden-Württemberg weiter vier exzellente Unis hat, ist Bayern erneut gescheitert, mehr als die beiden Münchner Unis als herausragend anerkennen zu lassen. So kann, so darf das nicht bleiben.
Open Questions
- Wie kann Bayern die Forschungsförderung dezentralisieren?
- Welche konkreten Maßnahmen plant die Staatsregierung für andere Standorte?



