AfD-Jugend zwischen Professionalisierung und Radikalität
Quick Look
Die AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland steht zwischen dem Versuch der Professionalisierung unter Alice Weidel und dem Widerstand radikaler Mitglieder, die eine Anpassung an etablierte Parteien ablehnen; auf ihrem Jahrestreffen zog sie einen proeuropäischen Leitantrag zurück, nachdem interne Kritik laut wurde.
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Why It Matters
Die Generation Deutschland ist die Jugendorganisation der AfD und entstand nach der Auflösung der gesichert rechtsextremen Jungen Alternative, um einem Verbot zuvorzukommen. Sie steht zwischen dem Versuch der Professionalisierung unter Parteichefin Alice Weidel und dem Wunsch vieler Mitglieder, keine Anpassung an etablierte Parteien vorzunehmen.
Jugendorganisationen von Parteien verstehen sich üblicherweise als Korrektiv, das die Alten vor faulen Kompromissen warnt. Die Jusos wollen die SPD nach links rücken, die Grüne Jugend will es mit der Grünen-Führung ebenso. Umgekehrt vertritt die Junge Union oft einen konservativeren Kurs als die CDU. Etwas komplizierter ist es bei der AfD-Jugend, der Generation Deutschland.
Zweifelsohne versammelt sie viele radikale Mitglieder. Von Mäßigung ist nichts zu spüren. Gerade erst musste auf dem Jahrestreffen ein Mitglied des Bundesvorstandes nachgewählt werden; der zuvor amtierende Kevin Dorow war wegen der Verwendung einer NS-nahen Parole mit einer zweijährigen Ämtersperre belegt worden. Ein Parteiausschlussverfahren war am Widerstand der Parteijugend gescheitert. Dazu passte, dass Dorows Nachfolger ihm auf der Bühne ausdrücklich dankte, woraufhin Dorow ausdrücklich für die Solidarität zurückdankte.
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Auch von „millionenfacher Remigration“ wurde auf der Bühne gesprochen. Die vulgäre Rede des AfD-Landesvorsitzenden von Sachsen-Anhalt, der „Vater Staat“ als einen „nach Dope stinkenden, faulen Assi“ und die deutsche Sprache als „ein aufgedunsenes, intersektionales Flittchen“ beschrieb, wurde von der AfD-Jugend mit tosendem Beifall gefeiert. Doch dazu kommt etwas anderes.
Professionalisierung, ohne sich den anderen Parteien anzupassen, geht das?
Denn die Fronten in der AfD verlaufen nicht nur zwischen extremistisch und rechtskonservativ. Sie verlaufen auch zwischen impulsiv und diszipliniert, plump und raffiniert.
Gerade um solche Kategorien geht es, wenn es um die Professionalisierung der Partei geht, die besonders der Vorsitzenden Alice Weidel sehr wichtig ist. Professioneller werden ist dabei kein Selbstzweck – die Partei soll auf diese Weise noch mehr Macht erlangen. Der Kurs ist grundsätzlich nicht umstritten; den meisten in der Partei leuchtet ein, dass es nützlich ist, wenn man möglichst vielen Deutschen als wählbare Partei erscheint. Was bedeutet: sich als Kraft der Mitte zu präsentieren statt als Extremisten vom rechten Rand. Dazu gehört, einen bodenständig wirkenden Spitzenkandidaten wie Ulrich Siegmund aufzustellen statt, wie vor einigen Jahren bei der EU-Wahl, den skandalumwitterten Provokateur Maximilian Krah.
Eine Gefahr sehen manche allerdings darin, sich zu sehr zu verändern. Professionalisierung dürfe nicht Anpassung an die etablierten Parteien bedeuten, finden sie. Und diese Frage beschäftigt die Generation Deutschland derzeit sogar mehr als die Mutterpartei.
Einerseits muss ihr an Professionalisierung besonders gelegen sein; ihre Vorgängerorganisation, die gesichert rechtsextreme Junge Alternative, war aufgelöst worden, um einem Verbot zuvorzukommen. Diesem Schicksal will die neue Parteijugend, in der viele alte Protagonisten aktiv sind, entgehen. Während die Junge Alternative im Auftritt eher aggressiv-aktivistisch gewesen war, bemüht sich der Bundesvorstand der Generation Deutschland nun um große Nähe zur AfD – allen voran ihr Vorsitzender, Jean-Pascal Hohm. Er sitzt auch im AfD-Bundesvorstand.
EU-freundlicher Antrag zurückgezogen
Andererseits will die Jugend tun, was Jugend allgemein tut: viel fühlen, gegen Regeln aufbegehren, Ältere das Fürchten lehren. Das führt dazu, dass die Generation Deutschland zwischen zwei Wegen wählen muss, die einander zwar gelegentlich kreuzen, aber doch in verschiedene Richtungen führen. Will sie mehr polarisieren oder weniger?
Auf dem Jahrestreffen am Wochenende brach die Debatte darüber offen aus. Sie entzündete sich an dem Leitantrag, den der Bundesvorstand der Parteijugend zuvor einstimmig beschlossen hatte und nun zur Abstimmung bringen wollte – in der Annahme, die eigenen Leute würden folgen. In dem Antrag wurde ein einiges Europa skizziert, das gemeinsam gegen illegale Migration kämpfe. Der Euro stehe man nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber, und der Euro habe den Binnenmarkt gestärkt. Das klang deutlich positiver, als es im Grundsatzprogramm der AfD klingt. Da steht, das „Experiment Euro“ solle geordnet beendet werden.
Hinter dem Leitantrag steht der Gedanke, dass auch die anderen Rechtsparteien Europas auf einem proeuropäischen Kurs sind. Mit ihnen will die Führung der Generation Deutschland sich noch intensiver als bisher vernetzen; gleich mehrere ausländische Vertreter sprachen Grußworte auf dem Jahrestreffen in Magdeburg. „Europaweite Remigration“, lautete denn auch eine bejubelte Forderung.
Doch Zugeständnisse – wie etwa die Akzeptanz des Euros – gehen vielen zu weit. Entsprechend überrascht war man auch in der Bundesspitze der AfD von dem Vorstoß der Jugend. Gerade erst hatte Weidel im Sommerinterview schließlich bekräftigt, dass die AfD aus dem Euro und aus Schengen aussteigen wolle. Anfang 2025 hatte sie noch die These vertreten, für einen Ausstieg aus dem Euro sei es „viel zu spät“. Aber mit solchen Feststellungen gewinnt die AfD keinen Blumentopf. Zeigt sie sich pragmatisch, wird das von einem großen Teil der Partei als Resignation verstanden. Und die Partei lebt nun einmal von der Erzählung, dass mit ihr alles anders werden könnte.
Auf der Versammlung der AfD-Jugend regte sich denn auch Widerstand gegen den Leitantrag. Kritiker verlangten Änderungen, es wurde hitzig. Am Ende musste der Vorstand seinen Antrag zurückziehen, um nicht zu riskieren, dass er in der Abstimmung durchfiel. Professionell war im Vergleich zu früheren Jahren zwar, dass es nicht zu einer Eskalation oder gar zum Abbruch der Veranstaltung kam. Aber einen klaren Kurs fand man eben auch nicht.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die Generation Deutschland wird weiterhin interne Debatten über ihren Kurs führen, ohne kurzfristig eine klare Richtung einzuschlagen.
Likely · Within months
Open Questions
- Wird die Generation Deutschland einen klaren Kurs zwischen Professionalisierung und Radikalität finden?
- Wie wird die AfD-Führung auf den Rückzug des proeuropäischen Antrags reagieren?
- Kann die Generation Deutschland ein Verbot vermeiden, während sie ihre radikalen Mitglieder behält?






