Zwei mutmaßliche Anschläge zeigen Schwachstellen in der deutschen Strominfrastruktur
Quick Look
- Zwei mutmaßliche Anschläge auf Hochspannungsleitungen in Brandenburg und ein Umspannwerk in Nordrhein-Westfalen haben die Debatte über den Schutz kritischer Infrastruktur in Deutschland neu entfacht.
- Energieunternehmen wie LEAG und Amprion erhöhen kurzfristig die Sicherheitsvorkehrungen und fordern gesetzliche Anpassungen für erweiterte Videoüberwachung, während Experten die Resilienz des Stromnetzes betonen, aber vor gleichzeitigen Attacken warnen.
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Why It Matters
Die Strominfrastruktur in Deutschland gilt als resilient aufgrund von Redundanzen im Netz und der Möglichkeit, Strom aus dem Ausland zu importieren. Dennoch haben jüngste Anschläge auf Hochspannungsleitungen und Umspannwerke die Verwundbarkeit kritischer Energieinfrastruktur aufgezeigt.
Zwei mutmaßliche Anschläge innerhalb weniger Stunden haben gezeigt, wie verwundbar die Strom-Infrastruktur in Deutschland ist. Am Dienstagmorgen griffen Unbekannte Hochspannungsleitungen im brandenburgischen Jänschwalde an, am Dienstagabend folgte ein mutmaßlicher Anschlag auf ein Umspannwerk im nordrhein-westfälischen Bergheim. Seitdem hat die Debatte über den Schutz von kritischer Infrastruktur an Fahrt aufgenommen.
LEAG erhöht kurzfristig die Sicherheitsvorkehrungen
Das Energieunternehmen LEAG, dessen Braunkohlekraftwerk vom Sabotageakt in Jänschwalde betroffen war, hat kurzfristig seine Sicherheitsvorkehrungen erhöht. "Unter anderem wurden zusätzliche Maßnahmen zur engmaschigen Beobachtung sensibler Bereiche ergriffen", so ein Unternehmenssprecher. Zu Details will sich die LEAG nicht äußern, ebenso wenig wie der Energiekonzern RWE, der vom mutmaßlichen Anschlag in Nordrhein-Westfalen betroffen war.
Klar ist aber, dass die Energiewirtschaft auch darüber nachdenkt, wie sie ihre Infrastruktur langfristig besser schützen kann. Die Bedrohungslage für kritische Infrastrukturen habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert, heißt es etwa vom Übertragungsnetzbetreiber Amprion, dessen Stromleitungen in Bergheim am Dienstagabend angegriffen worden waren. Man tue alles, um Risiken zu minimieren.
"Natürlich kann man Zäune höher ziehen"
"Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht", stellt Amprion allerdings klar. Es ist eine Aussage, die in diesen Tagen so oder so ähnlich von vielen Akteuren aus Wirtschaft und Politik zu hören ist.
"Natürlich kann man Zäune höher ziehen und Transformatoren einhausen", sagt Amprion-Geschäftsführer Christoph Müller. "Das bringt auch ein Mehr an Sicherheit." Vollständig schützen lasse sich die Infrastruktur aber allein schon deshalb nicht, weil sie an so vielen Orten in Deutschland stehe. "Und auch ein höherer Zaun ist am Ende immer noch überwindbar", so Müller.
Mehr Schutz durch Videoüberwachung?
Amprion fordert unter anderem gesetzliche Anpassungen, um die Videoüberwachung außerhalb der eigenen Anlagen zu erlauben. Bisher ist diese in der Regel nur innerhalb des Geländes erlaubt. Im Fall von Bergheim befanden sich die Abschussvorrichtungen, mit denen die Saboteure offenbar in Richtung der Stromleitungen geschossen haben, in einem Maisfeld außerhalb des Betriebsgeländes.
Rückendeckung bekommt das Unternehmen dabei von Nordrhein-Westfalens Energie- und Wirtschaftsministerin Mona Neubaur. Sie gehört den Grünen an, die Partei steht der Videoüberwachung im öffentlichen Raum mitunter kritisch gegenüber. Für Neubaur überwiegt hier aber das Sicherheitsinteresse. "Wo es erforderlich und verhältnismäßig ist, soll die Überwachung auch den öffentlichen Raum rund um die Anlage erfassen können", fordert Neubaur.
Stromnetz in Deutschland gilt als resilient
Energieexperten verweisen darauf, dass die mutmaßlichen Anschläge in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg keine Stromausfälle für die Bevölkerung zur Folge hatten. Das wird als Beleg dafür gewertet, wie resilient die Stromversorgung in Deutschland insgesamt ist.
Der Grund dafür seien Redundanzen im Energienetz, sagt Albert Moser, Professor für Übertragungsnetze und Energiewirtschaft an der RWTH Aachen. Das System könne also einzelne Ausfälle kompensieren, gegebenenfalls könne schnell zusätzlicher Strom aus dem Ausland importiert werden.
Warnung vor gleichzeitigen Attacken
Allerdings gibt Moser zu bedenken: "Wenn es jemand darauf anlegen sollte, durch mehrfache zeitgleiche Attacken das System lahmzulegen, dann gibt es natürlich gewisse Chancen dazu." Für solche Fälle sei es wichtig, die Versorgung zügig wiederherstellen zu können. Auch auf derartige Szenarien bereiteten sich die Netzbetreiber vor, so Moser.
Im Fall des mutmaßlichen Anschlags in Bergheim zeigen sich die Verantwortlichen jedenfalls zufrieden. "Wer auch immer hinter diesem Vorfall steckt, er hat sich an unseren Profis die Zähne ausgebissen", lobt NRW-Wirtschaftsministerin Neubaur.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die Bundesregierung wird gesetzliche Anpassungen zur Erweiterung der Videoüberwachung kritischer Infrastruktur prüfen.
Likely · Within months
Energieunternehmen werden langfristig in physische Sicherheitsmaßnahmen wie verstärkte Zäune und geschützte Transformatoren investieren.
Very likely · Within months
Open Questions
- Wer steht hinter den mutmaßlichen Anschlägen in Jänschwalde und Bergheim?
- Welche konkreten gesetzlichen Änderungen werden für die Videoüberwachung vorgeschlagen?
- Wie effektiv sind die kurzfristig erhöhten Sicherheitsvorkehrungen der Energieunternehmen?
- Gibt es Hinweise auf eine koordinierte Kampagne gegen die Energieinfrastruktur?






