Xi Jinpings Besuch in Indien: Ein Treffen der Giganten beim BRICS-Gipfel
Staatschef Xi Jinping und Ministerpräsident Narendra Modi arbeiten am Rande des BRICS-Gipfels in Neu Delhi an der Normalisierung ihrer Beziehungen.
Quick Look
- Chinas Staatschef Xi Jinping besucht den BRICS-Gipfel in Neu Delhi.
- Das Treffen mit Indiens Premier Modi markiert einen Schritt zur Normalisierung der bilateralen Beziehungen nach jahrelanger Eiszeit und Grenzkonflikten, während Indien die Gruppe als nichtwestlich positioniert.
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Why It Matters
Die indisch-chinesischen Beziehungen waren durch einen Grenzkonflikt im Jahr 2020 belastet. Indien strebt eine nichtwestliche, aber nicht explizit antiwestliche Positionierung innerhalb der BRICS an.
Weniger als 24 Stunden soll Xi Jinping in Neu Delhi bleiben, nachdem er am Samstag mit einem Flugzeug der Air China in der indischen Hauptstadt gelandet ist. Trotzdem ist der erste Indien-Besuch des chinesischen Staats- und Parteichefs seit sieben Jahren das dominante Thema des BRICS-Gipfels an diesem Wochenende. Das Treffen zwischen Xi und Indiens Ministerpräsident Narendra Modi am Rand des Gipfels erscheint schon deshalb als Ereignis, weil es sich um die mächtigen Anführer der beiden bevölkerungsreichsten Länder der Welt handelt. „Zwei Giganten an einem Tisch“, lautete eine der zahlreichen Schlagzeilen, mit denen das indische Fernsehen das Gipfeltreffen angekündigt hatte.
In Indien, das sich selbst als Weltmacht der Zukunft versteht, sieht man sich mit China auf Augenhöhe. Dass der Besuch Xis die Schlagzeilen dominiert, ist auch Ausdruck der herausgehobenen Stellung, die China in der BRICS einnimmt. Zu deren Gründungsmitgliedern gehören auch Brasilien, Russland und Südafrika. Für Indien ist es daher schwer, sein Mantra, wonach sich die Staatengruppe nicht als „antiwestlich“, sondern lediglich als „nichtwestlich“ positionieren sollten, durchzusetzen. Schon vorab hatte Russlands Präsident Wladimir Putin auf dem BRICS-Business-Forum für die antiwestliche Rhetorik gesorgt. Die „alten“ Führungsmächte würden durch „neue Wachstumstreiber“ ersetzt, sagte Putin.
Das Xi-Modi-Treffen bekommt in Indien allerdings auch deswegen so viel Aufmerksamkeit, weil die beiden Länder nach jahrelanger Eiszeit mit der „Normalisierung“ ihrer Beziehungen vorankommen. Der Konflikt entlang ihrer umstrittenen Grenze, der im Jahr 2020 zu tödlichen Auseinandersetzungen geführt hatte, schwelt zwar weiter. Doch in den vergangenen zwei Jahren haben die beiden Länder sich auf Patrouillenverläufe im Himalaja geeinigt, Direktflüge und die Visavergabe wieder aufgenommen sowie einige wenige Handelsschranken gelockert. Sie haben sich zudem geeinigt, eine mögliche Markierung der Grenze zunächst in den weniger strittigen Gebieten vorzubereiten.
Die Annäherung ist wohl auch deshalb möglich geworden, weil US-Präsident Donald Trump Indien in der jüngeren Zeit mehrfach vor den Kopf stieß – unter anderem hatte er vorübergehend Zölle von 50 Prozent Höhe auf indische Waren erhoben. Auf lange Sicht allerdings sehen auch indische Beobachter kaum eine Alternative zu einer engen Zusammenarbeit mit dem Westen. Mit seinem Wunsch, die BRICS nicht in direkter Konfrontation zum Westen positionieren zu wollen, hat Indien innerhalb der Staatengruppe Unterstützer. Neben Brasilien gehören dazu auch einige der Neumitglieder, die in den Jahren 2024 und 2025 dazu gekommen sind.
Die Erweiterung um Ägypten, Iran, Äthiopien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien und Indonesien stellt Indien als Gastgeber des diesjährigen Gipfels aber auch vor Probleme: Meinungsverschiedenheiten zwischen Iran, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien über den Nahostkrieg erschwerte die Formulierung einer gemeinsamen Abschlusserklärung. Der indischen Presse zufolge soll es am Samstag dann aber doch eine – bislang unveröffentlichte – Einigung gegeben haben. Indien versuchte außerdem Themen wie Energie- und Nahrungsmittelsicherheit, Klimawandel und Digitalisierung in den Vordergrund zu stellen, die gerade auch für die Länder des sogenannten Globalen Südens Folgen haben.
Darüber hinaus haben die Teilnehmerländer Möglichkeiten geprüft, wie etwa die unterschiedlichen digitalen Zahlungssysteme über Grenzen hinweg miteinander verbunden werden können. Indien treibt das voran, ohne dabei den Dollar als Leitwährung direkt infrage stellen zu wollen. Eine Rolle dürfte dabei auch spielen, dass Trump hohe Strafzölle gegen die BRICS-Staaten angedroht hatte. China und Russland tragen diesen Kurs deshalb weitgehend mit. Ganz im Sinne der Gastgeber sagte der russische Sonderbeauftragte Kirill Dmitriev der Agentur Reuters, BRICS-Staaten wandelten sich von einem geopolitischen Bündnis „zu einer eher praxisorientierten Wirtschaftspartnerschaft“.
Darin zeigt sich auch das Bemühen, die Gruppe trotz der Unterschiede in Strategie und Weltbild voranzubringen. Modi schlug während des BRICS-Gipfels am Samstag einen Zehn-Punkte-Plan für „Global Governance“ vor. Auch Peking hat Interesse, vor dem für Ende September geplanten US-Besuch Xis die Stimmung nicht zusätzlich zu belasten. China kann es sich leisten, die Rhetorik etwas zu drosseln und sich als Anker der Stabilität in einer unsicheren Welt zu präsentieren. Da der BRICS-Vorsitz im kommenden Jahr auf China übergeht, kann Peking dann auch bald noch stärker die Agenda der BRICS bestimmen. Xi Jinpings Auftritt in Neu Delhi mag nur kurz sein, könnte aber einen dauerhaften Eindruck hinterlassen.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
China übernimmt im kommenden Jahr den BRICS-Vorsitz.
Very likely · Within months
Open Questions
- Wie sieht der Inhalt der gemeinsamen Abschlusserklärung aus?
- Welche konkreten Schritte folgen auf den Zehn-Punkte-Plan?



