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BackAnschlag auf Umspannwerk in Bergheim: Ermittlungen wegen verfassungsfeindlicher Sabotage
Anschlag auf Umspannwerk in Bergheim: Ermittlungen wegen verfassungsfeindlicher Sabotage
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Die Zeit43 minutes agoCrime2 min readGermany

Anschlag auf Umspannwerk in Bergheim: Ermittlungen wegen verfassungsfeindlicher Sabotage

Quick Look

  • Unbekannte Täter haben am Dienstagabend einen Anschlag auf ein Umspannwerk in Bergheim bei Köln verübt, indem sie einen Draht gegen Stromleitungen schleuderten, um einen Kurzschluss auszulösen.
  • Dabei gingen zeitweise fünf Kraftwerksblöcke vom Netz.
  • Die Ermittlungen laufen wegen des Verdachts der verfassungsfeindlichen Sabotage, wobei sowohl fremdstaatlich gelenkte Sabotage als auch Linksextremismus als mögliche Motive geprüft werden.

AI-generated summary

Why It Matters

Der Anschlag auf das Umspannwerk in Bergheim ist Teil einer Serie mutmaßlicher Sabotageversuche an der Stromversorgungsinfrastruktur in Deutschland. Ähnliche Vorfälle wurden zuvor in Brandenburg gemeldet, wobei in beiden Fällen pyrotechnische Gegenstände verwendet wurden, um Kurzschlüsse an Höchstspannungsleitungen auszulösen.

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Es sind grelle Lichtblitze an den Stromoberleitungen eines Umspannwerks in Bergheim bei Köln, die am Dienstagabend die nordrhein-westfälische Polizei auf den Plan rufen. Schnell wird klar: Unbekannte Täter sollen dort einen Anschlag auf die kritische Infrastruktur verübt und einen Kurzschluss verursacht haben.

Parallelen im Vorgehen der Täter legen einen Zusammenhang mit einem ähnlich-gelagerten Angriff auf das Stromnetz in Südbrandenburg nahe. Im Rheinland gingen in Folge des Vorfalls zeitweise fünf Kraftwerksblöcke vom Netz.

Ermittlungen wegen verfassungsfeindlicher Sabotage

Es werde unter anderem wegen des Verdachts der verfassungsfeindlichen Sabotage ermittelt, sagte der Kölner Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer. Auch wenn nennenswerte Stromausfälle, die auf den Vorfall zurückzuführen sind, ausblieben, nehmen die Behörden das Geschehen sehr ernst: «Wir stufen die Tat als Anschlag auf die kritische Infrastruktur ein», sagte der Leitende Kriminaldirektor Michael Esser aus Köln. Ermittelt werde auf Hochtouren.

Noch während die Polizei tagsüber vor Ort Spuren und Beweise sicherte und die Behörden in enger Abstimmung mit den Betreibern an weiteren Kraftwerksstandorten die Sicherheitsmaßnahmen hochfuhren, trat in Düsseldorf NRW-Innenminister Herbert Reul vor die Presse: «Ein Umspannwerk ist ein Nervenzentrum für unseren Alltag. Wer da ran geht, der greift unser Land an», so der CDU-Politiker. Und: «Wir prüfen zwei Richtungen: fremdstaatlich gelenkte Sabotage und Linksextremismus.»

Ermittler: Keine Hinweise auf Motiv oder konkrete Täter

Die Ermittlungen stehen laut Staatsanwaltschaft und Polizei noch am Anfang: Es gebe weder Hinweise auf konkrete Täter, noch sei die Motivation der Unbekannten klar, sagte Kriminaldirektor Esser.

Dass dennoch schon frühzeitig von einer vorsätzlichen Tat ausgegangen wurde, liegt vor allem an den Spuren, die die Polizei sichern konnte: Der Kurzschluss sei ausgelöst worden, indem ein leitender Gegenstand, vermutlich ein Draht, an einem Zaun befestigt und gegen die Stromleitung geschleudert worden sei, schilderte die Polizei.

In einem Maisfeld an dem Umspannwerk fanden die Ermittler insgesamt sechs Abschussvorrichtungen, mit denen mittels pyrotechnischer Gegenstände der Draht über die Leitungen gebracht worden sein soll, wie Esser schilderte. Da es denkbar sei, dass sie bereits vor längerer Zeit unbemerkt auf das Feld gebracht worden seien, hoffe man nun auf Hinweise aus der Bevölkerung.

Handydaten und DNA-Spuren werden ausgewertet

Auch sollen mögliche DNA-Spuren an den Vorrichtungen gesichert werden, um den Tätern auf die Spur zu kommen, ergänzte Bremer. Zudem sollen Telekommunikationsdaten jener, die sich zur fraglichen Tatzeit in der Nähe befunden hätten, ausgewertet werden, so der Oberstaatsanwalt aus Köln.

Intensiv untersucht wird laut den Ermittlern auch ein Zusammenhang zu einem ganz ähnlichen Vorfall von Dienstag in Brandenburg. In beiden Fällen seien pyrotechnische Gegenstände gefunden worden. In dem Bundesland laufen ebenfalls Ermittlungen wegen Sabotage, nachdem Unbekannte nahe dem Kohlekraftwerk Jänschwalde versucht hatten, Kurzschlüsse an Höchstspannungsleitungen auszulösen. In zwei Fällen gelang das nach Behördenangaben.

Schutzmaßnahmen an weiteren Standorten verstärkt

Laut den nordrhein-westfälischen Ermittlern wurden infolge des Geschehens Schutzmaßnahmen an ähnlichen Objekten sicherheitshalber hochgefahren. Seit der Nacht hatten Hubschrauber das Gelände in Bergheim weiträumig von der Luft aus abgesucht. Auch am Boden seien zahlreiche Kräfte der Hundertschaft im Einsatz gewesen, um nach Beweismitteln zu suchen. Drohnen, die über den Kraftwerken gesichtet worden seien, gehörten nach aktuellem Erkenntnisstand aber den Netzbetreibern und würden von ihnen zur Überwachung eingesetzt, so die Ermittler.

Ministerin: Energieversorgung bleibt im Takt

Für die umliegenden Haushalte blieb der Anschlag auf das Umspannwerk des Energieversorgers Amprion aber offenbar folgenlos. Zwar waren nach Angaben des Kraftwerkbetreibers RWE Power zeitweise fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke von RWE an den zwei Standorten Bergheim und Grevenbroich vom Netz gegangen. Die eingespeisten Mengen im Stromnetz für die Versorgung seien aber vom Übertragungsnetzbetreiber Amprion aus anderen Bereichen herangezogen worden. Die Stromversorgung sei daher nicht beeinträchtigt, hieß es von dem Energieunternehmen.

Nach und nach sollten die abgestellten Blöcke wieder in Betrieb genommen werden. So waren im Tagesverlauf bereits drei Blöcke in Betrieb genommen worden. Für die übrigen zwei Blöcke sei mit einer Wiederinbetriebnahme im Laufe des kommenden Wochenendes zu rechnen, teilte RWE Power mit.

«Je nachdem, in welchem Betriebszustand die Anlagen zur Zeit des Ausfalls waren, sind unterschiedliche Maßnahmen für die Wiederinbetriebnahme erforderlich», erklärte ein RWE-Sprecher. Dazu gehöre unter anderem, dass wichtige Komponenten zunächst vollständig auskühlen müssen, bevor sie wieder in Betrieb genommen werden können. «Daraus resultieren dann auch unterschiedliche Zeitpunkte.»

Ermittler wollen sich vernetzen

NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) lobte die professionelle Reaktion von Amprion und RWE. Sie hätte gezeigt: «Unsere Energieversorgung ist robust. Wer auch immer hinter diesem Vorfall steckt: Er hat sich an unseren Profis die Zähne ausgebissen und unsere Energieversorgung nicht aus dem Takt gebracht.» Umspannwerke sind zentral für die Stromversorgung und gehören zu den empfindlichsten Punkten im Stromnetz.

In der Vergangenheit gab es bundesweit eine Reihe weiterer mutmaßlicher Sabotageversuche an Anlagen der Stromversorgung. Die betroffenen Länder wollen sich nun stärker vernetzen.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Die Ermittlungen werden auf mögliche Verbindungen zu linksextremistischen Gruppen ausgeweitet.

    Likely · Within weeks

  • Die Sicherheitsmaßnahmen an kritischen Energieinfrastrukturen werden bundesweit verschärft.

    Very likely · Within days

Open Questions

  • Wer sind die Täter des Anschlags?
  • Was war das genaue Motiv hinter der Tat?
  • Gab es Verbindungen zu fremdstaatlichen Akteuren?
  • Wurden die gefundenen Abschussvorrichtungen längerzeitig platziert?

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This article was originally published by Die Zeit.

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