Antisemitische Vorfälle in Sachsen-Anhalt gestiegen
Die Zahl der antisemitischen Vorfälle in Sachsen-Anhalt ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Insgesamt registrierte die Recherche- und Informationsstelle für Antisemitismus (Rias) in dem Bundesland 270 Bedrohungen, Sachbeschädigungen und körperliche Gewalt gegen Jüdinnen und Juden und damit ein Drittel mehr als noch 2024 (202 Fälle).
Das seit zweieinhalb Jahren andauernde hohe Niveau antisemitischer Vorfälle beeinträchtige »das Sicherheitsgefühl vieler Jüdinnen und Juden immens und beeinflusst ihren Umgang mit der eigenen jüdischen Identität nachhaltig«, teilte Rias mit. Im Schnitt seien der Meldestelle fünf antisemitische Vorfälle pro Woche bekannt geworden.
Mehr als verdoppelt haben sich den Angaben nach antisemitische Vorfälle mit direktem Bezug zum Krieg im Nahen Osten: Ihre Zahl sei im Jahresverlauf von 52 auf 111 angestiegen. Dabei wurde tatsächliches oder vermeintliches Handeln des Staates Israel wiederholt zum Anlass genommen, um Jüdinnen und Juden in Sachsen-Anhalt anzufeinden oder anzugreifen.
Immer mehr Juden scheuen sich Rias zufolge, einen Davidstern oder eine Kippa erkennbar zu tragen. »Antisemitismus hat viele Gesichter – doch keins ist harmlos. Die aktuellen Zahlen zeigen eine alarmierende Enthemmung, auch in Sachsen-Anhalt«, sagte die Vorsitzende des Landesverbandes jüdischer Gemeinden, Inessa Myslitska. »Die antisemitischen Vorfälle sind Beweise für Menschenverachtung, für Lüge, Leugnung und Hass«, sagte der Antisemitismusbeauftragte des Landes, Wolfgang Schneiß. Niemals dürfte man sich daran gewöhnen.

