Bakterien im Klassenzimmerstaub mit eingeschränkter Lungenfunktion bei Kindern verbunden
Quick Look
- Eine Studie der Universität Ferrara fand einen Zusammenhang zwischen bestimmten Bakterien im Staub von Klassenzimmern und einer leicht eingeschränkten Lungenfunktion bei Kindern.
- Experten betonen die Bedeutung guter Raumluftqualität durch Belüftung und Feuchtigkeitskontrolle statt steriler Umgebungen.
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Why It Matters
Während der Corona-Pandemie wurde in Deutschland intensiv über die Luftqualität in Klassenzimmern diskutiert, wobei das Umweltbundesamt häufiges Lüften und feste Lüftungsanlagen empfahl. Viele Schulen setzten jedoch auf mobile Luftreiniger statt fester Anlagen.
Bestimmte Bakterien im Staub von Klassenzimmern stehen mit einer leicht eingeschränkten Lungenfunktion von Kindern in Verbindung. Das ergab eine Analyse von Forschern der italienischen Universität Ferrara, die jetzt zunächst auf dem Kongress der European Respiratory Society (ERS) in Barcelona vorgestellt wurde; in einem Fachjournal erschienen ist diese sogenannte Sinphonie-Studie bislang noch nicht.
Das Team um den Biostatistiker Soutrik Banerjee hatte Daten aus 22 europäischen Ländern und rund 300 Klassenzimmern untersucht. Einzelauswertungen für die Länder wurden nicht erstellt. Erfasst wurde für die Zimmer die Belastung mit Bakterien der Gruppen Streptomyces und Mycobacterium.
„Die Bakterien können entweder eine direkte biologische Wirkung haben oder sie können Indikatoren für andere Faktoren der Raumluft sein, die die Lungenfunktion beeinflussen“, sagt Banerjee.
Alexander Möller, Professor für pädiatrische Pneumologie am Universitäts-Kinderspital Zürich und Mitglied der European Respiratory Society, warnte davor, Schulen jetzt zu sterilen Umgebungen machen zu wollen. „Vielmehr sollten Schulen den Fokus auf eine gute Raumluftqualität legen: ausreichende Belüftung, Bekämpfung von Feuchtigkeit und Schimmel, regelmäßige Reinigung und ordnungsgemäße Gebäudeinstandhaltung.“
Die Studie lege nahe, dass entsprechende Investitionen gut angelegtes Geld seien, sagte Möller, der selbst nicht an der Studie beteiligt war.
In Corona-Zeiten wurde viel gelüftet
Über die Luft in Klassenzimmern war in Deutschland während der Corona-Pandemie viel diskutiert worden. Das Umweltbundesamt (UBA) empfahl, zur Verminderung der Ansteckungsgefahr auch im Winter in kurzen Abständen gut zu lüften.
Zudem wurde zu fest installierten Lüftungsanlagen geraten. Sie ließen nicht nur die Menge an Krankheitserregern in der Raumluft sinken, sondern auch die Konzentration von Kohlendioxid und ausgedünsteten Schadstoffen. Vielerorts waren aber lediglich mobile Luftreiniger zum Einsatz gekommen, wenn überhaupt.
Zwar wurden seit 2020 mehr fest installierte Lüftungsanlagen an Schulen nachgerüstet als in den Jahren davor, auch wegen spezieller Förderprogramme. Bestandsaufnahmen zeigen aber, dass der Großteil der Schulgebäude in Deutschland weiterhin keine Lüftungsanlagen besitzt.
Open Questions
- Welche konkreten Konzentrationen der Bakteriengruppen Streptomyces und Mycobacterium wurden in den Klassenzimmern gemessen?
- Wie genau wurde die Lungenfunktion der Kinder in der Studie ermittelt?
- Gibt es regionale Unterschiede in der Bakterienbelastung zwischen den 22 untersuchten europäischen Ländern?



