
Russland weitet Drohnenangriffe aus; Ukraine meldet Gegenangriffe auf russische Ölraffinerien und Militärstützpunkte
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Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine dauert bereits mehrere Jahre an. Aktuell intensivieren beide Seiten den Einsatz von Drohnen gegen militärische und infrastrukturelle Ziele.
Bei einem russischen Angriff auf ein ukrainisches Munitionsdepot nahe Kiew sind nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj 38 Menschen getötet worden. Vier weitere werden vermisst, 20 Menschen wurden verletzt, darunter zwei Kinder. Das Depot im Dorf Myla rund fünf Kilometer westlich von Kiew lag entgegen ukrainischen Vorschriften in einem Wohngebiet. Bei den meisten Todesopfern soll es sich um Bewohner eines Altenheims handeln. Fast 400 Menschen wurden in Sicherheit gebracht.
Selenskyj zufolge setzte Russland in dieser Woche fast 2.000 Angriffsdrohnen, mehr als 1.600 Bomben und 31 Raketen gegen die Ukraine ein. Zugleich meldete Kiew Angriffe auf russische Drohnenstandorte, einen Militärflugplatz und eine Ölraffinerie. Russland kündigte verstärkte Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur an. Der russische Abgeordnete Alexej Schuraljow brachte zudem den Einsatz taktischer Atomwaffen gegen die Ukraine ins Gespräch.
Die Ukraine hat nach eigenen Angaben bei nächtlichen Angriffen auf Ziele in Russland eine Ölraffinerie in der russischen Ostsee-Region Leningrad getroffen. Zudem sei ein Luftwaffenstützpunkt in der südrussischen Schwarzmeer-Region Krasnodar attackiert worden, teilt das ukrainische Militär mit.
Der finnische Präsident Alexander Stubb geht nach eigenen Worten nicht davon aus, dass Russland die Nato attackieren wird. Er glaube nicht, dass Russland jemals das mächtigste Militärbündnis der Welt angreifen wollen würde, sagte Stubb der „Bild“. Die Abschreckung der Nato sei stärker „als die jeder anderen Militärmacht irgendwo auf der Welt“. Sie beruhe auf Raketen, konventionellen Streitkräften und auf Atomwaffen. Für keine Macht der Welt ergebe es Sinn, die Entschlossenheit dieses Bündnisses auf die Probe zu stellen. Russland wolle aber Angst säen. „Russland will, dass wir Europäer hier sitzen und darüber diskutieren: Wird Russland eskalieren? Wird Russland Atomwaffen einsetzen? Wird Russland die Nato und Europa angreifen?“
Das Einzige, womit Russland noch eskalieren könne, sei eine Mobilmachung, sagte Stubb. Es sei wahrscheinlich, dass diese im Herbst komme.
Finnlands Präsident Alexander Stubb rechnet nicht damit, dass Russland wegen seiner wirtschaftlichen Probleme den Krieg in der Ukraine beenden wird. „Man sollte niemals die Fähigkeit der Russen unterschätzen, wirtschaftlich schwierige Zeiten durchzustehen“, sagte Stubb zu „Bild“. „Um das zu verstehen, müssen wir nur einen Blick zurück in die Sowjetzeit werfen.“
Den Krieg beenden werden weder der Kurs des Rubels noch ein Ansturm auf Banken, die Inflation oder das Zinsniveau. Stubb sagte: „Der Druck ist da, aber man muss verstehen, dass ein Land, das sich im Krieg befindet, viel mehr aushalten kann als ein Land, das sich nicht im Krieg befindet.“
Der Kreml sieht nach Angaben seines Sprechers Dmitri Peskow keine Aussicht auf verbesserte Beziehungen zur Europäischen Union. Europa treffe Aussagen, die darauf hindeuteten, dass es Russland als „Gegner und sogar als Feind“ betrachte. Auf welche Äußerungen sich Peskow genau bezieht, bleibt zunächst unklar. Die derzeitigen EU-Politiker verhielten sich Russland gegenüber konfrontativ, „nicht nur in Worten, sondern auch in Taten“, fügt er hinzu. „Sie mobilisieren die militärischen Fähigkeiten Europas und richten sie gegen unser Land, während sie sich direkt an Feindseligkeiten gegen uns beteiligen.“
Russland hat den Einsatz strahlgetriebener Drohnen nach Angaben eines hochrangigen ukrainischen Regierungsvertreters deutlich ausgeweitet. Ihre Zahl dürfte weiter steigen, weil Moskau ihre Wirksamkeit erkenne, sagte Pawlo Palissa, stellvertretender Leiter des ukrainischen Präsidialamts, vor Journalisten. „Angriffsmittel sind den Verteidigungsmitteln immer voraus. Wir werden uns auf jeden Fall anpassen müssen. Das wird Zeit brauchen.“
Die derzeit verfügbaren ukrainischen Abfangdrohnen könnten strahlgetriebene Drohnen theoretisch abfangen, hätten bislang aber noch nicht die erwartete Wirksamkeit gezeigt, sagte Palissa. Die Ukraine arbeite an Lösungen, um ihre Abwehr entsprechend anzupassen. Seine Äußerungen vom Freitag waren bis Samstag mit einer Sperrfrist versehen.
Die Bundesregierung plant einem Medienbericht zufolge in den kommenden Tagen, Russland für den versuchten Sprengstoffdrohnen-Anschlag in Leipzig verantwortlich zu machen und „umfangreiche“ Maßnahmen anzukündigen. Es soll sich um eine Kombination direkter Maßnahmen Deutschlands und neuer EU-Sanktionen handeln, die parallel in Brüssel vorbereitet werden, wie die „Welt am Sonntag“ und „Politico“ unter Berufung auf Insider am Samstag berichteten.
Die Ankündigung sei für Anfang nächster Woche geplant, parallel zum EU-Außenministertreffen in Irland am Dienstag, könnte aber je nach Entscheidung von Bundeskanzler Friedrich Merz auch noch vorgezogen werden.
Ein Regierungssprecher wollte die Informationen dem Bericht zufolge weder bestätigen noch dementieren: „Das Kanzleramt beteiligt sich nicht an Spekulationen. Relevant ist allein die offizielle Zuordnung, die die Bundesregierung nach eigenem Ermessen und unter Abwägung aller Ermittlungsergebnisse vornimmt.“
Polens Regierungschef Donald Tusk hat davor gewarnt, dass Russland den Krieg in der Ukraine ausweiten und die Nato provozieren könnte. „Wie ich bereits gewarnt habe, schreitet die Eskalation vonseiten Russlands voran“, schrieb Tusk auf der Online-Plattform X nach einem Gespräch mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte. Die nächsten sechs Monate würden entscheidend sein. „Wir dürfen Provokationen Russlands gegenüber einem der Nato-Mitglieder nicht ausschließen.“ Am Mittwoch hatte eine Visite von CIA-Chef John Ratcliffe nach Moskau weltweit Spekulationen ausgelöst. In US-Medien hieß es, dass Ratcliffe Russland vor einer Attacke auf einen der Nato-Staaten gewarnt haben soll. Angesprochen auf die Berichte, dementierte der Kreml und wies mit dem Finger auf den Westen.
Bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Munitionslager sind unweit der ukrainischen Hauptstadt Kiew nach Regierungsangaben mindestens 37 Menschen getötet worden. „Es gibt erhebliche Schäden an der umliegenden Infrastruktur: Wohnhäuser sowie ein Senioren- und Behindertenheim wurden beschädigt“, schrieb Präsident Wolodymyr Selenskyj bei Telegram.
Bei ukrainischen Drohnenangriffen auf Russland und die annektierte Halbinsel Krim sind Behördenangaben zufolge mindestens vier Menschen getötet worden. In der russischen Grenzregion Belgorod kamen demnach drei Menschen ums Leben und neun weitere wurden verletzt. Drei der Verletzten befänden sich in einem ernsten Zustand, teilen die örtlichen Behörden auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit.
Bei einem ukrainischen Drohnenangriff in Sewastopol auf der Krim sei ein Mensch getötet worden, erklärt der von Russland eingesetzte Gouverneur Michail Raswoschajew auf Telegram. Drei weitere Menschen seien verletzt worden. Auch Russland griff wieder die Ukraine an: Das Verteidigungsministerium in Moskau teilt mit, russische Truppen hätten ein Umschlagterminal im ukrainischen Hafen von Mykolajiw getroffen. Zudem seien ein Liegeplatz für Tankschiffe sowie Entladestellen für Kraft- und Schmierstoffe getroffen worden.
Infolge nächtlicher russischer Angriffe ist im südukrainischen Gebiet Odessa mindestens ein Mensch getötet worden. Weitere drei seien verletzt, teilte der Gouverneur der Region, Oleh Kiper, bei Telegram mit. Fünf Getreidetransporter seien ausgebrannt und drei weitere beschädigt worden. Alle Brände konnten demnach gelöscht werden.
Zuvor hatte die Verwaltung des Landkreises Ismajil, in dem sich die Donauhäfen des Landes befinden, vor russischen Drohnen gewarnt. Anlagen der Transportinfrastruktur seien beschädigt worden.
Im südrussischen Gebiet Rostow sind nach Angaben der dortigen Behörden mindestens sieben Menschen bei einer Welle ukrainischer Luftangriffe verletzt worden. Zwei Kinder seien ins Krankenhaus gebracht worden, eines mit sehr schweren Verletzungen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf Gouverneur Jury Sljusar. In der Hafenstadt Rostow am Don wurden demnach zwei Wohnblöcke durch herabstürzende Drohnentrümmer beschädigt. Ukrainischen Medienberichten zufolge soll auch das Warenlager eines Elektronikhändlers in Flammen aufgegangen sein. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.
Seit Wochen attackieren die ukrainischen Streitkräfte immer wieder Logistikzentren großer russischer Unternehmen. Insbesondere die Onlineversandhändler Wildberries und Ozon gerieten dabei ins Visier. Die Attacken verursachten Milliardenschäden und rückten die Folgen des russischen Angriffskriegs für das Nachbarland der Ukraine wieder stärker in den Fokus. Die Führung in Kiew versucht damit auch die politische Stimmung in Russland vor der Parlamentswahl vom 18. bis 20. September zu beeinflussen.
Der ehemalige ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow wird Berater für militärische Innovationen im italienischen Verteidigungsministerium. Dies teilt das Ministerium in Rom mit. Der italienische Verteidigungsminister Guido Crosetto hatte dem Ukrainer den Posten nach dessen Entlassung im Juli angeboten. Fedorow erklärt auf der Plattform X, er wolle Italien bei der Einführung moderner Kriegstechnologien unterstützen und den Verteidigungssektor stärken. Der 35-Jährige war in seiner Heimat nach Konflikten mit der Militärführung und politischen Rivalen über Reformen bei der Beschaffung und Mobilisierung entlassen worden.
Kremlchef Wladimir Putin trifft nächste Woche gleich mehrere Staats- und Regierungschefs zu politischen Gesprächen in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek in Zentralasien und danach auch in Russland. An diesem Montag werde es beim Treffen mit Chinas Partei- und Staatschef Xi Jinping auch um die geplante neue Gasleitung Sila Sibiri 2 (auf Deutsch: Kraft Sibiriens) gehen, teilte Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow in Moskau mit. Am Rande des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) seien zudem Gespräche mit Indiens Premierminister Narendra Modi geplant.
Indien und China gelten für Russland als verlässliche Handelspartner, während die USA und die EU das Land wegen Putins Krieg gegen die Ukraine mit Sanktionen belegt haben. In Bischkek werde es auch um den Krieg in der Ukraine gehen, sagte Uschakow. Putin führt diesen Angriffskrieg inzwischen im fünften Jahr. Insbesondere Modi hatte Russland zu einer Beendigung der Invasion aufgefordert. Er und Putin sehen sich auch beim Gipfel der Brics-Länder am 12. und 13. September in Neu-Delhi.
Zudem stünden für Dienstag in Bischkek in Putins Terminkalender Unterredungen mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan und dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian, sagte Uschakow. Mit Erdogan werde Putin über den Krieg in der Ukraine und insbesondere über den Seekrieg im Schwarzen Meer sprechen. Dort greifen Kiew und Moskau auch Handelsschiffe unter anderem mit Drohnen an. Die Türkei will diese Kämpfe, die wirtschaftliche Milliardenschäden verursachen, beenden. Geplant sei am Dienstag auch ein Treffen mit dem armenischen Regierungschef Nikol Paschinjan, der mit seinem Südkaukasusstaat in iranischer Nachbarschaft in die EU strebt. Uschakow sagte, dass Armenien nicht beides haben könne, eine EU-Mitgliedschaft und die Vorzüge einer Partnerschaft mit Russland, das dem Land günstig Energie liefert. Eriwan müsse sich entscheiden.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat eigenen Angaben zufolge von den USA Informationen über einige Treffen in Moskau erhalten. „Heute haben wir von der amerikanischen Seite Informationen über die Treffen in Moskau erhalten, die in diesen Tagen stattgefunden haben“, erklärt Selenskyj auf Telegram. Es habe dort mehrere Gespräche gegeben, ergänzt er, ohne Einzelheiten zu den Teilnehmern zu nennen. Selenskyj danke für die Informationen und den „notwendigen Ton“ des Gesprächs mit Russland. Die Zeitung „Wall Street Journal“ hatte am Mittwoch berichtet, dass CIA-Direktor John Ratcliffe nach Moskau gereist sei, um Russland vor einem Angriff auf ein Nato-Mitglied zu warnen. Der Kreml wies den Bericht zurück, während US-Präsident Donald Trump erklärte, der russische Präsident Wladimir Putin werde keinen Angriff auf ein Nato-Land befehlen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat das Militär nach eigenen Angaben angewiesen, die Zahl der täglichen Drohnenangriffe auf Russland mit großer Reichweite auf 1000 von bislang rund 300 zu erhöhen. Dies sei nötig und die Ukraine werde diese Aufgabe erfüllen, erklärt Selenskyj in einer Abendansprache.
Russische Streitkräfte haben die ukrainische Hauptstadtregion Kiew den zweiten Tag in Folge mit Drohnen angegriffen. Dabei wurden ein Mensch getötet und zwei weitere verletzt. Nach Angaben von Tymur Tkatschenko, Leiter der Militärverwaltung der Region Kiew, wurden 14 Lagerhallen, 16 Privathäuser, drei Mehrfamilienhäuser und 16 Fahrzeuge beschädigt.
An einem der getroffenen Orte schlug dem ukrainischen Katastrophenschutz zufolge eine zweite Drohne ein, nachdem bereits Rettungskräfte eingetroffen waren. Die Angriffe dauerten bis in die Tagesstunden an. Wegen einer Verschlechterung der Luftqualität wurden Bewohner mancher Gebiete aufgefordert, die Fenster geschlossen zu halten und möglichst wenig Zeit im Freien zu verbringen.
Nach Einschätzung des ukrainischen Zentrums zur Bekämpfung von Desinformation setzt Russland teils kleine Gruppen schneller, düsengetriebener Drohnen in mehreren Wellen ein. Ziel sei es, die Luftabwehr und die Bevölkerung zu zermürben.
AI outlook — possibilities, not facts
Erhöhung der ukrainischen Drohnenangriffe auf 1000 pro Tag
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