
Um hohe Zölle zu umgehen und Verluste zu stoppen, plant Audi ein neues Werk in Georgia und verhandelt in Washington über Staatshilfen.
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Audi verliert in den USA stark an Boden und leidet unter hohen Einfuhrzöllen von bis zu 25 Prozent. Ein geplanter Ausbau des VW-Werks in Chattanooga wurde wegen der Gewerkschaft UAW verworfen.
Der Autohersteller Audi verliert in den USA ein Vermögen. Jetzt soll ein Milliardenprojekt helfen, die Wende einzuleiten. Doch der mögliche Deal mit der US-Regierung in Washington ist noch offen.
Audi plant den Bau einer Fabrik in Georgia, um Zölle für den Import von Fahrzeugen in die USA zu vermeiden.
Das Milliardenprojekt hängt von Verhandlungen mit der US-Regierung über staatliche Förderung und Zollerleichterungen ab, die der VW-Konzern als Voraussetzung für das Investment fordert.
Ein Ausbau des bestehenden VW-Werks in Chattanooga wurde verworfen, auch aufgrund der Erstarkung der US-Autogewerkschaft United Auto Workers bei Volkswagen.
Die Produktion großer SUV-Modelle von Audi soll künftig in den USA erfolgen, was Kapazitäten in europäischen Werken freimachen könnte und für die Fabrik der VW-Tochter in Neckarsulm einen möglichen Rückschlag darstellt.
New York, Düsseldorf. Seinen letzten großen US-Auftritt hatte Audi-Chef Gernot Döllner vor gerade einmal zwei Monaten. Mitte August präsentierte der Audi-Boss in New York den neuen Q9, ein Riesen-SUV, mit dem die Ingolstädter wieder zu BMW und Mercedes-Benz aufschließen wollen.
Für die PR-Bilder fuhr Döllner gemeinsam mit seinem Amerikachef Vito Paladino durch den frühmorgendlichen New Yorker Nebel über die Brooklyn Bridge. „Big Audi meets Big Apple“, frohlockte die Konzernkommunikation.
Zur Wahrheit gehört allerdings: Selbst das eigens für amerikanische Kunden entwickelte XXL-SUV muss Audi derzeit kostspielig aus der Slowakei importieren – und dafür hohe Zölle zahlen.
Das könnte sich in Zukunft ändern. Denn nach anderthalb Jahren des Ringens könnte sich eine Lösung für Audis US-Problem abzeichnen. Ein bislang geheim gehaltener Zwei-Stufen-Plan könnte Döllners Leben an einigen Stellen leichter machen, aber auch neue Reibereien in Audis Heimat provozieren.
So berichten Konzern- und Managementkreise dem Handelsblatt, dass Audi den Bau eines neuen Werks in Georgia plane. Das Projekt sei weit fortgeschritten. Einen Beschluss gibt es nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen bislang weder bei Audi noch im VW-Konzern. Eine Audi-Sprecherin lehnte einen Kommentar ab.
Außerdem ist eine Art „Sofortmaßnahme“ geplant. Demnach dürfte Audi im Scout-Werk in South Carolina eigene Autos auf Scout-Basis bauen. Die Fabrik in Blythewood steht kurz vor der Fertigstellung.
Volkswagen hatte die US-Traditionsmarke Scout 2021 übernommen und will unter dem Markennamen speziell für den US-Markt entwickelte Pick-ups und SUV vertreiben. Bei dem Audi-Modell könnte es sich um ein großes SUV handeln, Arbeitstitel: „Hardqore“. Das Handelsblatt hatte darüber berichtet.
Das Scout-Werk ist auf eine jährliche Produktion von rund 250.000 Fahrzeugen ausgelegt. Angesichts der Zölle ergebe eine erweiterte Produktion in den USA auf jeden Fall Sinn, so ein Insider.
Milliardenprojekt hängt an Verhandlungen mit der US-Regierung
Sowohl Georgia als auch South Carolina werden von Republikanern regiert. In Georgia baut zudem bereits ein VW-Partner: Der US-Elektroautobauer Rivian errichtet dort ein Werk mit einer geplanten Kapazität von bis zu 300.000 Fahrzeugen.
Volkswagen und Rivian hatten 2024 ein milliardenschweres Joint Venture gegründet. Ursprünglich ging es darum, die damaligen Softwareprobleme von Volkswagen zu überwinden. Eine Erweiterung der Partnerschaft hatten sich beide Seiten aber stets offengehalten.
Noch allerdings hängt Audis Milliardenprojekt an einer Einigung mit der Regierung von US-Präsident Donald Trump. Schon im vergangenen Jahr hatte VW versucht, mit Washington einen Zolldeal auszuhandeln – vergeblich.
Nun aber wittern einige Verantwortliche, insbesondere bei Audi, eine neue Chance: Die Zwischenwahlen im November könnten den Druck auf Trump erhöhen, mit neuen Industrieinvestitionen und amerikanischen Arbeitsplätzen zu punkten.
Für die entscheidende Verhandlungsphase reiste deshalb die Audi-Spitze nach Washington. Nach Informationen des Handelsblatts aus Konzernkreisen führten Audi-Chef Döllner und Aufsichtsratschef Manfred Döss dort in dieser Woche persönlich Gespräche.
VW-Konzernchef Oliver Blume, der sich in der Vergangenheit wiederholt selbst in die Verhandlungen eingeschaltet hatte, soll diesmal nicht dabei gewesen sein. Ob Döllner und Döss einen Durchbruch erzielen konnten, ist bislang nicht bekannt.
Volkswagen hatte staatliche Unterstützung zur Voraussetzung für das Milliardeninvestment gemacht. In Washington wird deshalb nicht nur über die Fabrik, sondern auch über finanzielle Anreize und mögliche Zollerleichterungen verhandelt. Entscheidend sei nicht allein, wie viele Milliarden Dollar investiert würden, sondern vor allem, was der Konzern dafür zurückbekomme, sagt eine mit den Vorgängen vertraute Person.
Wie teuer die US-Pläne insgesamt werden, ist bislang nicht bekannt. Zwar dürften staatliche Fördermittel einen Teil der Kosten tragen. Die Ausstattung der Fabrik mit Maschinen und anderen Produktionsanlagen müsste der Konzern aber zumindest teilweise selbst finanzieren.
In Volkswagens laufender Investitionsplanung ist das Vorhaben bislang nicht budgetiert. Die Verabschiedung der Planungen für die kommenden fünf Jahre dürfte sich wegen interner Streitigkeiten bis ins nächste Jahr verzögern, wie das Handelsblatt berichtet hatte.
Erweiterung von VW-Werk in Chattanooga vom Tisch
Die Audi-Investition könnte damit Teil einer umfassenderen Verständigung zwischen Wolfsburg und Washington werden. Auch vonseiten der Bundesstaaten dürfte Geld fließen.
Während eine neue Fabrik erst mittelfristig Wirkung entfalten dürfte, könnten Zollerleichterungen Audi unmittelbar entlasten – und die in den USA vertretenen Marken Volkswagen und Porsche womöglich gleich mit. Ob und in welchem Umfang Trump zu so einem Deal bereit wäre, ist bislang offen. Der gesamte Deal dürfte damit stehen oder fallen.
Eine lang diskutierte Option scheint derweil vom Tisch: der Ausbau des bestehenden VW-Werks in Chattanooga, Tennessee. Nach Informationen aus Konzernkreisen spielte dabei auch die erstarkte US-Autogewerkschaft United Auto Workers (UAW) eine wichtige Rolle.
Sie hatte sich 2024 erstmals bei Volkswagen durchgesetzt und im Februar 2026 einen Tarifvertrag geschlossen, der den Beschäftigten Lohnerhöhungen von insgesamt 20 Prozent sowie weitere Vergünstigungen zusichert.
Die Entscheidung gegen Chattanooga kann deshalb auch als Signal an die Arbeitnehmervertretung verstanden werden. Erst am Montag war bekannt geworden, dass Volkswagen erwägt, weltweit die Gehälter der Beschäftigen für die nächsten Jahre einzufrieren.
Für Audi-Chef Döllner wäre eine Einigung Befreiungsschlag und Schadenbegrenzung zugleich. Rund eine Milliarde Euro hat Audi nach Handelsblatt-Informationen allein im vergangenen Jahr in den USA eingebüßt. Für 2026 rechnen Audi-Kreise mit weiteren 800 Millionen Euro Verlust.
Anders als BMW und Mercedes-Benz verfügt Audi über keine eigene Fertigung in den USA. Für Einfuhren aus der EU gelten Zölle von 15 Prozent. Beim Bestseller Q5 aus Mexiko greift grundsätzlich ein Sonderzoll von 25 Prozent.
In den ersten neun Monaten dieses Jahres brachen die Zulassungen von Audi in den USA um mehr als 16 Prozent auf rund 108.000 Fahrzeuge ein. Es ist der tiefste Wert in der Region seit 2012. Selbst während der Dieselkrise 2015 und der Coronajahre 2020 bis 2022 hat Audi mehr Autos in den USA verkauft als derzeit.
Die neue US-Fabrik dürfte allerdings die Lage an Audis europäischen Standorten verschärfen. In den USA sollen nach bisherigen Planungen vor allem große SUV wie Q9 und wahrscheinlich auch Q7 vom Band laufen. Diese Modelle werden aktuell in der slowakischen Hauptstadt Bratislava gefertigt.
Als Facelifts könnten beide Modelle ab den 2030er-Jahren im Werk in Georgia gebaut werden. Sowohl Q9 als auch Q7 sollen als Facelifts mit der neuen VW-Konzernsoftware „SDV 1.0“ ausgestattet werden, die VW derzeit gemeinsam mit Rivian entwickelt.
US-Fertigung in Georgia wäre ein Rückschlag für Neckarsulm
Platz für ein solches Werk hätte Georgia, zum Beispiel in Peach County. Bei Fort Valley liegt die „Middle Georgia Mega Site“, ein rund 620 Hektar großes Gelände, das überwiegend der örtlichen Entwicklungsbehörde gehört. Vermarktet wird die Fläche ausdrücklich an Hersteller von Autos und Baumaschinen; die Pläne weisen Platz für eine Teststrecke aus.
Vor Ort werben die Behörden bereits gezielt um einen großen Anbieter: Im Mai gründeten Peach County, Houston County und Macon-Bibb dafür eine gemeinsame Entwicklungsbehörde. Jedes der drei Countys sagte bis zu sieben Millionen Dollar für Vermarktung und Erschließung zu. Einen konkreten Namen hat keiner der Verantwortlichen genannt. Ob es Audi wird, geht bislang aus keinem öffentlichen Dokument hervor.
Eine Verlagerung von Audis SUV-Modellen hätte Folgen für das europäische Produktionsnetz. Wandern Q7 und Q9 aus Bratislava in die USA ab, könnten dort Kapazitäten frei werden. Eine Möglichkeit wäre, diese mit Baureihen aus dem deutschen Audi-Werk Neckarsulm aufzufüllen, wo unter anderem A5 und A6 entstehen. Auch Modelle anderer VW-Marken aus deutschen Werken kommen infrage. Entschieden ist noch nichts.
AI outlook — possibilities, not facts
Verzögerung der VW-Investitionsplanung bis ins nächste Jahr
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