AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt: Wahlkreise zeigen kulturellen Bruch und radikalisierte Kandidaten
Quick Look
- Der AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt mit 43,8 Prozent Zweitstimmen spiegelt einen kulturellen Bruch wider, besonders in südlichen Städten wie Staßfurt und Querfurt, wo die Partei über 50 Prozent erhielt.
- In Magdeburg und Halle schnitt sie schwächer ab.
- Direkt gewählte Kandidaten wie Phillipp-Anders Rau und Simon Lansmann sind wegen Fälschung, Pornobeteiligung, Diebstahl, Drogen und mutmaßlicher neonazistischer Aktivitäten unter Ermittlung.
AI-generated summary
Why It Matters
Die AfD zog 2016 erstmals in den Landtag von Sachsen-Anhalt ein und zeigte seitdem keinerlei Mäßigung. Der Verfassungsschutz stuft den Landesverband seit 2023 als gesichert rechtsextremen Bestrebung ein, nachdem er zuvor als Verdachtsfall galt. Die Radikalisierung nahm während der Corona-Pandemie zu.
Den kulturellen Bruch, den der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt markiert, bekommt man nur unzureichend in den Blick, wenn man lediglich auf ihr Ergebnis von 43,8 Prozent blickt. Dafür muss man die Landkarte etwas feiner auflösen und auf die Wahlkreise rund um kleinere Städte wie Staßfurt, Querfurt, Bernburg, Merseburg, Eisleben oder Zeitz blicken, in denen die AfD jeweils mehr als 50 Prozent der Zweitstimmen erhielt.
Es sind vor allem die in früheren Jahrhunderten wohlhabenden, nun aber besonders von der demographischen Krise geplagten Städte im Süden des Landes, in denen die AfD ihre besten Ergebnisse erzielte. In den beiden großen Städten Magdeburg und Halle schnitt die Partei deutlich schwächer ab, etwas schwächer auch in den ländlicheren Gegenden im Norden sowie rund um landschaftlich und touristisch attraktive Städte wie Quedlinburg oder Wernigerode im Nordharz.
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Aufschlussreich ist auch der Blick darauf, welche Direktkandidaten die örtliche Bevölkerung in den Landtag geschickt hat: Im Wahlkreis Zerbst, in dem die AfD 46,9 Prozent der Zweitstimmen gewann, wurde mit 48,1 Prozent der Erststimmen der AfD-Kandidat Phillipp-Anders Rau direkt in den Landtag gewählt. Es stimmte also fast jeder zweite Wähler für einen auch innerhalb der AfD nicht unumstrittenen, aber dennoch aufgestellten Bewerber, der sich einen Studienplatz mit einem gefälschten Abiturzeugnis erschlichen hat (Durchschnitt 1,0 statt in Wahrheit 3,5), in Pornofilmen mitwirkte, wegen Diebstahls verurteilt wurde, vor Gericht eine frühere Kokainabhängigkeit eingeräumt hat und nach Medienberichten auch bereits eine Privatinsolvenz hinter sich hat.
Ritual mit Tierhörnern und Lied der Hitlerjugend
Im Norden von Sachsen-Anhalt wurde mit 41,6 Prozent der Stimmen der AfD-Bewerber Simon Lansmann im Wahlkreis Salzwedel gewählt. Gegen Lansmann wird derzeit ermittelt, weil er sich an einer Fortführung der verbotenen neonazistisch-antisemitischen „Artgemeinschaft“ beteiligt haben soll. Im Juni hatte auf dem Privatgrundstück von Lansmann in Gardelegen eine pagane Zeremonie zur Sommersonnenwende stattgefunden, bei der nach einem „Spiegel“-Bericht auch ein Ritual mit Tierhörnern eine Rolle spielte. Zudem soll ein Lied der Hitlerjugend gesungen worden sein. Die Behörden haben den Verdacht, dass bei dem Treffen die verbotene „Artgemeinschaft“ wiederauflebte, von der sich Lansmann im Nachhinein dann ebenso distanzierte wie sein Parteifreund Sebastian Koch, der dort anwesend war und gegen den ebenfalls ermittelt wird.
Koch wurde im benachbarten Wahlkreis Gardelegen-Klötze mit 41,5 Prozent der Erststimmen direkt in den Landtag gewählt. Über den 39 Jahre alten AfD-Politiker hieß es im Bericht des Landesamts für Verfassungsschutz aus dem Jahr 2023, er tauche seit 2012 „konstant in rechtsextremistischen Zusammenhängen“ auf und habe an einer Vielzahl von Veranstaltungen wie „Heldengedenken“, Kranzniederlegungen oder Konzerten der neonazistischen Szene teilgenommen.
2023 stufte die Behörde den Landesverband auch zur „gesichert rechtsextremen Bestrebung“ hoch. Zuvor war die Partei als Verdachtsfall bewertet worden. Der Verfassungsschutz des Landes Sachsen-Anhalt begründete die Hochstufung unter anderem damit, dass sich die sachsen-anhaltische AfD im Verlauf der Corona-Pandemie weiter radikalisiert habe. 2016 ist die AfD erstmals in den Landtag eingezogen. Seitdem zeigte sie keinerlei Mäßigung. Auch bei den zahlreichen innerparteilichen Konflikten in dem Landesverband ging es zu keinem Zeitpunkt um ein Aufbegehren gegen die extremistischen, vom identitären bis ins neonazistische Spektrum reichenden Strömungen in den eigenen Reihen.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Der Verfassungsschutz wird weitere Ermittlungen gegen AfD-Kandidaten in Sachsen-Anhalt aufnehmen oder intensivieren.
Very likely · Within weeks
Die AfD in Sachsen-Anhalt wird innere Spannungen erfahren, wenn moderaten Mitgliedern der Druck durch rechtsextreme Strömungen zunimmt.
Likely · Within months
Open Questions
- Welche konkreten Schritte wird der Verfassungsschutz gegen die AfD in Sachsen-Anhalt unternehmen?
- Wie wird die Landes-AfD auf die laufenden Ermittlungen gegen ihre Kandidaten reagieren?
- Welche Auswirkungen hat der Wahlsieg auf die politische Landschaft in Sachsen-Anhalt langfristig?



