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BackAudi plant mögliches US-Werk zur Entlastung vom Zoll
Audi plant mögliches US-Werk zur Entlastung vom Zoll
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Audi plant mögliches US-Werk zur Entlastung vom Zoll

Der VW-Aufsichtsrat berät über die Nordamerika-Strategie der Ingolstädter Premiumtochter.

Quick Look

  • Der VW-Aufsichtsrat berät über Audis Nordamerika-Strategie.
  • Um hohen US-Zöllen zu entgehen, prüft der Autobauer den Bau eines eigenen US-Werks für große SUVs, während gleichzeitig die heimische Auslastung schwächelt.

AI-generated summary

Why It Matters

Audi importiert Autos für den US-Markt aus Europa und Mexiko, was zu Milliardenverlusten durch Zölle führt. Gleichzeitig leidet das Stammwerk in Ingolstadt unter schwacher Nachfrage nach Elektro-Modellen.

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Düsseldorf. Für Audi-Chef Gernot Döllner steht am heutigen Freitag ein wichtiger Termin an. Vor dem Wochenende berät the Aufsichtsrat des Volkswagen-Konzerns nach Handelsblatt-Informationen über die Nordamerika-Strategie des zweitgrößten Autokonzerns der Welt. Im Zentrum steht ein Plan, der Audi unabhängiger von US-Zöllen machen soll: Die Marke könnte Anfang der 2030er-Jahre große SUVs in einem eigenen amerikanischen Werk bauen.

Demnach sei geplant, alle großen, in den USA beliebten SUV-Modelle, die derzeit im slowakischen Bratislava produziert werden, in einem US-Werk zu bauen. Dabei würde es sich um die Modelle Q9 und Q7 handeln, die dieses Jahr neu aufgelegt wurden. „In Bratislava wird noch die aktuelle Generation von Q9 und Q7 gebaut. In einem neuen US-Werk von Audi könnten dann Anfang der 2030er-Jahre die Facelifts der jeweiligen Modelle gefertigt werden“, sagt eine mit den Vorgängen vertraute Person. Audi wollte die Pläne nicht kommentieren.

Das Thema eines neues Werkes in den USA begleitet Audi bereits seit Jahren. Das Handelsblatt hatte mehrfach darüber berichtet. Im Gegensatz zu den direkten Konkurrenten BMW und Mercedes hat die Premiumtochter von Volkswagen kein eigenes Werk in den USA. Audi importiert die Autos für den US-Markt aus Europa und Mexiko. Für beide Regionen gilt ein Zoll in Höhe von 15 beziehungsweise 25 Prozent. Seit Inkrafttreten der Zölle brockt das US-Geschäft Audi Milliardenverluste ein.

Aber auch eine neue Fabrik wäre teuer. Allein ein Neubau würde nach Schätzungen aus Konzernkreisen drei bis vier Milliarden Euro verschlingen. Und bei Audi ist wie im gesamten Konzern eigentlich gerade Krise angesagt.

Erschwerend kommt für Döllner hinzu, dass seinem Stammwerk in Ingolstadt die Arbeit auszugehen droht. Hält die schwache Entwicklung an, könnten dort in diesem Jahr nur rund 325.000 Fahrzeuge vom Band laufen, berichten Insider. Weniger Fahrzeuge hatte Audi in Ingolstadt nur während der Hochphase der Coronapandemie im Jahre 2021 gebaut.

Eigentlich schafft das Werk locker 450.000 Autos. Die Auslastung läge damit bei rund 72 Prozent. Suboptimal. Vor einem Sparvorhaben 2019 lag die jährliche Produktionskapazität in Ingolstadt sogar bei 600.000 Fahrzeugen. Zu den konkreten Produktionszahlen für das laufende Jahr wollte sich Audi auf Anfrage nicht äußern.

Zu schaffen macht Audi die schwache Nachfrage nach Elektromodellen wie dem A6 e-tron und dem Q6 e-tron, die beide in Ingolstadt gefertigt werden. Beim Q6 e-tron macht sich derzeit vor allem das Angebot der Konkurrenten BMW und Mercedes bemerkbar, heißt es aus Konzernkreisen. Die kürzlich aufgelegten Elektro-SUVs GLC und iX3 machen Audi die Kundschaft streitig.

Dem Q6 e-tron werden nun die jahrelangen Verzögerungen in der Entwicklung zum Verhängnis. Das Fahrzeug kam 2024 mit fast dreijähriger Verspätung auf den Markt. Sowohl technisch als auch optisch wirkt Audis Modell im Vergleich zum Angebot von Mercedes und BMW wie in die Jahre gekommen. Bei einem ähnlichen Preisniveau greifen die Kunden daher verstärkt auf die „frischeren“ Modelle der Stuttgarter und Münchener zu.

So gibt es etwa für den BMW aktuell über 100.000 Vorbestellungen. Zum Vergleich: Seit Markteinführung vor rund zwei Jahren hat Audi weltweit ohne China, wo der Q6 e-tron vor Ort gefertigt wird, gerade einmal rund 129.000 Q6 e-trons verkauft, wie Zahlen des Datenanbieters Marklines zeigen.

Betriebswirtschaftlich würde eine Erhöhung der Kapazitäten mit einem Werk in den USA folglich keinen Sinn ergeben. Die allgemeine Unterauslastung der Produktion von Audi würde damit nur verschärft, sagen Kritiker. „Wir müssen zunächst einmal schauen, dass wir unsere bestehenden Werke in Deutschland und Europa anständig auslasten. Erst wenn wir das hinbekommen, sollten wir über eine Produktion in den USA nachdenken“, sagt ein Entscheidungsträger.

Audi-Chef Döllner und Produktionsvorstand Gerd Walker stecken hier aber in einem Dilemma. Denn Audis Wachstumsstrategie ist eng an einen wachsenden US-Absatz gekoppelt. Die weiterhin bestehenden Einfuhrzölle und der aktuell einbrechende Pkw-Markt in China erhöhen zusätzlich den Druck auf Audi, das US-Engagement auszubauen.

Von Januar bis August hat Audi in den USA gerade einmal 94.000 Fahrzeuge abgesetzt, fast 18 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Abstand zu BMW und Mercedes ist gigantisch. BMW hat im selben Zeitraum rund 253.000 Pkw zugelassen, Mercedes kommt auf 224.000. Audi-Chef Gernot Döllner drängt deswegen seit Monaten Wolfsburg dazu, Investitionsmittel für den Bau eines eigenen Audi-Werks freizugeben, um den Anschluss an die direkten Konkurrenten nicht zu verlieren.

Für das US-Geschäft von Audi liegen weiterhin alle Optionen auf dem Tisch. Möglich ist der Bau eines eigenen neuen Werks, die Fertigung im Scout-Werk oder die Erweiterung des VW-Werks in Chattanooga. Angepeilt ist eine jährliche Produktionskapazität von rund 150.000 Stück. Voraussetzung allerdings ist weiterhin ein Entgegenkommen der US-Regierung bei den Zöllen im Falle eines milliardenschweren Investments des Volkswagen-Konzerns in den USA, sagen Personen mit Kenntnis der Vorgänge.

Eine Audi-Fabrik in den USA könnte jedoch das Ende des zweiten deutschen Audi-Werks in Neckarsulm besiegeln. Für das Werk, in dem Audi derzeit ausschließlich die Verbrenner A5, A6 und A7 fertigt, gibt es Stand jetzt nur bis zum Jahr 2034 eine Modellbelegung.

Denn im Zuge der verschärften Sparpläne hat Volkswagen-Chef Oliver Blume der Audi-Markengruppe Progressive ein Sparziel vorgegeben, das, wenn es nur über den Abbau von Arbeitsplätzen erreicht werden würde, die Streichung von rund 10.000 Stellen vorsieht.

Audi steht im Rahmen des Sparvorhabens zwar frei, das „Kostenäquivalent“ auch über andere Wege zu erreichen, etwa den Verkauf von Anteilen oder niedrigere Investitionen. Doch angesichts der Höhe des Sparziels bei gleichzeitig möglichen Milliardeninvestitionen in den USA dürfte sich der Handlungsspielraum für den Erhalt des Werks in Neckarsulm drastisch verkleinern.

So dramatisch ist die Lage in Ingolstadt noch nicht. Doch auch im Hauptwerk gilt nur noch das Prinzip Hoffnung. Und das ist eng gekoppelt an ein neues Modell, das dort nun gefertigt wird: der A2 e-tron. Mit dem kompakten Elektrowagen will Audi an das legendäre Ur-Verbrennermodell aus dem Jahre 1999 anknüpfen, das zur damaligen Zeit mit Aluminiumkarosserie und extrem niedrigem Luftwiderstandswert technische Maßstäbe gesetzt hatte. Der A2 e-tron könnte mit einem Basispreis von unter 40.000 Euro mehr Kundschaft anlocken. Mit dem Audi-Einstiegsmodell könnte dann zumindest ein Teil der sinkenden Q6-e-tron-Nachfrage aufgefangen werden.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Entscheidung des Aufsichtsrats über die Nordamerika-Strategie

    Likely · Within days

Open Questions

  • Wird der VW-Aufsichtsrat die Mittel für das US-Werk freigeben?
  • Wie reagiert die US-Regierung auf mögliche Investitionen bezüglich der Zölle?
  • Welche Konsequenzen hat dies konkret für das Werk in Neckarsulm?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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