BioNTech schließt drei deutsche Standorte: 1.800 Arbeitsplätze betroffen
Nach erfolgloser Suche nach Käufern werden die Werke in Marburg, Tübingen und Idar-Oberstein bis 2028 geschlossen.
Quick Look
- BioNTech schließt seine Standorte in Marburg, Tübingen und Idar-Oberstein, da sich keine Käufer fanden.
- Rund 1.800 Mitarbeiter sind betroffen.
- Das Unternehmen fokussiert sich künftig stärker auf die Krebsforschung und reagiert auf sinkende Impfstoffnachfrage.
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Why It Matters
BioNTech kämpft mit sinkender Nachfrage nach Covid-19-Impfstoffen und hohen Kosten. Das Unternehmen richtet seine Strategie auf die Onkologie und mRNA-basierte Immuntherapien aus.
Die monatelange Suche nach Käufern war erfolglos: Die drei deutschen BioNTech-Standorte im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein, im hessischen Marburg und in Tübingen in Baden-Württemberg werden schließen. Dass Verkäufe der Werke nicht realisiert werden konnten, liege im Wesentlichen an dem aktuell schwierigen Markt- und Investitionsumfeld, erklärte BioNTech.
In Tübingen soll nach Unternehmensangaben nun Ende 2027 Schluss sein, in Marburg Anfang 2028 und in Idar-Oberstein Ende 2028. Betroffen sind nach Unternehmensangaben rund 1.800 Beschäftigte. Um die Standortschließungen sozialverträglich zu gestalten, seien mit dem Konzernbetriebsrat ergänzende Abfindungskonditionen vereinbart worden. Details dazu nannte BioNTech zunächst nicht.
Verkaufsgespräche blieben erfolglos
Dass BioNTech die drei Standorte nicht weiter betreiben will, hatten die Mainzer schon im Frühjahr bekanntgegeben. Sie begründeten das mit einer zu geringen Auslastung, Überkapazitäten, Kosteneinsparungen sowie dem Fokus auf der Krebsmedizin.
Interne Experten und professionelle Makler hätten die Verkäufe der Standorte ausgelotet, erklärte BioNTech. Es seien internationale, nationale und mittelständische Firmen und Investoren angesprochen worden, die unter anderem in der Herstellung von mRNA, Antikörpern und Plasmiden sowie in der Zell- und Gentherapie tätig seien. Für alle Standorte habe es Prüfungen und vertrauliche Gespräche gegeben, zum Abschluss kam es in den Fällen von Marburg, Tübingen und Idar-Oberstein nicht.
Anders war das bei der Tochtergesellschaft JPT Peptide Technologies GmbH in Berlin, einem Anbieter von Dienstleistungen für die Forschung, Entwicklung und Analyse von Peptiden. Das sind kurze Ketten aus Aminosäuren. Die Belegschaft mit rund 130 Stellen wurde von der Dubag Group mit Sitz in München übernommen.
Curevac-Gründer wirft Täuschung vor
In dem Marburger Werk wurden bislang Covid-19-Impfstoffe auf mRNA-Basis sowie Plasmid-DNA, ein wichtiges Ausgangsmaterial für mRNA-Impfstoffe und Zelltherapien, hergestellt. Es befindet sich auf dem Gelände der historischen Behringwerke in Marburg. BioNTech hatte es einst vom Schweizer Pharmakonzern Novartis übernommen und Millionen investiert.
In Idar-Oberstein werden unter anderem Therapeutika für frühe klinische Entwicklungsphasen produziert, und beim Standort in Tübingen handelt es sich um den Sitz von CureVac, den einstigen Konkurrenten im Rennen um einen Corona-Impfstoff. Im Sommer 2025 hatte BioNTech dessen Übernahme angekündigt, die milliardenschwere Transaktion zog sich über Monate hin.
CureVac-Gründer Ingmar Hoerr warf BioNTech nach der Ankündigung der Werksschließungen Täuschung vor. Bei der Übernahme von CureVac sei vereinbart worden, ein gemeinsames Unternehmen zu schaffen, das sich gegenseitig befruchte. Das sei über den Haufen geworfen worden.
Impfstoff-Nachfrage geht seit Jahren zurück
BioNTech mit weltweit rund 7.200 Beschäftigten befindet sich seit Jahren in einem Wandlungsprozess samt Umstrukturierung. Einst hatte BioNTech gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer die erste Marktzulassung für einen Impfstoff gegen Covid-19 bekommen und verdiente damit Milliarden. Doch seit einigen Jahren geht die Nachfrage nach dem Covid-19-Impfstoff zurück, und ein anderes zugelassenes Produkt hat das Unternehmen bis dato nicht.
Geforscht wird an einer ganzen Reihe neuer Produkte, vor allem in der Onkologie. Außerdem setzt das Unternehmen auf Immuntherapien auf mRNA-Basis sowie Antikörper-Wirkstoff-Konjugate. Dabei sollen Wirkstoffe einer Chemotherapie mit Hilfe von Antikörpern gezielter an Krebszellen gebracht werden.
Das alles kostet viel Geld, entsprechend fährt BioNTech Verluste ein. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres stand unter dem Strich ein Minus von 1,35 Milliarden Euro - und das in einer Zeit, in der die zentralen Köpfe, das Ehepaar Ugur Sahin und Özlem Türeci, BioNTech verlassen werden.
Neue Firma ebenfalls in Mainz
Sahin und Türeci planen, sich in einem neuen Unternehmen der Entwicklung der nächsten Generation von Medikamenten auf mRNA-Basis zu widmen. Seit vergangener Woche ist klar, dass die neue Firma den Namen Arife tragen und ihren Hauptsitz ebenfalls in Mainz haben wird.
Sahin und Türeci wollen Anteilseigner von BioNTech bleiben. Sahins Nachfolger als Vorstandsvorsitzender bei BioNTech wird spätestens zum 1. Februar 2027 Guido Oelkers werden. Er arbeitete in den 1990er Jahren unter anderem für die Hoechst AG, die es nicht mehr gibt und kommt nun von dem schwedischen Biopharma-Unternehmen Swedish Orphan Biovitrum (Sobi), an dessen Spitze er seit 2017 stand.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Schließung der Standorte bis spätestens Ende 2028.
Very likely · Within years
Open Questions
- Wie hoch fallen die Abfindungen für die 1.800 Mitarbeiter aus?
- Welche Auswirkungen hat der Abgang von Sahin und Türeci auf die Innovationskraft?




