Kritik an „Spiegel“-Cover über AfD-Politiker Ulrich Siegmund
Die Inszenierung von Ulrich Siegmund als „gefährlichster Mann Deutschlands“ birgt Risiken der ungewollten Wahlwerbung.
Hızlı Bakış
- Das „Spiegel“-Magazin zeigt den AfD-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, als „gefährlichsten Mann Deutschlands“ im Fahndungsplakat-Stil.
- Kritiker bemängeln, dass dies im Wahlkampf wie kostenlose Werbung wirken und ihn aufwerten könnte.
Yapay zekâ özeti
Neden Önemli?
Der „Spiegel“ widmete dem AfD-Politiker Ulrich Siegmund eine Titelgeschichte über dessen Umfeld im rechtsextremen Milieu.
Das neue „Spiegel“-Cover kann sich Ulrich Siegmund triumphierend in sein Büro hängen. Größer war er nie: Zu sehen ist auf dem Titel in Anmutung eines Fahndungsplakats ein Passbild des 35-Jährigen auf schwarzem Grund. Darunter steht in fetten roten Buchstaben „Der gefährlichste Mann Deutschlands“ und: „Ulrich Siegmund AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt“. In seinem Bundesland sei Siegmund ein Popstar, er lächele für Selfies, verteile bereitwillig Autogramme, heißt es im „Spiegel“. Hinter ihm aber stehe einer der extremsten Landesverbände der AfD. Recherchiert haben die Autoren der Titelgeschichte, dass frühere Akteure der inzwischen verbotenen rechtsextremen Heimattreue Deutsche Jugend maßgeblich zu Siegmunds politischem Erfolg beigetragen haben: Der Pressesprecher seiner Fraktion, Patrick Harr genauso wie der Justiziar Laurens Nothdurft waren in der HDJ aktiv – und würden bei einem möglichen Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt angeblich als Leiter der Staatskanzlei und als Staatssekretär im Justizministerium gehandelt.
Was das für die Migrations- oder Kulturpolitik bedeuten könnte, lässt sich aus dem Wahlprogramm der AfD in Sachsen-Anhalt ableiten und wäre für die Demokratie tatsächlich dramatisch. Der Titel aber macht Siegmund allein zum Posterboy mit dem Ruch des Gefährlichen. Und er selbst spricht angesichts des Covers, so zitiert ihn „Die Welt“ nach einem Wahlkampfauftritt, schon von einem „riesengroßen Ritterschlag“ auf die Frage einer Youtuberin, wie es sei, Björn Höcke als gefährlichsten Mann „vom Thron gestoßen“ zu haben.
Richtig gefährlich wird Siegmund am Ende jedoch vor allem durch die Menge derer, die ihn wählen. Was vom „Spiegel“ als Warnung vor Disruption und Zersetzung der Demokratie in Sachsen-Anhalt gemeint sein mag, hängt an diesem Wochenende an jedem Kiosk auch in Sachsen-Anhalt – und kursiert natürlich in den sozialen Medien. Denjenigen, die die Geschichte nicht lesen, könnte der Titel wie ein Werbeplakat entgegenkommen. Jemanden, den der – aus ihrer Perspektive – westdeutsche „Spiegel“ zum „gefährlichsten Mann Deutschlands“ kürt, mag mancher erst recht wählen wollen. Und da das Cover in keiner Weise abbildet, dass Siegmund, wie die „Spiegel“-Journalisten in ihrer Geschichte ja auch schreiben, scheinbar so harmlos daherkommt und die Volksnähe zu seinem Markenzeichen gemacht hat, kann man es potentiellen Wählern nicht vorwerfen, wenn ihnen die Fahndungsfoto-Inszenierung wie ein Witz erscheint.
Dass andere Medien, wie der MDR Podcast „Deep Talk“, die Nahbarkeit des AfD-Politikers zum Anlass nehmen, ihn so harmlos zu interviewen, wie er auftritt, ist erschütternd genug: „Wer räumt bei Ihnen zu Hause die Geschirrspülmaschine aus?“, fragt da die Moderatorin eines Senders, den der Interviewte als eine seiner ersten Amtshandlungen abschaffen will. „Steht ,Deep Talk‘ drauf, ist ,Small Talk‘ drin“, meint treffend die „Süddeutsche Zeitung“. Aber dass ein Fahndungsplakat Siegmund zugleich zur „Most Wanted Person“ stilisiert, hätte den Kollegen vom „Spiegel“ dann doch auffallen müssen.
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