
Rund acht Monate nach ihrer Festnahme hat der Generalbundesanwalt Anklage gegen Ilona W. erhoben. Sie soll sensible Informationen an einen russischen Geheimdienstmitarbeiter übermittelt haben.
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Ilona W. wurde am 21. Januar vom Bundeskriminalamt festgenommen. Ihr wird geheimdienstliche Agententätigkeit für Russland vorgeworfen.
Rund acht Monate nach ihrer Verhaftung hat der Generalbundesanwalt die Berliner Geschäftsfrau Ilona W., 57, angeklagt.
In der 74-seitigen Anklageschrift wird der Deutsch-Ukrainerin nach SPIEGEL-Informationen »geheimdienstliche Agententätigkeit« für Russland vorgeworfen. Der zunächst im Raum stehende Verdacht der Spionage in »besonders schwerem Fall« hat sich dagegen offenbar nicht erhärtet.
Am 21. Januar hatten Beamte des Bundeskriminalamts Ilona W. in Berlin festgenommen. Zeitgleich gab es nach SPIEGEL-Recherchen Durchsuchungen bei zwei früheren Mitarbeitern des Bundesverteidigungsministeriums, mit denen W. in Kontakt gestanden haben soll.
Den Ermittlungen zufolge soll die PR-Unternehmerin seit November 2023 einen Kontaktmann in der russischen Botschaft in Berlin mit sensiblen Informationen versorgt haben. Bei dem Mann handelte es sich nach Erkenntnissen der deutschen Spionageabwehr um einen als Vizeattaché getarnten Offizier des russischen Militärgeheimdienstes GRU. Der vermeintliche Diplomat, Andrej M., musste Deutschland Anfang des Jahres verlassen.
Konkret wirft die Bundesanwaltschaft Ilona W. unter anderem vor, gezielt Informationen zu den Teilnehmern politischer Versammlungen in Deutschland gesammelt zu haben. Nach SPIEGEL-Recherchen soll sie etwa Details zum »NATO-Talk« im November 2023 im Berliner Luxushotel Adlon und dem Deutsch-Ukrainischen Wirtschaftsforum im Dezember 2025 in Berlin zusammengetragen haben. Damals saß Ilona W. nur wenige Meter hinter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.
Geheimdienstoffizier unter falschem Namen bei Bundeswehrtreffen?
Zudem soll die Deutsch-Ukrainerin im Februar 2024 ihren mutmaßlichen Agentenführer Andrej M. – unter falschem Namen – in eine Versammlung von Bundeswehrreservisten eingeschleust haben.
Seine mutmaßliche Agentin Ilona W. galt in Berlin als extrem umtriebig. Die PR-Unternehmerin betrieb nebenbei einen Verein zur Pflege der Völkerverständigung und tauchte seit Jahren immer wieder auf Empfängen oder Veranstaltungen auf, an denen auch Botschafter zahlreicher Staaten, hochrangige Diplomaten und bekannte Politikerinnen und Politiker teilnahmen. Dem Kuratorium ihres Vereins gehören namhafte Unternehmer sowie ehemalige Abgeordnete von SPD und CDU an.
W.s Strafverteidiger, der Berliner Rechtsanwalt Martin Schüßler, wollte sich auf SPIEGEL-Anfrage am Montag zunächst nicht zu den Vorwürfen der Anklage gegen seine Mandantin äußern. Im Frühjahr hatte W.s Verteidigung die Bundesanwaltschaft in einem Haftprüfungsantrag unter anderem für deren »weite Auslegung« des Straftatbestandes der geheimdienstlichen Agententätigkeit kritisiert.
Falls die Anklage zugelassen wird, soll der Prozess gegen Ilona W. vor einem Staatsschutzsenat des Berliner Kammergerichts stattfinden.
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Prozessbeginn vor dem Berliner Kammergericht bei Zulassung der Anklage
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