
AfD-Vertreter verbreiten rassistische Hetze gegen Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vor dem Nations-League-Spiel gegen Serbien, indem sie deren deutsche Zugehörigkeit aufgrund von Hautfarbe oder Migrationshintergrund infrage stellen, obwohl alle Spieler den deutschen Pass besitzen und in Deutschland aufgewachsen sind.
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Die AfD hat in der Vergangenheit migrationsfeindliche Äußerungen oft auf kriminelle Zuwanderer bezogen, doch aktuelle Aussagen gegen Nationalspieler offenbaren offenen Rassismus aufgrund von Hautfarbe und Namen, obwohl alle Spieler deutsche Staatsbürger sind und in Deutschland aufgewachsen sind.
Wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Abend zum Nations-League-Spiel gegen Serbien aufläuft , stehen die Chancen gut, dass unter AfD-Vertretern die Wut hochkocht. Nicht, weil Spieler Einsatzwillen oder Talent vermissen lassen würden, sondern wegen ihrer Hautfarbe. Oder ihres Nachnamens.
Seit Tagen hetzen hochrangige AfD-Funktionäre im Netz gegen den Kader des neuen Bundestrainers Jürgen Klopp. Auf mehreren sozialen Netzwerken sind Politikerinnen und Politiker der extremen Rechten aktiv, Äußerungen über einzelne Spieler sind zum Teil verletzend und grob beleidigend.
Normalerweise versuchen AfD-Politiker, zumindest den Anschein zu wahren, dass ihre migrationsfeindlichen Äußerungen auf kriminelle Zuwanderer zielen. Die neuen Entgleisungen aber offenbaren einen unverhohlenen Rassismus. Und der wird verteidigt, auch von Mitgliedern des Bundesvorstands.
Da ist etwa Kay Gottschalk, seit 2017 Mitglied im Bundestag und Mitbegründer der AfD. Er teilt auf X einen Tweet der Rechts-Influencerin Naomi Seibt. Die hatte zwei Fotos gepostet – eines der Weltmeister-Nationalmannschaft von 1990 und eines des aktuellen Kaders – und indirekt vom »Großen Austausch« geschrieben. Gottschalk steigt darauf ein, spricht dem aktuellen Kader das Deutschsein ab: »Charaktereigenschaften, bestimmte Tugenden und Teamgeist sind kulturelle Werte, die sich über Jahrhunderte ausbilden und durch gemeinsame geschichtliche Erlebnisse geprägt werden«, so der AfD-Politiker.
Immer wieder die Mär vom Austausch
Der »Großen Austausch« ist eine rechtsextreme Verschwörung, wonach angeblich politische und jüdische Eliten die Abschaffung weißer Deutscher planen. Migration ist in dieser Erzählung keine Flucht vor Krieg und Not und existenzieller Ausweglosigkeit, sondern ein gesteuerter Teil dieses angeblichen Austauschs.
Dass die Spieler angeblich keine Deutschen sein können, suggeriert auch Lena Kotré, brandenburgische Landtagsabgeordnete und Generalsekretärin der AfD-nahen »Erasmus-Stiftung Brandenburg«. »Wenn dich dieses Foto von der deutschen Nationalmannschaft irritiert, bist du ein Fall für den Verfassungsschutz«, schreibt sie ironisch zu einem Gruppenfoto des DFB-Teams vor dem Spiel gegen Griechenland.
Der niedersächsische GD-Aktivist Felix Wolf, rechter Influencer und ebenso Anhänger der »Bevölkerungsaustausch«-Erzählung, teilte ein Bild der Startaufstellung gegen Griechenland – mit Spielern wie Younes Ebnoutalib, Josha Vagnoman und Yann Aurel Bisseck. »Mit dieser Elf will Klopp den Nationalstolz ›von den Falschen zurückholen‹«, mokiert sich Wolf. »Ich denke, es wird beim Versuch bleiben.« Nun legte er vor dem Serbien-Spiel mit der neuen Aufstellung nach. »AfD wirkt«, tönte er – mutmaßlich, weil dieses Mal weniger Schwarze in der Startelf sind.
Hass auf Hautfarben
Im Vorfeld der AfD kommt der Hass gut an. Rechtsextreme Akteure beschreiben die Spieler im Netz als Ergebnis von »Interracialpornos« oder teilen KI-generierte Bilder von Verpackungen mit Schokoküssen, in denen nur noch einer mit weißer Schokolade überzogen ist.
Was stimmt: Der Anteil der Nationalspieler mit einem oder beiden Elternteilen nicht deutscher Herkunft wächst. Bei der Weltmeisterschaft der Männer im Sommer hatten laut Mediendienst Integration 14 von 26 Spielern, also 54 Prozent, eine Migrationsgeschichte. Bei der EM 2024 in Deutschland waren es 35 Prozent. Aber was die AfD-Einpeitscher unterschlagen: Die Nationalspieler haben allesamt den deutschen Pass, sie sind mehrheitlich in Deutschland geboren, allesamt hier aufgewachsen und arbeiten seit Jahren an ihrer Fußballerkarriere. Kein einziger Spieler aus Klopps Kader ist selbst nach Deutschland geflohen.
Dass es der AfD dennoch – angeblich – nicht um Hautfarben geht, versucht ausgerechnet ein Mitglied des Bundesvorstands auf X zu erklären. Stefan Möller, langjähriger AfD-Funktionär in Thüringen und enger Vertrauter von Björn Höcke, sitzt seit 2025 im Bundestag und seit diesem Sommer im Parteivorstand. Es gehe nicht um Rassismus, sondern um das Empfinden der eigenen Identität, behauptet er. Und bringt dann doch Hautfarben ins Spiel: Er sei als junger Mann in einem weißen Deutschland geprägt worden. »Diese Identität ändert sich nicht, bloß weil die herrschende Politik die Bevölkerungsstruktur durch eine Migrationspolitik wie von Sinnen umbaut«, so Möller.
Dass es nicht nur um die Abschiebung straffällig gewordener Asylbewerber geht, macht der Thüringer Parteikollege Christopher Drößler deutlich. Die AfD sei der letzte Versuch, noch einmal geordnete Verhältnisse herzustellen. Eine multiethnische Gesellschaft sei nicht so harmonisch wie eine Fußballmannschaft, twittert er. Und verlangt: »Remigration im gesetzlich maximal möglichen Umfang«.
In der Nationalmannschaft selbst hat man sich mit den hasserfüllten Tweets bisher wenig beschäftigt. So sagte es Nationaltrainer Jürgen Klopp am Donnerstag vor dem Spiel gegen Serbien. »Ich habe im normalen Leben für Dummheit wenig Zeit – und für die sozialen Medien auch nicht«, so Klopp. An jene, die im Netz Hass verbreiten, empfiehlt er, sich die Sport-Umkleide als Beispiel zu nehmen. »Da wird jeder aufgrund der richtigen Tatsachen respektiert und nicht aufgrund von falschen Meinungen diskreditiert. Punkt!
AI outlook — possibilities, not facts
Der DFB wird eine offizielle Stellungnahme gegen die rassistischen Angriffe veröffentlichen.
Likely · Within days
Die AfD-Führung wird interne Disziplinarmaßnahmen gegen besonders auffällige Hetzer erwägen.
Possible · Within weeks

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